Michael Dürr wusste schon früh, dass es ihn mit seiner Fotografie in den Modebereich zieht. Von alleine entdeckt werden wollte der Wiener nicht, sondern drängte mit seinen Arbeiten selbst in den öffentlichen Raum. 1993 kam es zur ersten Ausstellung im Cafe Stein. Beinah 20 Jahre später eröffnet er heute sein neustes Projekt: "the Diesel intimate Darkroom Défilé" aus der Reihe CINEMA PHOTOGRAPHIQUE. Wir trafen den erfolgreichen Modefotografen zu einem Interview.
VANGARDIST: Beschreiben Sie sich in 4 Wörtern.
Michael Dürr: Romantisch, modisch, leidenschaftlich, alkoholfrei.
V: Ihr Stil wird oft als minimalistisch und auch gern als französisch beschrieben. Wie sieht es mit Ihrem Interesse an pompös ausgestatteten Shootings aus?
MD: Große Inszenierungen entsprechen nicht ganz meinem Wesen, obwohl ich hin und wieder für sehr kommerzielle und plakative Arbeiten im Werbebereich engagiert werde. Aber mich wird man nie mit zehn Blitzen und drei Assistenten am Set sehen, das ist nicht mein Stil. Da fühle ich mich unbeweglich und die Natürlichkeit geht verloren. Meine Arbeit selbst wird wohl immer minimalistisch bleiben.
Pompös bin ich eher in der Form der Präsentation. Viele erwarten, dass meine Fotografien nur in sehr reduzierten, klassisch weißen Räumen gezeigt werden. Aber ich überrasche gerne mit anderen Orten, wie beispielsweise meine Ausstellung in der Albertina im vergangenen Jahr.
V: Müssen Sie sich bei einem Fashionshooting strikt nach den Vorgaben der jeweiligen Label richten oder haben sie gestalterischen Freiraum?
MD: Das hängt immer von der jeweiligen Kampagne ab. Ziel eines jeden Fotografen ist es aber, für den Stil gebucht zu werden, den man sich über Jahre hinweg erarbeitet hat. Wird man für sein Spezialgebiet gebucht, gibt einem das eine gewisse Freiheit. Bei mir ist es mittlerweile schon der Fall, das mir Kunden ihre Kollektionen zum Shooten mitgeben, ohne dass sie bei dem Shooting selbst dabei sind.
V: Was würden Sie einem angehenden Modefotografen für Ratschläge auf den Weg geben?
MD: Auf jeden Fall so schnell wie möglich die eigene Leidenschaft öffentlich zu zeigen. Jede Gelegenheit sollte genutzt werden um Ausstellunsprojekte wahrzunehmen und seine Werke einem Publikum zugänglich machen. Über seine Leidenschaft steckt man oft andere Menschen an.
V: Haben Sie als selbstbekennender Vollblutfotograf noch Zeit für ein Privatleben?
MD: Kein Fotograf sollte täglich fotografieren. Jeder in diesem Berufsfeld braucht seine Inspirationszeiten. Man muss Freundschaften und Privatleben pflegen, um sich somit von seinen Mitmenschen inspirieren zu lassen. Gerade privates Glück oder Unglück kann sich auch positiv auf die Arbeit eines Fotografen auswirken. Ich finde es beispielsweise herrlich, wenn man einer Fotografie die Enttäuschung des Fotografen ansieht, wenn das Werk eine private, persönliche Melancholie erahnen lässt. Bei mir gab es beispielsweise eine Zeit, über die meine Freunde sagen, ich sei sehr romantisch gewesen und meine Arbeiten fast schon kitschig. Und dann plötzlich kamen sie wieder auf mich zu und meinten, ich wäre plötzlich härter geworden. Das hängt alles natürlich mit meinem Privatleben zusammen. Sämtliche Erlebnisse und Begegnungen fließen in meine Fotografien mit ein. Das macht die Fotografie eben auch spannend. In anderen Berufen, kann man Privates nicht so einfach mit in die Arbeit einfließen lassen.
V: Sie sind Initiator der CINEMA PHOTOGRAPHIQUE. Wie kam es zu diesem Ausstellungskonzept?
MD: Ich bin schon immer gerne ins Kino gegangen um mich von der Atmosphäre verzaubern zu lassen. Die Dunkelheit und das große Format fasziniert die Menschen. Irgendwann habe ich mich gefragt, warum man diese besondere Atmosphäre nicht auch nutzt, um Fotografien vorzuführen. Auch die Wirkung von Bildern entfaltet sich nochmal mehr auf einer großen Leinwand und einem abgedunkelten Raum. Aus dieser Idee wurde dann das Projekt Cinema Photographique geboren. 2008 gab es dann die erste Ausstellung und es folgten weitere in Kooperationen mit den verschiedensten Festivals. Das Konzept ist immer das selbe: Der Zuschauer wird in einem abgedunkelten Raum empfangen und die Fotografien werden auf eine große Fläche projeziert. Durch die Dunkelheit und die musikalische Begleitung werden die Emotionen in den Zuschauern geweckt. Viele Bilder bleiben so viel stärker in Erinnerung.
V: Was erwartet den Besucher bei deiner aktuellen Ausstellung "Intimate Darkroom Défilé"?
MD: Ich möchte noch nicht zuviel sagen, aber soviel kann ich verraten: Es geht um das Thema Underwear, wobei es aber nicht um die werbliche Darstellung geht. Zudem wird auch ein Fokus auf das Thema Männer gelegt. Wer meine Arbeiten kennt, weiß, dass ich in den letzten Jahren hauptsächlich Frauen abgelichtet habe. Es gibt also ein paar neue Seiten von meiner Arbeit zu entdecken, die man bisher noch nicht so kennt.
V: Sind Sie mit Ihrer bisherigen Karriere zufrieden?
MD: Zufrieden klingt so, als wäre alles schon abgeschlossen. Ich bin mit den letzten 20 Jahren zufrieden, aber ich weiß, da geht noch was. Gewisse Etappenziele habe ich erreicht, die ich mir vorgenommen habe, aber es juckt mich noch weiter zu gehen. Es muss nicht unbedingt die französische Vogue sein, die mich reizt, es sind vielmehr Menschen, Orte und Lichtstimmungen, die ich gern mit meiner Fotografie in Kombination sehen möchte.
weitere Infos:
Michael Dürr - the diesel intimate darkroom défilé
04.05.2012
Kunsthalle am Karlsplatz, Project space
michaelduerr.com
(Interview: Dominik Wieczorek, David Winterberg, Foto: Lilli Steiner)







































