Freunde sozialer Medien hatten letzte Woche wohl kaum die Chance um den neusten viralen Griff ins Klo der Zara-Marketingabteilung herumzukommen. Auf einem Werbeplakat posieren zwei sehr schlanke junge Frauen, blicken in Kate-Moss-Manier in die Kamera, neben ihnen prangt der Slogan „Love your curves“.

An sich eine nette Idee: Body Positivity statt Bodyshaming. Das Ding ist nur, dass die beiden schlanken Models nicht unbedingt Paradebeispiele für kurvige Frauen sind. Es wirkt fast wie Ironie, dass Zara sich für sie entschieden hat, um eine Pro-Kurven-Kampagne zu starten. Und um das gleich vorweg zu nehmen: Wir wollen die beiden Models an dieser Stelle keinesfalls niedermachen. Die beiden sind sehr hübsche Frauen. Der Inbegriff von „kurvig“ sind sie jedoch nicht.

Und das Internet wäre natürlich nicht das Internet, wenn nicht binnen kurzer Zeit ein ordentlicher Shitstorm gegen die Mode-Kette aufgekommen wäre. Hier ein paar Reaktionen:

Uns hat die an sich vielleicht ganz gut gemeinte Werbeaktion zum Nachdenken gebracht. Denn die Message ist natürlich prinzipiell lobenswert: Liebe deine Kurven! Fühl dich wohl mit dir und deinem Körper! Steh zu deinem Körper!

Aber wie soll ich denn meine Kurven lieben, wenn ich trotz dieser gut gemeinten Slogans immer wieder mit vermeintlich perfekten, vollschlanken Körpern konfrontiert werde? Und damit ist nicht nur die aktuelle Zara-Kampagne gemeint. Extrem durchtrainierte Typen wollen uns von Werbeplakaten lasziv zulächelnd Unterwäsche verkaufen, super schlanke Frauen ohne ein Gramm Fett zuviel wollen uns weißmachen, dass sie den ganzen Tag nur Pralinen futtern und im Fernsehen folgt ein Fitness-Programm-Spot auf den nächsten. Auf Instagram wird uns eine Welt gezeigt, die in den meisten Fällen nur auf dem bzw. für das Foto existiert: Perfekte Haare, perfekter Körper, perfektes Lächeln, perfekte Scheinwelt.

Wir haben da keine Lust mehr drauf und sagen: Habt kein schlechtes Gewissen, wenn ihr sonntags das Bett nur verlasst, um dem süßen Pizzaboten ein nach einer Mischung aus Alkoholfahne und Dönergeruch riechendes „Hier, für dich!“ entgegen zu hauchen, ihm 1 € Trinkgeld (wir sind mal gönnerhaft) zuzustecken und dann wieder in eurer Deckenhöhle verschwindet, um endlich Liebe mit der vor Käse triefenden Pizza zu machen.

Habt kein schlechtes Gewissen, wenn ihr den monatlichen Beitrag für ein Fitness-Studio lieber in Cheeseburger investiert.

Habt kein schlechtes Gewissen, wenn die vorbeilaufenden Jogger im Park euch verurteilende Blicke zuwerfen, weil ihr euch gerade dafür entschieden habt, dass man an ungeraden Tage auch ruhig drei Kugeln Eis bestellen kann.

Wie genau man lernt, seinen Körper und seine Kurven zu lieben, können wir leider auch nicht sagen. Aber wir können versuchen, es einfach zu machen.
Die Models, die unser Schönheitsideal prägen, sind professionelle Models. Es ist ihr Job, gut auszusehen, einen makellosen Körper zu haben, schlank und durchtrainiert zu sein. Wir müssen irgendwie lernen, ihnen nicht nachzueifern. So ist ein Redakteur kein Sixpack-Model und ein Sixpack-Model kein Redakteur.

Wir stehen zu unserem Bierbauch, zu unseren Schenkeln, zu unserem nicht vorhandenen Sixpacks: „Eat whatever you want, and if anyone tries to lecture you about your weight, eat them too.