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Musik

...is balls! - hat uns Tony Scarface Montana schon vor 30 Jahren erklärt. Was bei fortschrittlicheren Individuen damals mit einem Kopfschütteln quittiert wurde, lässt einen im Zeitalter des weichgespülten Hipster-Mainstreams erwartungsvoll aufhorchen. Vor allem, wenn es um Musik geht. Eine Wiener Newcomer Band namens Solid Air verkörpert genau das: Balls.
 
Die vier Jungs von Solid Air waren beim letzten Austrian Band Contest im hinteren Drittel des Line Up zu finden. Nach mehreren stark geschminkten und grenzwertig verkleideten Teenage-Metal-Acts wurde man schon von ihrem unaufgeregten Auftreten kalt erwischt: eher Ende 20 als 17, in Alltagskleidung, hatten sie es offenbar nicht nötig, mit abgeschmacktem Britpop-Chic oder dem immer gleichen Evil Horn-Gehabe über musikalisches Unvermögen hinwegzutäuschen. In den ihnen zugestandenen 30 Minuten lösten sie dieses Versprechen mehr als ein: Satte Gitarrenriffs, an deren Verlauf ein virtuoser Bass klebte wie meine Cowboystiefelabsätze auf dem am Boden verschütteten Bier, lösten spontane Assoziationen zu verloren geglaubten Männer-Clichés á la Motorrad fahren, Zigarre rauchen und Whiskey trinken aus. Mehrfache Tempowechsel eines kreativen, aber den Rahmen des klassischen Hard Rock nie sprengenden Schlagzeugers, verwandelten jeden der etwas überlangen Songs in ein Wechselbad aus musikalischem Ford Mustang und Dampfwalze. Die Jungs beherrschen ihre Instrumente, verstehen was von Musik. Dem Gesang mangelt es etwas an Originalität, was durch die starke Präsenz von Sänger Max aber locker wett gemacht wird. Innovation ist sowieso nicht der Punkt bei Solid Air. Sie sind vielmehr ein zeitgemäßes Derivat aus vier Jahrzehnten Hard Rock History - im positiven Sinne. Bislang handelt es sich dabei allerdings um ein reines Performance Phänomen. Ein vergangenen Sommer entstandenes Demo-Tape umfasst lediglich drei Songs, deren budgetbedingt mittelprächtige Abmischung den Auftritten von Solid Air in keinster Weise gerecht wird. Und auch wenn sie im kommenden Juli ihr erstes Album aufnehmen, verstehen sie sich primär als Live Band.
 
Besagten Contest haben sie nicht für sich entschieden. Dafür mangelte es ihnen noch an Fans bei der Abstimmung. Mit einem geplanten Auftritt am diesjährigen Wiener Donauinselfest könnte sich das aber ändern. Das dafür entscheidende Online-Voting läuft noch bis 3. Mai. Support your local heroes!
 
(Text: Klemens Gindl)

 

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