Peter Lewis - The Camera

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, so sagt man. Regisseur Peter Lewis hat sich das zu Herzen genommen und einen angenehmen Liebesfilm gedreht - mit nur einer Person.

Diese Person ist eine junge Frau, die nach einem Spaziergang am Meer in einem Strandhaus eine Sofortbildkamera findet. Wohl, um zu testen, ob sie noch funktioniert, fotografiert sie das leere, banale Schlafzimmer, in dem sie steht. Wie eine Zunge schiebt sich das Polaroidfoto aus dem Gerät und überrascht: Da sitzt ja ein ebenfalls junger Mann auf dem Bett. Und das ausgerechnet auf dem Bett, auf dem gar kein junger Mann sitzt. Verrückt.

Wo andere nun spontan panisch das Geisterhaus verlassen würden, bleibt die junge Dame gelassen. Anscheinend kennt sie wohl diesen Kerl, der gar nicht da ist.

Lewis, der für diesen Kurzfilm nicht nur die Regie sondern auch den Schnitt und das Drehbuch übernahm, reduziert den sprachlichen Anteil völlig aus der Geschichte heraus, sodass zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Wort fällt. Das stört auch nicht, vielmehr hilft es, den Fokus noch mehr auf optische Reize zu setzen. Die gibt es zu Genüge: Entschiedene Einstellungen, traumhafte Tiefenunschärfe und das helle Sonnenlicht auf dunklen Holzwänden.

Alles in allem: The Camera ist ausgesprochen schön anzusehen und gleicht den Mangel an Sprache oder dramaturgischer Komplexität damit aus, dass die kurze Handlung um das Finden des Glücks die lange Vorgeschichte um Verlust und Trauer unnötig macht. Ob die beiden nun verliebt oder verwandt sind, bleibt unbeantwortet. Aber macht das so einen großen Unterschied?

 

 
The Camera
written & directed by: Peter Lewis
starring: Abbie Lewis, Gabe Lewis

 
(Text: Wilke Weermann)

 

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