Wo der Sommer bereits im Frühling beginnt.

Es gibt Orte, die sich nicht aufdrängen, sondern langsam wirken. Meran ist genau so ein Ort. Schon bei meiner Ankunft spüre ich diesen besonderen Zauber, der zwischen Palmen und schneebedeckten Gipfeln liegt. Die Südtiroler Kurstadt blickt auf eine glanzvolle Vergangenheit zurück – ihre große Zeit erlebte sie zur Jahrhundertwende, als Adelige, Künstler und Intellektuelle hier flanierten. Noch heute ist dieser Hauch von Eleganz spürbar, nicht zuletzt durch die Präsenz von Kaiserin Elisabeth von Österreich, die Meran einst zu ihrem Rückzugsort machte.

Mein Wochenende beginnt im Hotel Mignon Meran Park & SPA – und schon die Ankunft fühlt sich an wie ein Versprechen. Ich werde herzlich empfangen, mein Gepäck verschwindet fast lautlos Richtung Zimmer, während ich an der Bar mit einem Glas Prosecco in der Hand ankomme. Es ist diese Mischung aus Professionalität und persönlicher Note, die sofort überzeugt.

Das Hotel liegt ruhig eingebettet zwischen historischen Villen im Stil des Historismus, umgeben von einer liebevoll gepflegten Gartenanlage. Und doch sind es nur wenige Gehminuten ins Zentrum. Die Kombination aus alpinem Panorama und mediterraner Leichtigkeit wirkt fast surreal – eine Ruhe, die man selten findet.

Meine Junior Suite im zweiten Stock ist großzügig gestaltet: ein Wohnschlafraum, eine gemütliche Sitzecke, ein Balkon mit Blick ins Grüne. Es sind die kleinen Details, die mich begeistern: ein Wanderrucksack im Schrank, ein Fläschchen Rotwein am Schreibtisch, frische Äpfel auf dem Tisch. Alles wirkt durchdacht, ohne inszeniert zu sein.

Beim Erkunden des Hauses fällt mir sofort das stimmige Design auf. Licht und Materialien schaffen eine Atmosphäre, die gleichzeitig modern und gemütlich ist. Besonders beeindruckend sind die Kunstwerke an den Wänden – ausdrucksstarke Gemälde der Gründerin Zenzi Glatt, die erst spät zur Malerei fand und ein erstaunliche Werke hinterließ. Diese Verbindung aus Geschichte und Gegenwart zieht sich durch das gesamte Haus.

Im Spa-Bereich wird das Versprechen von Entspannung schließlich eingelöst. Auf über 2.000 Quadratmetern eröffnet sich eine Welt aus Wasser, Wärme und Ruhe. Indoor- und Outdoorpool gehen fließend ineinander über, das Wasser angenehm temperiert. Saunen, Salzgrotte und Ruheräume bieten Rückzugsmöglichkeiten, während der Blick ins Freie stets präsent bleibt.

Ich entscheide mich für das „Echte Genießer“-Treatment – ein vierteiliges Verwöhnprogramm, das sich über zwei Tage erstreckt. Schon die ersten Anwendungen – Gesichtsbehandlung für den Mann und Maniküre – lassen mich den Alltag vergessen. Es ist diese Art von Entspannung, die nicht oberflächlich bleibt, sondern nachhaltig wirkt.

Zeit für einen Drink an der Bar. Dort werde ich von Philipp Ellmenreich begrüßt, der gemeinsam mit seiner Mutter, Sissi Amort-Ellmenreich, das Hotel in vierter Generation führt.
Schnell wird klar: Hier steht nicht nur Gastfreundschaft im Mittelpunkt, sondern auch echte Leidenschaft. Philipp Ellmenreich hat ein feines Gespür für Stil und Interieur – und ist darüber hinaus ein ausgewiesener Gin-Enthusiast. Mit sichtbarer Begeisterung stellt er mir eine Auswahl seltener Gin-Sorten vor und weiß zu jeder einzelnen eine kleine Geschichte zu erzählen.
Auf meine Frage nach einer Cocktail-Empfehlung lächelt er nur und meint, das sei gar nicht so einfach – die Karte zeige ohnehin nur einen Teil des Repertoires. Ich überlasse ihm die Wahl und werde mit einem leuchtend rosafarbenen Drink überrascht: süß, fruchtig und verfeinert mit einem Schuss Sevenoaks Gin. Ein Genuss.

Das Abendessen genieße ich im stilvollen Speisesalon, dessen elegantes Ambiente den passenden Rahmen für einen besonderen Abend bildet. Küchenchef Hanspeter Humml und sein Team kreieren hier täglich abwechslungsreiche 6-Gänge-Gourmetmenüs, bei denen regionale und saisonale Produkte im Mittelpunkt stehen. Der Service ist aufmerksam, die Weinempfehlung trifft ins Schwarze.

Nach einer erholsamen Nacht beginnt der nächste Tag mit einem besonderen Frühstück – allerdings nicht im Mignon selbst, sondern im Schwesterhotel, dem Hotel Adria. Das historische Haus wurde 1885 eröffnet und zählt zu den ersten Hotels im Villenviertel Obermais. Hier wurde einst sogar Kaiserin Elisabeth von Österreich beherbergt. Originale Elemente wie der Holzboden, ein Aufzug von 1914 und das älteste Hallenbad verleihen dem Haus einen unverwechselbaren Charme.

Anschließend mache ich mich auf den Weg zum Schloss Trauttmansdorff über die Sissi Promenade. Der Weg führt mich vom Kurhaus bis zum Schloss Trauttmansdorff. Nach etwa einer halben Stunde erreiche ich die einstige Residenz der Kaiserin. Besonders beeindruckend sind die botanischen Gärten: Auf 12 Hektar erstrecken sich über 80 Gartenlandschaften aus aller Welt. Ich spaziere durch den „Garten der Verliebten“, steige zur Aussichtsplattform hinauf und genieße den Blick über die gesamte Region. Meran zeigt sich hier von seiner vielleicht schönsten Seite: naturverbunden, elegant und entschleunigt.

Zurück geht es bequem mit dem Bus – die öffentlichen Verkehrsmittel sind praktischerweise im Hotelaufenthalt inkludiert. Am Nachmittag nehme ich an einer Stadtführung teil, organisiert von der Kurverwaltung. Zwei Stunden lang tauche ich tief in die Geschichte Merans ein – von der mittelalterlichen Blüte bis zur Kaiserzeit.

Ein Spaziergang auf dem Tappeinerweg rundet den Tag ab, bevor ich zurück ins Hotel kehre und den Abend entspannt im Spa ausklingen lasse.

Am letzten Morgen erwartet mich ein reichhaltiges Frühstücksbuffet – besonders die hausgemachten Kuchen bleiben mir in Erinnerung. Danach folgt der zweite Teil meines Treatments: eine wohltuende Zirbenpackung, bei der ich in einer warmen Liege ruhe, bevor eine 45-minütige Aromaölmassage den Abschluss bildet. Tiefenentspannt liege ich da und denke: Genau so sollte ein Wochenende sein.

Doch wie so oft vergeht die Zeit zu schnell. Mein Aufenthalt im Hotel Mignon Meran Park & SPA neigt sich dem Ende zu. Was bleibt, ist das Gefühl, nicht nur gereist, sondern wirklich angekommen zu sein – bei mir selbst und in einer Stadt, die Geschichte und Gegenwart auf einzigartige Weise verbindet.
Artikel: Martin Hron










































