#BodyTalk 1: Wie ich meine Bulimie bekämpfte & einen Neustart wagte - VANGARDIST MAGAZINE

#BodyTalk 1: Wie ich meine Bulimie bekämpfte & einen Neustart wagte

+++ Triggerwarnung +++

In diesem Artikel werden die Themen Essstörung, insbesondere das Krankheitsbild der Ess-Brech-Sucht (Bulimia Nervosa), sowie Alkoholmissbrauch angesprochen. Falls du oder eine Person in deinem Bekanntenkreis betroffen ist, findest du am Ende des Artikel wichtige Kontaktinformationen, um Hilfe zu bekommen.

Da dieses Thema für mich sehr persönlich ist,
habe ich ebenfalls ein Video über diesen Artikel abgedreht.

*Dieser Artikel ist keine bezahlte Kooperation und enthält meine ehrliche Meinung & Erfahrung.

2020. Ein wildes, isoliertes, langes, sehr, sehr langes Jahr. Für mich hielt dieses Jahr aber eine wichtige positive Wendung parat. Es sollte das Jahr werden, in dem ich mein Leben, welches durch meine jahrelange Bulimie-Erkrankung und übermäßigen Alkoholkonsum bestimmt war, umkrempeln sollte, um zu meinem Körper eine vollkommen neue (und etwas überfordernde) Beziehung aufzubauen. Und das alles hauptsächlich mit der Hilfe eines einzigen Mannes und seinem Support. Dies ist Teil 1 von 3 meiner Geschichte. Ich möchte dich auf meinem Weg aus der Krankheit und zu einem gesünderen Zugang zu meinem Körper mitnehmen und dir offen und ehrlich sagen, wie scheiße hart der Weg dahin war. 

Zanzibar, 2018

„Entenarsch“, „Schwabbel“
und der Kampf gegen den eigenen Körper

Mein Körper und ich waren nie wirklich die besten Freunde. Eigentlich eher genau das Gegenteil. Soweit ich zurückdenken kann, war er stets mein schlimmster Feind. Meine gesamte Schullaufbahn war geprägt von Mitschülern, die mich „Entenarsch“ oder „Schwabbel“ nannten und mich Tag ein, Tag aus aufgrund meines Körpers hänselten. Deshalb verbrachte ich meine gesamte Jugendzeit damit, mithilfe von Weight Watchers oder zahlreichen anderen Diäten irgendwie so zu werden wie die anderen. So dünn, so schön, so beliebt. So perfekt wie die „coolen“ Jungs. Einmal normal sein, gemocht werden. Vielleicht auch etwas untergehen in der Masse, damit man aufhört, mich zu piesacken. Es war ein schlimmer Schmerz, den ich die gesamte Schulzeit über in mir trug. Bis ich leider nur noch einen Ausweg fand, den ich erst bemerkte, als es schon viel zu spät war.

Es begann nach einer Geburtstagsfeier. Es gab zu viel Torte, Schlagsahne und anderen Süßkram. Mir war übel. Ich erbrach an diesem Tag das erste Mal bewusst. Dieser Tag sollte der Auslöser für eine jahrelange Freundschaft mit einem recht miesen Begleiter werden. Denn für die nächsten 12 Jahre trug ich stets einen ungewollten Begleiter namens Bulimie mit mir rum. Ich versuchte zu hungern, solange es ging, nutzte jahrelang Alkohol, um Hungergefühle zu unterdrücken und das Erbrechen wurde für mich zur absoluten Normalität. Der gewünschte Erfolg namens Gewichtsverlust blieb aber aus. Ich nahm immer mehr zu. Der übermäßige Alkoholkonsum führte mir, obwohl ich hungerte, Unmengen an Kalorien zu, die ich nicht sah. Ich schämte mich für meinen Körper. Ich hasste mein Spiegelbild und konnte mich kaum noch ansehen.


Ich war es satt.
Ich fühlte mich hilflos.
War unzufrieden in meinem Körper.
Und meinem Geist.
Ich war festgefahren.


Ein Sofa, viele Gespräche
und ein Licht am Ende des Tunnels 

Ich entschied mich dazu, mir Hilfe zu suchen und fand diese auch. Seit März 2018 sitze ich einmal wöchentlich auf dem typischen „Therapeuten-Sofa“ und arbeite meine Krankheit auf. Stück für Stück konnte ich Knoten lösen und Denkweisen verändern, die sich so toxisch und präsent in meinen Kopf einasphaltiert haben. Das Erbrechen wurde weniger. Doch das Thema „Essen und Ernährung“ blieb ein wunder Punkt. Es war schwer für mich, neuen Zugang zum Essen zu finden. Was jahrelang so eine Qual war, sollte doch jetzt leichter fallen. Ich fühlte mich etwas alleine gelassen, denn ich konnte schwer meinen Therapeuten an die Hand nehmen, damit er mir beim Einkaufen hilft. Was in meinen Augen, eines meiner größten emotionalen Baustellen war.

Mitten im Lockdown, im Frühjahr 2020, während alle beschäftigt waren Bananenbrot zu backen, tat sich dann für mich ein Licht am Ende des Tunnels auf. Meine Nahrungsaufnahme war eine wilde Achterbahnfahrt, da die Lockdown-Umstände und der Besuch im Supermarkt ein sehr schwieriges Thema wurden. Ich versuchte, so selten wie möglich das Haus zu verlassen und gleichzeitig so viele Nahrungsmittel wie möglich zu besorgen. Dies und mein verdrehter Zugang zum Thema „Essen“ sorgten dafür, dass ich oftmals viel zu viel Essen im Haus hatte und dieses auch direkt verputzte – oder der Kühlschrank vor Leere nur so gähnte. Es herrschte Chaos in Kopf und Kühlschrank. Ich brauchte wieder Hilfe. Dieses Mal nicht wegen meiner Essstörung, sondern jemanden der mir – und das klingt wirklich komisch – beibringt, wie man einkauft und sich ernährt. Ich brauchte einen Coach, der mich leitet und mir mit Rat und Tat zur Seite steht.

Bernhard, mein Darm und ein Neustart

Ich war es satt. Ich fühlte mich hilflos. Unzufrieden in meinem Körper. Und meinem Geist. Ich war festgefahren. Und so fasste ich den Entschluss, etwas ändern zu müssen, um erneut glücklich werden zu können. Über einen Bekannten geriet ich dann an Bernhard Brendinger. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie wichtig diese Person einmal für meinen Weg zu einem neuen Leben sein würde. Ich war bereit, alles zu versuchen, was mich aus meiner aktuellen Lage befreien würde. Und dass mir auf der Website von Bernhard die Worte „Abnehmen, ohne Sport!“ schillernd ins Auge stachen, hat mich dann doch ziemlich neugierig gemacht. Und ich denke, wir sind hier alle einer Meinung, das dieses Versprechen sehr, sehr verlockend klingt. Denn wenn wir mal ehrlich sind, wollen wir alle 1-2 Kilos loswerden, ohne uns dafür im Fitness-Studio abzustrampeln.

Sommer 2019

Ich wollte meine Kilos loswerden. Ich hatte durch meine komische Ernährungsweise und übermäßigem Alkoholkonsum mittlerweile die 120kg-Marke geknackt und wollte nicht mehr. Ich war unglücklich. Und so kontaktierte ich Bernhard. Via Zoom natürlich. Lockdown-Rules. Und ja,… es klingt etwas pathetisch, aber es war der Call, der dafür sorgte, dass heute meine Krankheit der Vergangenheit angehört und ich meinen Körper heute nicht mehr hasse. Nur als kleiner Teaser am Rande.

Bernhard ist Darmcoach. Klingt erstmal suspekt. Seine Theorie und Herangehensweise: Durch darmfreundliche Ernährung soll man seine Darmbakterien auf „schlank“ programmieren und so nachhaltig sein Gewicht erst reduzieren und später stabilisieren können. Ich hatte Fragen über Fragen. In einem einstündigen Erstgespräch redeten wir über meine Wünsche und Ziele (Gewichtsreduktion und einen neuen gesunden Zugang zum Thema „Essen“ und „Einkaufen“ schaffen) und meine bisherige Ernährung. Ich war ein offenes Buch und legte all meine Probleme offen. Wenn ich so ein Projekt schon angehe, dann richtig und ehrlich. Bernhard erklärte mir von seinem Programm, welches über 3 Monate laufen würde und die ersten Steps. Grundprinzip seines Coaching ist es, seine Ernährung auf 80 Prozent darmfreundliche Produkte (z.B. Quinoa, Süsskartoffel oder Zucchini) und 20% darmunfreundliche Produkte (Industriezucker, glutenhaltige Weizenprodukte und tierische Milchprodukte) umzustellen.  Sein Programm klang für mich, wie der Himmel auf Erden, da seine empfohlene Ernährungsumstellung generell 70 Prozent der Nahrungsmittel beinhaltete, die ich an sich schon gerne gegessen habe. Also, was hatte ich zu verlieren, außer im Bestfall ein bis zwei Kilos. Ich fühlte mich wohl. Ich willigte ein. War bereit, alles zu ändern. Einen weiteren Schritt in mein neues, gesundes Leben und gegen die Krankheit zu tun, die sich in meinem Kopf eingenistet hatte.

Ich ging nach Hause und konnte mein Glück kaum fassen. Endlich sollte sich alles zum Guten wenden. Endlich hatte ich das, was ich so sehr brauchte. Einen Coach an meiner Seite.

Und dann ging es erst richtig los.

Im nächsten Bericht gebe ich dir Einblicke in das Programm im Detail, meine Startschwierigkeiten und Zweifel, sowie die erste harte Zeit ohne Alkohol und wie ich diese überstanden habe.


Erfahre mehr über Bernhard, seine Arbeit
und sein Programm unter folgenden Links.

Falls ihr nicht abnehmen wollt, schaut dennoch mal vorbei,
denn es gibt auch super leckere Rezepte.

Falls du selbst Probleme mit Essstörungen hast,
bitte ich dich unter folgendem Link nach Hilfe zu Fragen.
Dies war ebenfalls die Einrichtung, die mir ein neues Leben ermöglichte:

www.sowhat.at

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