An irgendeinem Punkt im Leben kommt früher oder später die Frage: „Ziehe ich um oder nicht?“ Das Elternhaus verlassen, die Uni wechseln, nach Afrika gehen und die Welt verbessern – im Jahr 2017 haben wir tendenziell eher mehr Möglichkeiten als weniger. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass viele sich die Frage stellen, ob sie vielleicht einfach nach Berlin ziehen sollten.

Die Hauptstadt Deutschlands, wo weder geschlafen noch gearbeitet wird, und selbst Geschäftsführer sich besser mit Hartz4, als mit Steuererklärungen auskennen. Immerhin ist Berlin die einzige Weltmetropole, die Deutschland hat, zumindest was das Gefühl, das sie vermittelt, angeht. Wie für jede andere Stadt gibt es auch für Berlin Punkte, die für, und gegen einen Umzug sprechen. Und wer kann das besser beurteilen, als jemand wie ich, der hier geboren wurde?
 
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PRO-BERLIN

 


– Berlin macht aus den Leuten das, was sie wirklich sind: Junkys, Missionare, Götter oder Kellner. Hier kann jeder frei sein – nur Nazis finden wir doof.

– Die Stadt ist schön durch ihre Vielfalt.

– Und sie ist eine der grünsten Hauptstädte Europas! Nirgendwo sonst hast du die Möglichkeit innerhalb von 30 Minuten vom Großstadt-Feeling zum See-Feeling zum Einsam-Im-Wald-Feeling zu wechseln.

– Die einheimische Berliner Art – leider oft missverstanden.

– Wandel ist ein Luxus, den sich die Stadt auf ewig leistet.

 

CONTRA-BERLIN

 


– Berlin macht sich selbst zu dem, was es wirklich ist: Eine von Touristen überlaufene, aufgeblasene, Partyhüpfburg.

– Unqualifiziertes, überhebliches, grundlos prätentiöses, hipstereskes Pseudo-Künstler-Arty-Pack.

– Das Berghain ist nur noch auf Platz 16 der besten Clubs der Welt – hier eigene Emotion einfügen – 2009, zum Höhepunkt der Berliner-Hipster-Bewegung war es mal auf Platz 1.

– Die einheimische Berliner Art – leider oft missverstanden.

– Mit Kraft, Mut und Geduld, entfaltet die Stadt ihr volles Potential

 

FAZIT

 

Wenn man zu einer Stadt tatsächlich eine Beziehung aufbauen kann, dann ist es im Falle Berlins immer eine Hass-Liebe. Sie hasst dich, du liebst sie. Aber du hasst es, sie zu lieben. Und das wiederum liebst du. Nach einer langen, oder kurzen Reise, gibt es nichts Besseres, als endlich wieder den Gestank einzuatmen. Und du wirst es lieben, endlich diesen Sumpf hinter dir zu lassen. Ihr könnt nicht miteinander, aber auch nicht ohne. Aber Berlin ist das egal.


Text: Stephan Otto