Dort wo der Atlantik auf den westlichsten Punkt Europas trifft, die tosenden Wellen bizarre Höhlenformationen in den schroffen Sandstein schürfen, liegt eines der beliebtesten Touristenziele des Kontinents: die Algarve im schönen Portugal. Längst kein Geheimtipp mehr und somit war es an der Zeit einen Besuch abzustatten.

 

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Masse oder Klasse? Diese Entscheidung fiel mir keinesfalls schwer: Ich folgte dem Ruf ins Vila Vita Parc – eines der „Leading Hotels of the World“, um zu erkunden, ob es zurecht mehrfach ausgezeichnet geworden war.

 

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Ein guter Tag beginnt selbstverständlich mit der besseren Full-Body Massage. Diese war tatsächlich so entspannend, dass ich sofort wieder eingeschlafen wäre, hätten mich nicht die Abenteuer des Tages gerufen.

Die Algarve ist zwar bekannt als Golferparadies und auch im ‚Resort kann man seine Drivingskills verbessern, jedoch fühl ich mich noch zu jung dafür. Also ab aufs Fahrrad und zu den Vögeln – Bei der Vogelbeobachtung schlägt das Hobbyornithologenherz höher, wenn man die nahgelegene Salgado Lagune mit dem Fahrrad erkundet. Bei über 200 Vogelarten lässt sich auch der eine oder andere Flamingo entdecken (wenn die Jahreszeit passt: September – April).

 

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Wie könnte ich die monumentale Steilküste am besten explorieren? Kanu paddeln, ein Ausflugsschiff oder ganz verwegen: schwimmend – bei 18 °C Wassertemperatur? Lieber nicht. Zunächst habe ich die Küste zu Fuß erkundet und war schlichtweg beeindruckt: Ein vorgelagerter Felsen, der wie ein riesiges Stück Torte den feinen Sandstrand vor dem türkisblauen Meer beschützt und zwei kuschelnde Boys die in der Sonne liegen – Romantik liegt in der salzigen Meeresluft. Notiz an mich selbst: Ehemann finden und wieder kommen. Doch da war sie dann wieder meine Entscheidung: Masse oder Klasse? Ganz klar, für mich kommt da nur die hoteleigene 20 m Jacht in Frage. Mein „Luxuskörper“ räkelt sich am blank gescheuerten Deck in der strahlenden Sonne und die großartige Kulisse zieht in andächtiger Geschwindigkeit an mir vorbei, unterbrochen nur von gelegentlich serviertem Champagner und Canapés.

 

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Eine Höhlenexpedition mit dem Beiboot hat uns unterirdische Tunnelsysteme, geheime Strände und Felsspalten offenbart. Kann das Zufall sein? Plötzlich gibt eine herzförmige Öffnung der Grotte den Blick zum Himmel frei. Liebe durchströmt auch die dunkelste Höhle. Wie war das nochmals mit Ehemann finden und zurückkommen? Oder ist das gar ein Hinweis auf einen längst vergessenen Piratenschatz? Notiz an mich: Taucherausrüstung mitbringen und tauchen lernen.

 

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Kurz bevor wir wieder zum Hotel zurückkehrten, durchfuhr es mich: Was ist denn schon ein Strandurlaub ohne das Meer gefühlt zu haben. Mit einem gekonnten Sprung ins tiefblaue Wasser, tauchte ich mit einem lauten Aufschrei wieder auf: „Verdammt! Ist das kalt!“

 

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Was erwartet man sich bei dem Gedanken an ein Abendessen im Urlaubsresort? Eine Schlacht am All-You-Can-Eat-Buffet? Schreiende, mit Essen um sich werfende Kinder am Nachbartisch? Eine Menüabfolge, die sich alle drei Tage wiederholt und ein Geschmackserlebnis, das dem Durchschnitt zum Opfer fiel? Weit – sehr weit gefehlt! Jedes der 10 zum Resort gehörenden Restaurants serviert köstliche Speisen auf Sterne-Niveau in großartigem Ambiente. Die Gerichte, die von traditioneller Portugiesischer Gastronomie inspiriert sind, aber an einem modernen Lebensstil durch die Verwendung von Produkten und Techniken angepasst sind, ziehen sich durch alle Küchen, wobei die einzelnen Restaurants ihre internationalen Schwerpunkte haben.

 

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Eines dieser Restaurants, genannt „Ocean“, ist weit über die Grenzen Portugals bekannt und wurde, Dank der Kochkunst von Hans Neuner und seinem Team mit zwei Michelin-Sternen gekrönt. Bei den mir kredenzten Kreationen ist nicht alles, wie es scheint. Da entpuppt sich eine Olive als cremige, auf der Zunge schmelzende Olivenbutter, eine weiße Orchideenblüte verwandelt sich in eine luftige, essenzerfüllte Creme und die Schokoladen-Trüffel-Praline als eine liquide Geschmacksexplosion am Gaumen. Vier Stunden und zehn Gänge vergehen wie im Flug und lassen mich schwören, dass ich das Frühstück am nächsten Morgen schweren Herzens auslassen werde.

 

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Auf dem Nachhauseweg zu meinem Deluxe-Room durch den immergrünen, tropischen Garten muss ich mich verirrt haben. Anstatt des Schwanensees stehe ich vor einer Hängebrücke – auch sehr hübsch, aber nicht mein Haus. Bei näherer Betrachtung kommt mir das Ganze hier nicht wie eine Hotelanlage vor, sondern hat den Charakter eines verträumten, kleinen Portugiesischen Dorfes. Letztendlich bin ich jedoch froh über diesen Umweg mein Zimmer erreicht zu haben, denn der Verdauungsspaziergang hat mir gut getan.

 

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An dieser Stelle möchte ich nochmals auf die Gastronomische Vielfältigkeit des Resorts eingehen: Dazu gehören nicht nur die Restaurants im Hotel, sondern auch zwei Strandrestaurants, ein Weinkeller und eine zugehörige Farm, die viele der verwendeten Produkte lokal produziert. Ein besonderes kulinarisches Highlight für traditionell Portugiesische Küche war das am Strand befindliche Praia Dourada, in dem ich vom Chef persönlich gelernt habe, wie man ein Fischgericht in einer Cataplana zubereitet. Seafruitjunkies kommen absolut auf Ihre Kosten. Zur Abwechslung finden sich auch in näherer Umgebung des Hotels ein 2-Sterne und mehrer 1-Sterne-Lokale. Lukullische Genüsse im stylisch designten Interieur waren in jedem einzelnen Restaurant, das ich besucht habe, für eine angenehme Überraschung gut. Meine Erwartungen wurden jedes Mal übertroffen.

 

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Fazit: Foodies mit Hang zum Luxus und rauer Natur finden hier die Destination Ihrer Wahl. Das Hotel Vila Vita Parc destilliert die Essenz der Algarve und bietet alles, was die Region ausmacht. Man kann täglich ein neues Restaurant besuchen, ohne sich zu wiederholen. Selbst bei voller Auslastung wird man kaum durch andere Gäste gestört. Ruhe und Erholung sind garantiert. Um auf meine Eingangsfrage zurück zu kommen: Ja, die Anlage hat jede einzelne Auszeichnung zurecht verdient.

 

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Text: Martin Darling
Bilder: Martin Darling