Das, was für uns unendlich weit weg erscheint, kommt in For Ahkeem plötzlich sehr, sehr nahe: Boonie ist 17, gerade von der Schule geflogen, und bekommt eine letzte Chance ihren Highschool-Abschluss im Rahmen eines experimentellen Schulprojekts zu machen – all das, während sie ein Kind mit ihrem Freund Antonio erwartet.

Was jetzt vielleicht nach der Synopsis einer typischen Hollywood Produktion klingt, ist ein Dokumentarfilm von Jeremy Levine und Landon van Soest, der das Leben der schwarzen Daje Shelton (Boonie) in einer heruntergekommenen Gegend von Saint-Louis portraitiert, und viel mehr ist, als seichte Unterhaltung nach 20 Uhr.

Eine Dokumentation, die gleichzeitig ein Coming-Off-Age Drama ist, und uns einen Einblick in das Leben von jungen schwarzen Amerikaner*innen gibt, die nicht in reichen Vororten aufwachsen, sondern Tag für Tag Polizeibrutalität und Straßenkriminalität hautnah erleben. Es ist eine explosive Stimmung in der amerikanischen Gesellschaft, als die Bilder der Dokumentation entstehen: Boonie kuschelt gerade mit ihrem neugeborenen Sohn, während sie die Nachricht über den Tod von Mike Brown, nur ein paar Blocks weiter erreicht. Sie selbst hat schon etliche Freunde verloren, in dem Viertel, das von Straßen- aber auch Polizeigewalt dominiert wird.
 
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Der Film emotionalisiert, weil er so nah dran ist, an den Menschen – er passt die richtigen Momente ab, hat immer die richtige Einstellung, und als Zuschauer*in stellt man sich gezwungenermaßen die Frage, ob, oder was in dieser Dokumentation alles inszeniert ist. Es sind gewiss nicht Boonies Emotionen, Reaktionen und Handlungen. Aber dennoch sind die Kameraeinstellungen manchmal zu glatt, Szenen zu gut aufeinander abgestimmt, der Ton zu gut abgemischt.
 
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Trotz alldem ist es eine emotionale Achterbahnfahrt, die man im Kinosessel durchläuft: Im einen Moment scheint alles gut, und die Welt sich zu drehen – da schlägt das Schicksal noch fester zurück. Boonie möchte raus aus der perspektivlosen Nachbarschaft, dem Umfeld und der Schule – doch sie selbst steht sich auch im Weg. Ihre Mutter versucht ihr, so gut es geht zu helfen, aber auch sie gerät dabei an ihre Grenzen. Die Schule der 17-jährigen versucht mit allen Mitteln, sie durch ihren Abschluss zu manövrieren, aber immer wieder gerät Boonie auf Umwege, schwänzt die Schule um Zeit mit dem Vater ihres Kindes, Antonio zu verbringen. Auch er möchte ein guter Vater sein, aber gerät immer wieder in Schwierigkeiten.  Man glaubt doch keinen schwarzen Teenagern, es ist, als wäre das gesamte amerikanische Rechtssystem gegen sie gerichtet.  Der American Dream aus Sicht derer, die schon immer um ihre Rechte gekämpft haben, er wirkt abstrus und veraltet.
 
Den Trailer zum Film gibts hier:
 

 


Text: Alex Baur
bilder: Nicholas Weissman