Rap von queeren Künstler*innen? Songtexte, in denen Queer-Themen angesprochen werden? Verträgt sich Queer überhaupt mit Rap? Um auf all diese Fragen Antworten zu finden, haben wir aktuelle Künstler*innen, aber auch die Ballroom-Szene New Yorks, in der Queer Rap eine Inspiration gefunden hat, genauer betrachtet.

Queer Rap / Voguing / Ballroom

 

Voguing findet seinen Ursprung in den US-Gefängnissen der 1960er. Aus Langeweile imitierten damals Inhaftierte die Posen der Models aus Modemagazinen. Später wurde diese Art sich zu bewegen auf von Drag Queens organisierten Bällen und Umzügen in die Öffentlichkeit getragen. Voguing ist nicht nur ein Tanz, sondern ein Ausdruck gegen Diskriminierung und Intoleranz. In den Mainstream schaffte es Voguing in den 90er-Jahren, als Madonna 1990 die Tanzart durch das Musikvideo zu ihrem Song „Vogue“ popularisierte.

Während Vogue-Bälle der 90er auf Deep House und Disco Songs setzten, war es beim Ballroom anfangs schwierig, genügend Songs zu finden. Diese Richtung knüpft an Musik von Vogue-Bällen an und setzt auf Elemente aus Hiphop, R&B, sowie aggressivere Sounds aus Baltimore und Jersey Club. 

„Ballroom is about transmitting raw energy above production values – it’s about having a constantly new, fresh, and fierce soundtrack to a battle where you have to be more agile, more stylish, more on point, and more seductive than your opponent(s). It’s impossible to make the music without knowing how a vogue ball works“, so Vjuan, ein Produzent, der bereits mit 11 in der New Yorker Clubszene unterwegs war.

Musikalischer Hintergrund und Popkultur

 

Ob Vogue, Ballroom oder auch spezifisch Queer Rap – es gibt Elemente, die sich durch all diese (und noch mehr) Genres ziehen und einen unverkennbaren musikalischen Wiedererkennungswert darstellen. Vermutlich alle, die ab- und zu auf queeren Parties unterwegs sind, haben schon einmal das Vocal- Sample „Ha“ gehört – und wahrscheinlich noch nie darüber nachgedacht. Ursprünglich stammt es aus dem 1983 erschienenen Film „Trading Places“. MAW haben eine Szene gesampelt und zu einem der bedeutsamsten – wenn nicht dem bedeutsamsten – Track der Ballroom-Bewegung verarbeitet: Dem Ha Dance. „Ha“ ist nur eines von vielen Elementen, die den „queeren“ Sound definiert haben und ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein Mini- Sample große politische Bedeutung erlangen kann. Mittlerweile lassen sich diese Elemente überall finden – von Beyoncé bis Madonna wird auch im Pop nichts ausgelassen, und das führt oft zur Besorgnis um Cultural Appropriation. Während manche meinen, dass es in Ordnung sei, wenn Leute außerhalb der Community Elemente aufgreifen und zum Ziel haben, dass das Genre und die Message populärer werden, sind andere besorgt, dass Elemente ausgenutzt und aus dem Kontext gerissen werden. Während einige Ballroom-Elemente ziemlich schamlos von „white- straight-male“ Techhouse-Produzenten bereits deplatziert wurden, hat Madonna mit „Vogue“ Voguing großgemacht und bewusst Referenzen gesetzt – in ihrem Video wird gevougt:

 

 

Egal, ob die Benennung eines Genres als Queer Rap nun sinnvoll bzw. passend ist oder nicht, sollte besonders für Zuhörer*innen, aber auch Außenstehende, die Musik selbst und nicht das ihr anhaftende Label, eine Rolle spielen.


Text:  Rebecca Akimoto, Antonia Matschnig und Helene Proißl