Hey Riccardo, lange nicht mehr gesehen. Aber wie ich sehe, hast du die Zwischenzeit aber ordentlich genutzt, um weiterhin deine Anti-Bullying Kampagne zu promoten. Was war bis jetzt dein schönster Moment dieser Kampagne?

 

Ich weiss, dass es oft jede Menge Überwindung braucht um eine Geschichte, die oft unschöne Erinnerungen enthält, öffentlich zu erzählen – also dachte ich mir, es wäre toll,  jedem, der mitgemacht hat, einen kleinen Award als Dankeschön zu schicken. Ich habe mir früher immer selber Preise verliehen, dafür, dass ich ich selbst geblieben bin und das wollte ich nun an meine Fans weitergeben, die so viel Mut und Stärke bewiesen haben.

 

Du hast nie ein großes Geheimnis um deine sexuelle Orientierung gemacht und postest mit Stolz (und viel Selbstironie) immer wieder den Hashtag #ForeverAlone. Wie stehst du zum Thema (Online-)Dating im Jahre 2018? Datest du on- oder offline?

 

Also ich habe in der Regel keine andere Wahl als auf ein offline Date zu hoffen, denn in meinem Leben sieht das Auftauchen auf einer Online Dating Website nicht so sexy aus, wie man sich das vorstellt. Da ist die Inbox hauptsächlich mit Fan Messages gefüllt und weniger mit Nachrichten von Menschen, die wirklich an einem interessiert sind. Aber, wie ihr ja auf Instagram seht, nehme ich das Ganze mit Humor.

 

Was müsste der ideale Partner für dich mitbringen?

 

Ich wünsche mir eigentlich nur jemanden, der mit mir alle relevanten Szenen aus Titanic nachspielt und selbst auch Spaß daran empfindet.

 
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Was würdest du gerne in der LGBTQI+ Community ändern? Was wünscht du dir?

 

Ich würde mir wünschen, dass man innerhalb dieser Community nicht nur in Schubladen und Grüppchen denkt. Selbst innerhalb der LGBTQI+ Szene gibt es so viel Diskriminierung und ich fände es schön, wenn man sich von oberflächlichen Klischees trennen könnte und die Besonderheit der Menschen wieder wertvoller wird, als der Szene Typ zu dem sie geworden sind.

 

Wie gehst du mit dem Druck der Selbstoptimierung um, den Social Media oftmals mit sich bringt?

 

Also es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass der Druck auch an mir spurlos vorbei geht. Ich bin jemand, der unglaublich viel Zuspruch und Erfolg mit dem hat, was er tut und ertappe mich selber auch dabei, wie ich auf die Social Media Profile von anderen Menschen gehe und dann glaube, das Leben von anderen Menschen sei perfekt und das obwohl ich wahrscheinlich gerade den aufregendsten Tag überhaupt hinter mir habe. Wie muss sich das dann erst für Menschen mit einem normalen Leben anfühlen? Ich möchte nicht, dass andere sich so fühlen, wenn sie auf meinem Profil sind, deswegen ist es mir auch so wichtig zu zeigen, dass in meinem Leben oft genug etwas daneben geht und da immer noch ein echter Mensch hinter steckt. Die Leute sollen über die Dinge nachdenken, die ich gepostet habe, auch wenn ihr Smartphone aus ist und wenn sie an meinen Online Auftritt denken, sollen sie sich inspiriert und bestärkt fühlen und nicht glauben sie seien weniger wert, weil ihr Leben nicht so aussieht, wie das meine. Ich selbst versuche daher komplett auszublenden was alle anderen tun und konzentriere mich auf mein eigenes Ding.

 

Wie du selbst sagst, drehst du jeden Tag deine eigene Reality-Show auf Instagram. Dabei kommen dir die verrücktesten Idee. Wie schaffst du es so aus der Komfort Zone zu treten, um diese Dinge einfach zu tun und was rätst du Leuten, die zu schüchtern für solche Aktionen sind?

 

Ich glaube daran, dass man nur zu dem Menschen werden kann, der man sein möchte, wenn man seine Komfort Zone verlässt und auch nicht mehr in sie zurückkehrt. Wir versuchen die ganze Zeit von allen Menschen gemocht zu werden und wollen sogar Fremden gefallen, die wir nie wieder sehen werden. Warum? Das zensiert uns doch im Grunde nur in unserer Persönlichkeitsentfaltung. Schafft man es den Menschen zu überzeugen, der zugleich unser größter Kritiker ist, haben wir bereits gewonnen und das sind wir meistens selber. Wenn man diese Botschaft vertritt, finde ich es wichtig, diese Floskel nicht nur in den sicheren eigenen vier Wänden vorzubeten, sondern wirklich rauszugehen und es den Leuten vorzuleben. Wenn ich ein Video drehe, auf dem ich in einer Flughafen Toilette laut zu Britney Spears tanze, umgeben von fremden Männern, die mich alle anstarren, dann möchte ich meinen Fans vorleben, dass hinter den Worten auch wirklich ein Mensch steckt, der nach diesen Prinzipien lebt. Außerdem verbringe ich die meiste Zeit des Tages alleine im Taxi, am Flughafen oder in Hotels. Ich bin sehr dankbar, dass durch Social Media immer jemand da ist, der sich über lustiges Video von mir freut – das hilft mir total mich nützlich zu fühlen und motiviert mich die Zeit möglichst kreativ zu nutzen. Für alle, die sich nach ein bisschen mehr Selbstbewusstsein sehnen, sag ich immer versucht so viele Dinge zu tun, die euch das Gefühl geben ihr selbst zu sein. Es mögen nur Kleinigkeiten sein, aber in der Summe ergeben diese Dinge den Menschen, der ihr sein wollt. Hört Songs, die euch glücklich machen, guckt eure Lieblingsfilme und esst die Dinge, die euch glücklich machen. Tragt die Klamotten, die ihr wirklich tragen wollt und nicht die, um anderen zu gefallen und ihr werdet sehen, wie schnell ihr euch danach sehnt über eure Komfort Zone hinauszuwachsen.

 
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Womit setzt du dich gerade am meisten auseinander, wenn es um dich selbst oder Self-Love geht? Was war die größte Hürde und wo hast auch du noch Makel?

 

Ich bin mittlerweile an einem Punkt in meiner Karriere, an dem jeder Mensch sich dazu berechtigt fühlt über meine Entscheidungen zu urteilen und gerade in Zeiten von Social Media, in denen einfach jeder Mensch sich zu einem urteilenden Richter erklären kann, erleichtert das diese Aufgabe nicht unbedingt. Da war es früher glaube ich schon leichter, weil man höchstens von der Presse unter die Lupe genommen wurde und nicht von jedem Menschen mit einem Instagram Profil. Das führt schon dazu, dass auch jemand, der sehr selbstbewusst ist, Zweifel bekommt. Da bin auch ich nicht von befreit, aber ich versuche dabei keinen Idealen hinterherzutragen, die von außen auf mich ausgeübt werden, sondern versuche nach wie vor etwas darzustellen, womit ich mich selbst wohlfühle. Gerade in Sachen Körperkult merke ich, dass ich mich neuerdings viel mehr mit meinem Körper auseinandersetze als früher.

 

Zur Zeit bist du ein #StarletOnTheRise von TV-Shows bis Cover-Shootings. Was glaubst du kommt danach? Wovor hast du Angst auf diesem Weg?

Ich bin sehr dankbar das Leben zu leben von dem ich als Teenager geträumt habe. Social Media war für mich immer nur ein Werkzeug um meine Träume zu verwirklichen. Mein Traum war es nie Superblogger zu werden, sondern Entertainer. Einen Weg gefunden zu haben, der es mir ermöglicht Menschen jeden Tag aufs Neue zu unterhalten, ist ein riesiges Privileg. Wenn ich morgens aufstehe, ist mein erster Gedanke, was ich als nächstes auf Instagram posten könnte und wenn ich abends zu Bett gehe, ist es mein letzter. Ich überlege den ganzen Tag wie ich meine Posts mit einem bestimmten Mehrwert versehen kann und hoffe sehr, dass ich ich das Leben für den Jungen, der ich selbst einmal war und den es da draußen noch zu Haufe gibt, ein kleines bisschen leichter machen kann. Ich habe meine eigene TV Show bekommen, und das mit nur 24 Jahren, als Mitglied der LGBTQI+ Gemeinde. Das ist leider immer noch nicht selbstverständlich und ich hoffe sehr, durch meine Medienpräsenz einen Abdruck zu hinterlassen, der Menschen zeigt, dass anders sein etwas großartiges sein kann. Wenn ich an meine Zukunft denke, sehe ich mich immer glücklich vor einer Kamera stehend. Egal in welchem Alter. Diesem Traum gilt meine ganze Hoffnung und Hingabe.

 

Wie ich gehört habe, arbeitest du an deinem ersten Buch. Was können wir erwarten? Worüber wirst du schreiben?

 

Ich arbeite schon eine ganze Weile an meinem Buch. Das ist wirklich mitunter das größte Projekt für mich überhaupt. Ich fände es arrogant mit 25 meine Biografie herauszubringen, aber es wird auf jeden Fall gefüllt sein mit autobiographischen Anekdoten – ich hoffe, es wird den Leuten gefallen!

 
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Du hast deine Fans mit Perücke hinters Licht geführt und alle dachten, du hättest deine Haare zum Long-Bob gekürzt. Uns hat der Look gefallen. Vielleicht doch einen Versuch wert oder kommt das gar nicht in die Tüte?

 

Das freut mich. Mich hat es schon ein bisschen erschreckt, dass das Selfie mit Perücke mitunter mein meist geliktes Selfie wurde. Für eine Perrücke? (lacht) Es war echt ein irres Gefühl, als man kurz darauf das halbe Internet wieder enttäuschen musste, weil die Haare doch lang geblieben sind – aber das werden sie wohl auch bleiben. Ich vergleich mich da immer ganz gerne mit dem biblischen König Samson, der unbesiegbar war, bis ihm die Haare abgeschnitten wurden. Ich brauche meine Haare und würde mich wirklich nur von ihnen trennen wenn es zum Beispiel für eine Film-Rolle wäre. Wobei, selbst da würde ich glaube ich auf eine Fake Glatze bestehen! (lacht)

 

Und wenn wir dich schon zum Interview treffen, kann das Thema Pop Kultur nicht fehlen: Was war bis jetzt dein Lieblingsmoment aus 2018 und worauf hoffst du noch insgeheim?

 

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich enttäuscht von der Popkultur gerade. Ich war dieses Jahr zu den Oscars in Los Angeles, das war sehr aufregend, aber nicht wirklich popkulturell relevant. Stars riskieren heutzutage nicht mehr viel, weil wie oben erwähnt das Internet ein viel strengerer Richter ist, als die Medien es früher waren. Das nimmt vielen den Spaß und genau deswegen ist es mir auch so wichtig immer wieder aus meiner Komfort herauszutreten und meinen Fans das zu bieten, was sie verdient haben: Eine Show!


 

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