24/7 Online, immer Up2Date, immer da, scrollend, postend, twitternd. Wir leben online. Jedenfalls tun wir so. Doch das Leben findet offline statt – hab’ ich jedenfalls gehört. Aber für dieses OFFLINE gibt es keine App. Wir müssen es erleben. Und so gehts.

#1 Zurück zum guten alten Wecker

 
Ich verwette meinen Handyvertrag darauf, dass nur noch die wenigstens von uns einen richtigen Wecker benutzen, um morgens aus den Feder zu kommen. Wir alle haben ja unser Smartphone. Und uns ist auch folgendes Szenario bekannt: Wecker wird gestellt – also mindestens 5, weil wir sonst nicht die Augen am Morgen auf bekommen – Smartphone wird an das Ladekabel gestöpselt, und liegt direkt neben unserem Kopfkissen. #GoodNight. Großer Fehler, denn sobald das Display aufleuchtet, sind wir hell wach: Eine Nachricht, ein neuer Follower, jemand hat dich getagged? Und zack, wieder online. Also: Smartphone nicht mit ins Bett nehmen und wieder einen richtigen Wecker verwenden.
 

#2 Ich habe heute leider kein Foto für dich

 
Erst VSCOcam, dann Squaready, dann Instagram, neuer Filter: Lieber Valencia oder doch Sierra? Dann der Titel, die richtigen Hashtags, Personen markieren, ab zu Facebook, Twitter und zu Tumblr. Und alle 10 Minuten checken, wem unser Bild gefällt. Kannst du dich überhaupt noch an den Moment erinnern, in dem du dieses Bild geschossen hast? Was währenddessen um dich herum passiert ist? Was so besonders war? Denn anstatt den Moment wirklich festzuhalten, oder ihn zu genießen, warst du mindestens 10 Minuten damit beschäftigt, diese “Erinnerung” online zu inszenieren. Und das nervt. Mich und deine Freunde. Öfter mal die Kamera in der Tasche lassen und die Momente offline festhalten.
 

#3 Fuck the good Life

 
“Online is the new reality. The internet is reality. Technology killed reality”

Facebook einmal hoch und runter gescrollt. Ich sah: Freunde am Strand, Freunde im Park, Freunde mit Cocktail, noch mehr Freunde im Park, beim Strand (dieses Mal mit Cocktails und ‘nem großen Salat). Die haben ein Leben, denn ich sitze im Büro. Und wie zu erwarten war, bin ich jetzt verdammt unglücklich, bin unzufrieden, fühle mich schlecht, weil ich nicht mit meinen Freunden das gute Leben in der Sonne genießen kann. Doch viel zu schnell vergessen wir, dass wir nur zeigen, was a) Likes bringt oder b) die Sonnenseiten des Lebens zeigt. Wie es uns wirklich geht? Danach fragt keiner. Wir spielen einfach mit und ballern uns online unsere schönen Momente um die Ohren. Ganz egal, wie es uns wirklich geht. Wettrüsten mit inszenierten Momenten, mehr ist das nicht. Also bitte: Facebook schließen. Dank’ mir später.
 

#4 Immer erreichbar sein – muss nicht sein

 
Warum zur Hölle checkst du deine Mails, wenn deine Freundin beim gemeinsamen Essen grade auf die Toilette verschwindet? Wieso musst du genau jetzt deinen Facebook-,Twitter- oder Instagramfeed checken, wo dein bester Kumpel mit dir in der Stadt ein neues Outfit für ein Date sucht? Wir legen das Smartphone kaum noch aus der Hand. Und wahrscheinlich sind wir die erste Generation, die auch damit begraben wird, damit wir ebenfalls im nächsten Leben oder wo wir auch immer landen werden, erreichbar sind.

Aber wisst ihr was? Das Smartphone mal zuhause zu lassen, und sich offline auf den Weg durchs Leben zu machen tut weder weh, noch wird dein Account sofort deaktiviert. Und Nachrichten schreibt man nur, weil es nicht so wichtig ist, als das man anrufen müsste. Wenn es mal möglich ist, lass dein digitales Leben zuhause.
 

#5 Ich hätte dich auch lieber an der Supermarktkasse kennengelernt

 
Wie oft lese ich diesen Satz auf Dating-Seiten wie Tinder, Grindr, Lesarion, aber die Eier in der Hose, eine Person, die uns gefällt wirklich an der Supermarktkasse anzusprechen haben wir nicht.

Flirten oder Offline-Kontaktaufnahme haben wir also verlernt oder vergessen? Zuhause werden aber dann jegliche Portale auf der Jagd nach dem Gesicht an der Kasse durchforstet. Um dann Nachrichten zu schreiben. Doch warum sprechen wir niemanden mehr direkt an? Haben wir Angst vor einem Nein? Wahrscheinlich. Aber online schieben wir genug Profile nach Links, Recht, oder ignorieren Nachrichten. Wir selber geben Neins, und haben Angst es live und in Farbe zu bekommen. Das nächste mal einfach Mut beweisen, und Ihn oder Sie ansprechen, anstatt sich hinter einem Profil zu verstecken.


Grafik + Text: Julian Behrenbeck