Tinder, Bumble, eDarling, Parship und Co. – noch nie konnten wir Partner*innen so schnell auswählen, aber auch wegwischen, blockieren, oder entliken wie an unseren Smartphones. Wir schreiben in fünf Minuten 500 “Hey’s”, bekommen 50 “Wie gehts?” Antworten zurück, und wundern uns dann noch, wieso es denn auf einmal so viele von ihnen gibt, den Fuckboys.

 

Googelt man das Wort Fuckboy, gibt einem Urban Dictionary die Schulbuch-Definition derjenigen Person, die eigentlich niemand sein möchte, aber die doch jeder irgendwie ist. Stimmt das? Muss man nicht Axe-Bodyspray getränkte Weed-Socken tragen, Zwinkersmileys machen und offen antifeministisch sein, um einen Fuckboy zu portraitieren? Oder ist dieses Bild des Fuckboys nur eine überspitzte Kombination aus Merkmalen, die wir alle irgendwo aufweisen?
 

#GHOSTING

 
Wie mache ich am einfachsten mit jemandem Schluss, wie sage ich jemandem am leichtesten, dass ich kein Interesse an ihm / ihr habe? Indem ich mich einfach nicht mehr melde. “Sorry, Handy ins Klo gefallen!” Und nein, wir ghosten nicht, um es der andere Person so schmerzlos wie möglich beizubringen: Wir haben nur einfach nicht die Eier, Stellung zu beziehen. Beim Online Dating sind wir dann wohl alle Generation Y.  
 

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#NIVEAUBITTE

 
Ja, die Zeiten des Onlinedatings sind keine leichten. Es ist schwer, sich über Tinder erstmal in den Charakter einer Person zu verlieben, wenn die Person auf ihrem Bild einen halben Liter Bier aus einem Trichter leert. Aber sind wir zu pingelig geworden? Lässt uns das aktive Wegswipen und Entliken zu oberflächlichen Datingmonstern verkommen? Du lebst nicht vegan und laktosefrei – oder eben doch? Sorry, dann nicht, tschüssi! Du hast nur Schuhgröße 43 bei 187cm Körpergröße? Nee du aber das ist nicht verhältnismäßig, tschau! Du hast die letzte Folge Game of Thrones nicht geschaut? Über was soll ich denn dann mit dir reden? Bye bye! Du stehst nicht auf Anspucken im Bett? Sorry, aber dann wirds mir zu langweilig.
 

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#BLOSSKEINEKRITIK

 
Wir verurteilen nicht nur beim Onlinedating jeden für alles, sondern natürlich auch im Real Life. Aber dennoch ist Kritik an unserem Verhalten stets unerwünscht: Was erlaubt sich diese Person eigentlich, mich zu kritisieren? Die kennt mich doch gar nicht! Stimmt, alles was dein Online-Gegenüber von dir kennt, ist dein gezwungen lustiger Profiltext, und die 4 Standardbilder von dir: Eins im Urlaub, eins im Club, eins im Badezimmer, und eins mit einem (süßen) Tier in der Hand. Und aus dieser Hand voll Informationen wagt dein*e Chatpartner*in es, eine andere Stellung als du zu beziehen? Unmöglich, klar – aber hey, blockieren geht immer. Auch, nach einem schlechten One-Night-Stand.
 

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#NICHTZUOFFENSICHTLICH

 
Ach wie schön das wäre: Du bist auf der Suche nach Sex, und kannst es deinem Tinder Match direkt und unverblümt mitteilen. Aber so läuft der Hase leider nicht: Vorher müssen noch die 6-7 nullachtfünfzehn Fragen abgegrast werden, kräftig Zwinkersmileys verteilt, und ein “Waaas, du gehst ohne mich duschen? Viel Spaß :P” gesendet werden. Erst dann sollte deinem potentiellen Partner klar werden: Hier geht es um die Wurst! (oder eben nicht). Und falls der Plan nach hinten losgeht, dann scheiße. Weitere 12 Minuten parallelchatten mit 5 anderen Menschen umsonst.
 

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Text: Alex Baur