Die Sommerferien neigen sich langsam dem Ende zu und die Lehrer*Innen beschäftigen sich mit dem neuen Lehrplan. Dieser beinhaltet hauptsächlich Fächer wie Mathe, Bio und Englisch, Sexualkunde kommt da etwas kurz. Mit diesem verbinden die meisten wahrscheinlich vor allem peinlich-berührte Lehrer*Innen und kichernde Kids im Klassenzimmer. Kein Wunder also, dass sich viele Schüler*Innen nicht an die Inhalte erinnern können bzw. viele sensible Themen gar nicht erst gelehrt werden. Das soll sich nun ändern.

I CAN’T GET NO SATISFACTION

 

Die Vielfalt an Themen im Sexualkundeunterricht scheint gering zu sein. Während die meisten Deutschen noch wissen, dass sie Anatomie (80 Prozent), Schwangerschaft (77 Prozent) oder Pubertät (75 Prozent) im Schulunterricht besprochen haben, kann sich nicht einmal ein Drittel der Befragten daran erinnern, Masturbation oder sexuelles Vergnügen thematisiert zu haben. Das verrät der TENGA Lustreport: Die weltweit größte Studie zu den Themen Masturbation, Sexualität und Wohlbefinden, für die 10.000 Männer und Frauen in neun Ländern befragt wurden.

 

Gehört Masturbation also in den Lehrplan? „Ja”, sagen die Deutschen.

 

DAS KLEINE 1X1 DER SELBSTBEFRIEDIGUNG

 

 

Themen wie Masturbation, sexuelle Vorlieben oder gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen werden noch immer hinter geschlossener Klassentür diskutiert, statt im offenen Diskurs. Das reflektiert auch der „Sexualkundeunterricht”, der eher pseudomäßiges und oberflächliches Wissen über Sex vermitteln soll. Auf die Frage, ob Masturbation ein fester Bestandteil des Lehrplans sein sollte, antworteten drei Viertel der Deutschen mit „Ja“. Die Deutschen scheinen also immer offener mit Selbstbefriedigung umzugehen, was die Schwerpunkte des Sexualkundeuntterichts vielleicht beeinflussen sollte. Der Urologe Volker Wittkamp sagt:

 

„Masturbation ist ein ganz normaler und gesunder Teil des Lebens und gehört zu einem erfüllten Sexleben dazu. Wer weiß, was einem selbst gefällt, kann dies auch viel besser an den oder die Partner*In kommunizieren. Daher sollte Selbstbefriedigung auch im Unterricht besprochen werden“

 

DO IT YOURSELF

 

Tatsächlich zählt für die Deutschen Masturbieren mittlerweile auch zur Self-Care. Ganze 90 Prozent berichten von einer positiven Auswirkung auf ihre Stimmung, wenn sie selbst Hand anlegen. Auch als Stresskiller ist Selbstbefriedigung im Ranking vor Lesen, Meditieren oder Yoga.

 

NACHHOLBEDARF IN DER SCHULE

 

 

Die Schlusslichter der im Unterricht behandelten Themen stellen sexuelle Belästigung (17%) und sexueller Konsens (13%) dar. Dies ist vor allem im Anbetracht der heutigen Zeit beängstigend, denn eine ausführliche sexuelle Aufklärung geht immer mit der Frage nach sexueller Zustimmung einher.

 

Schule sollte also einen Raum des Lehrens, Zuhörens, vor allem aber einen Ort des öffentlichen Diskurses bieten.

 

Quelle: TENGA Lustreport 2019
Autor: Lena Pfeiffer