Früher waren die Männer noch echte Kerle. Sie gingen auf Jagd, verteidigten Familie, Haus und Hof und bestritten mit ihrem hart verdienten Geld den Lebensunterhalt. Viele Männer definieren sich auch heute noch durch ihren Beruf. Sie fühlen sich anscheinend nur dann richtig wohl, wenn sie lange genug arbeiten. Wie der Soziologieprofesser Martin Schröder anhand einer Langzeitstudie feststellte, waren jene Männer mit ihrem Leben am zufriedensten, die 50 Stunden pro Woche ihren Beruf ausübten. Doch sieht so wirklich das moderne Bild von Männlichkeit aus?

Tatsache ist, dass sich das Selbstverständnis vieler Männer häufig von dem unterscheidet, wie Frauen darüber denken. Die meisten Männer gehen davon aus, dass sie mit einem muskulösen Körper, einem guten Verdienst und einem tollen Auto die Frauenwelt begeistern. Viele Männer wollen dem Klischee entsprechen und messen sich an diesen Maßstäben, ohne zu hinterfragen, was sie selbst wirklich sind und wollen. Sie rackern sich ab, um dem Idealbild zu entsprechen und finden letztendlich doch nicht die passende Partnerin. Das liegt sehr wahrscheinlich daran, dass das Männerbild in den Augen der Frauen eine Wandlung erfahren hat. Doch haben sich die Ansprüche der Frauen wirklich geändert? Oder sind es vielmehr die Lebensumstände, die das alte Wertebild ins Rutschen brachten?

 

 

Wann ist eine Frau eine Frau?

 

Um diese Frage zu beantworten, muss man die aktuelle Situation analysieren. Allgemein fand im Berufsleben ein Angleichen der beiden Geschlechter statt, was sich letztendlich auch auf die Beziehung zwischen Mann und Frau übertrug. Viele Frauen sind inzwischen erfolgreicher als ihre Männer und deshalb frei und unabhängig. Sie brauchen keinen Mann, der den großen Macker spielt und das Geld mit nach Hause bringt, sondern ein verständnisvolles Gegenüber. Auch das Klischee vom gut situierten älteren Mann und der jüngeren, in Abhängigkeit lebenden Frau ist längst überholt. Viele ältere Frauen gönnen sich einen jungen Liebhaber und verbringen mit diesem schöne Stunden. Und noch etwas hat sich geändert: Die Geschlechtergrenzen verschwimmen und bieten viel Raum für Experimente. Starke Frauen treffen auf devote Schönlinge. In den Werkstätten gibt es statt nackter Kalendergirls knackige Jungs zu sehen, denn möglicherweise handelt es sich bei dem KfZ-Meister um eine Frau. Die männlichen Models leben hingegen nicht selten als queere Heteros, die morgens Stunden vor dem Spiegel verbringen, um ihr Make-up zu richten.

 

 

Immer mehr Frauen befinden sich in Machtpositionen, die ursprünglich den Männern vorbehalten waren – und sie wissen diese auch für ihre Zwecke zu nutzen. Früher waren die Frauen artig, blieben zu Hause und kümmerten sich um die Kinder. Heute stehen sie mit beiden Beinen fest im Business und gönnen sich Dinge, von denen ihre Großmütter nie im Leben zu träumen gewagt hätten. Und die Männer verabschieden sich immer mehr von ihrem alten Rollenbild und entdecken eine neue Form der Weiblichkeit.

 

Text Petra Riesel