Der Sommer hat dieses Jahr irgendwie keinen Bock, Berlin ist letzte Woche fast weggeschwommen und im Juli möchte ich keinen Pullover mehr tragen müssen. Im Sommer sitzt man doch draußen, betrinkt sich mit Aperol und guckt Jungs hinterher, die sich endlich nicht mehr unter dicken Wintermänteln verstecken. Dieses Jahr aber anscheinend nicht. Dieses Jahr hat sich der Sommer dazu entschlossen, ein Arschloch zu sein und deshalb bleibt es bei Rotwein auf dem Sofa und Grindr-Chats statt real talk.

Auch wenn ich eine Person bin, die Temperaturen über 25 ° Celsius nur sehr schwer aushalten kann und dieses kollektive am See Rumliegen kategorisch ablehne, vermisse ich die sommerliche Leichtigkeit schon ein bisschen. Was ich hingegen nicht vermisse und worauf ich eigentlich hinaus möchte: Festivals. Denn Sommerzeit ist ja bekanntlich auch Festival-Zeit. Und nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: Ich finde Festivals gar nicht blöd. Früher, also vor drei, vier Jahren, bin ich selbst noch sehr gern auf diverse Festivals in ganz Deutschland gefahren und habe mich dem Festival-Lifestyle angepasst:

Einen Tag vorher anreisen, gut eingedeckt mit Billo-Bier, Wein im Tetra-Pack und Dosen-Ravioli. Im Zelt auf einer viel zu dünnen Luftmatratze schlafen bzw. eigentlich gar nicht schlafen. Flunky-Ball, Bier Pong, Wett-Trinken, mit wildfremden Typen rumknutschen, sich danach mit deren Freundinnen anlegen, auf Dixi-Klos gehen, durch den Matsch warten und dabei die Turnschuhe versauen, weil man mal wieder zu blöd war Gummistiefel einzupacken. Die guten Vorsätze fallen lassen und von einer Zigarette am Tag wieder auf zwei Schachteln umsteigen. Glitzer ins Gesicht schmieren, Merch von den Lieblingsbands für viel zu viel Geld kaufen und dann höchstens zwei Mal tragen bevor es in den Weiten des Kleiderschranks verschwindet. Die Dosen-Ravioli letztendlich kalt essen, weil der dämliche Gaskocher nicht funktioniert bzw. man gar keinen dabei hat. Die Dosen-Ravioli vor dem Verzehr mit einem Taschenmesser irgendwie aufschneiden, weil man den Metalnippel abgebrochen hat. Sich an der Schnittkante die Finger blutig schneiden. In irgendwelche Pogo-Gruppen geraten, sich mit Regencape bewaffen, weil es natürlich immer regnet.

Been there, done that! Und war rückblickend auch echt super. Aber jetzt ist mir das zu anstrengend geworden – der Matsch, die Menschen, alles! Und dabei bin ich gar nicht unbedingt ein Misanthrop, ich schlafe nur einfach gerne in Betten, die diese Bezeichnung auch verdient haben. Als ein Freund mir letzte Woche berichtet hat, auf welche Festivals er diesen Sommer noch fahren wird, habe ich mich gefühlt wie 100 und hätte mich fast selbst ohrfeigen können, als ich mich sagen hörte: „Aber nimm dir unbedingt was Warmes zum Anziehen mit – nicht das du dich erkältest!“ Danach habe ich laut raschelnd mein Eukalyptus-Bonbon ausgepackt und Kreuzworträtsel gelöst.

Aber ich trickse mich jetzt aus: Ich gehe nämlich einfach zu den Festivals, die gar keine Camping Area haben! Das bedeutet, dass die Besucher abends zurück nach Hause oder ins Hotel müssen, bevor sie am nächsten Tag frisch geduscht (!) und ausgeschlafen (!) wieder zum Gelände tingeln. Ich bin so ein Fuchs.
Hier sei übrigens das MILKSHAKE FESTIVAL empfohlen – wir werden auch dieses Jahr wieder für euch berichten. Stay Tuned!