Hey!
Na, wie geht’s?
Ja, und selbst?
Nee, alles super – wirklich.
Schönes Kleid, passt super zu den Schuhen.
Ja, Gott sei Dank scheint heute die Sonne, haha.
Der Job ist super, nee, echt, macht mir Spaß. Nette Kollegen.
Ja, und selbst?
Nee, alles beim Alten, alles gut.
Und was macht die Liebe?
Ach, wie schön warm es ist.
Nee, alles super – total glücklich.
Ja, und selbst?

 


 

Ich bin ungefähr der untalentierteste Mensch, wenn es um Smalltalk geht. Und dabei ist das gerade in der Medienbranche quasi eine Grundvoraussetzung: Presseevents, Magazine-Releases, Premieren – alles Veranstaltungen, auf denen der Smalltalk-Keim schimmelartig alles anfällt, was sich nicht bei drei in der Goodie-Bag versteckt hat. Ich finde das unfassbar anstrengend und es verlangt mir eine Menge ab, einen ganzen Abend lang mit einem Lächeln im Gesicht und freundlichen Worten auf den Lippen zu überstehen ohne aus Versehen das Sektglas in meiner Hand zu zerdrücken. Nicht falsch verstehen: Wenn ich auf diesen Events Menschen treffe, die ich mag oder die mir sympathisch sind, unterhalte ich mich gerne mit ihnen, habe Spaß. Aber es gibt immer auch diese Kategorie von Bekanntschaften, mit denen man sich unterhalten MUSS, weil sich das eben so gehört – Meet & Greet, Gesehen & Gesehen werden. Gehört leider dazu.

Deshalb hier drei goldene Regeln, an die ich mich immer klammere, wie an den Strohhalm in meinem Moscow Mule.

#1

Wie schon erwähnt, laufe ich mit einem Lächeln durch diese Veranstaltungen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dieses Lächeln die meiste Zeit sehr aufgesetzt ist, aber who cares? Als wäre alle anderen gerade total happy darüber, dass sie auf diesem crazy Event mit diesen fancy Drinks und diesen totally interesting Magazine sind. No Way! Also: Augen zu, Mundwinkel hoch, Sekt in die Krallen und durch! Wer mag schon mit jemandem ein sowieso schon künstlich in die Länge gezogenes Gespräch führen, wenn der Gesprächspartner dabei eine Fresse zieht?!
 
#2

Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können, eignen sich für Smalltalk mal so gar nicht. Im schlimmsten Fall wird die Frage „Kommst du auch aus Berlin?“ einfach mit einem schnöden „Ja.“ abgetan und der Smalltalk-Killer namens Stille schleicht sich in den Raum. Und dann wird’s unangenehm: Unsichere Blicke, Rumgedruckse, krampfhaftes Lächeln – bis man sich dann mit einer fadenscheinigen Ausrede auf Toilette verabschiedet. Ich persönliche winke gerne einfach in eine Menschenmasse, rufe „Ach, Tina, du hier? Nein, verrückt!“ und vertröste meinen Smalltalk-Fail damit, dass ich Tina ja schon eeeeeeewig nicht mehr gesehen hätte. Tschüsschen.
 
#3

Schnaps. Kein Scherz. Was mir dabei hilft, mich mit Leuten zu unterhalten, die mir nicht sympathisch sind, ist Alkohol. Insgeheim glaube ich auch, dass alle das wissen und genau aus diesem Grund auf jedem Event Free Drinks quasi dazugehören. Deshalb ist mein erster Gang auch meist der zur Bar. Mit ein, zwei Drinks intus rede ich auf einmal total gern über das Wetter. Und selbst so?


 

Klingt alles furchtbar oberflächlich, ist es auch. Smalltalk ist nunmal einfach oberflächlich. Wenn ich Deep Talk möchte, treffe ich mich mit Freunden auf einen Wein und quatsche die ganze Nacht durch. Prost. Und ihr so?
 


Foto Jacob Ufkes