Die Liebe ist was Schönes. Trotzdem möchte ich euch bitte nicht dabei zugucken. Danke.

Es gibt sie überall, diese perfekten Paare: Wunderschön, stilsicher und unfassbar verknallt laufen sie händchenhaltend durch den Park, sitzen sie einander auf dem Schoß in der U-Bahn, unterhalten sie sich ganz angeregt bei Kerzenlicht im italienischen Restaurant, streicheln sie sich gegenseitig übers Gesicht, legen sie ihre Köpfe schiefe und betrachten einander ganz glückselig, geben sie sich zärtliche Küsse, geben sie sich wilde Küsse … Was für manch einen nun nach Neid klingen mag, ist ein latentes Genervt-Sein von diesem touchy, flirty Pärchen-Getue.

Es freut mich, dass ihr einander habt. Aber jetzt nehmt euch bitte ein Zimmer und knutscht nicht vor mir rum. Ich möchte nicht sehen, wie ihr Körperflüssigkeiten austauscht oder liebevoll versucht, eurem Partner den Mohnkorn vom Frühstück aus dem hinteren Backenzahn mit eurer Zunge zu entfernen. Ich wäre euch außerdem sehr dankbar, wenn ihr eure Unterkörper an einem Ort aneinander reiben würdet, an dem ich es nicht mitbekomme. Und es wäre ganz entzückend, wenn ihr in der eh schon überfüllten Einkaufsstraße nicht schlendernd Händchen halten würdet und mir so das Vorankommen noch schwerer macht. Danke.

Noch anstrengender als anstrengende Paare? Menschen, die, sobald sie eine Beziehung eingehen, vergessen, dass es auch ein Leben vor und außerhalb eben dieser Beziehung gibt. Gemeinsame Unternehmungen? „Ah, nee, sorry – mein Boy und ich haben heute Pärchenabend!“ – „Meiner Freundin geht es heute nicht so gut, wir wollen zu Hause bleiben.“ – „Schwierig, das sind seine Eltern da und wir gehen mit denen schick essen.“

Einige Paare verschmelzen, es gibt plötzlich kein „ich“ mehr, sondern nur noch ein „wir“ – und der Freund oder die Freundin ist auf einmal bei allen Unternehmungen dabei.
Wenn ich etwas aus bisherigen Beziehungen gelernt habe, ist es, dass man sein Leben auf gar keinen Fall nur noch auf den Partner ausrichten sollte. Natürlich: Wenn man eine Beziehung eingeht, sollte man auch alles geben, was man geben kann – alles oder nichts. Aber stellt euch doch bitte selbst nicht so sehr zurück, dass ihr alles andere vernachlässigt. Denn seien wir mal ehrlich: Auch die besten Beziehungen sind (oft) irgendwann vorbei.
 
Und dann?