Ob Liebeskummer, Pech im Job oder eine missglückte Prüfung: eine Show war immer „there for you” (*insert Joey into my bed now). Friends brachte uns die Coolness der 90’s ins Wohnzimmer und erlangte dadurch den absoluten Kultstatus. Doch könnte man die Serie heute nochmal genauso drehen? Nein. Denn was unsere rosa gefärbte Nostalgie-Brille überschattet, sind die zahlreichen homophoben und sexistischen Momente, denn „Nostalgia looks best in rose-colored glasses, after all…”

I GET BY WITH A LITTLE HELP OF MY FRIENDS…

 

Vom Kultstatus also zur schmerzhaften Erkenntnis, dass die Serie eigentlich ziemlich homophob ist? …Oder ist es lediglich ein Produkt seiner Zeit? Und macht es das besser?

 

Wie wir darauf kommen, fragt ihr euch? Mal schauen:

 

  • Monica (Courteney Cox), die in ihrer Jugend etwas korpulenter war, wird noch Jahre später schonungslos damit aufgezogen und „Fat Monica” genannt = BODY SHAMING!
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  • Joey (Matt LeBlanc) trägt eine als weiblich definierte Tasche und prompt machen sich die sogenannten „Friends” lustig über ihn = SEXISM!
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  • Ross (David Schwimmer) ist schockiert, als sein Sohn mit Puppen spielen will und versucht es ihm auszureden = TOXIC MASCULINITY!
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  • Chandler (Matthew Perry) wird nachgesagt er wirke gay. Von diesem Moment an ist er absolut besessen davon, seinem Umfeld das Gegenteil zu beweisen. Seine größten Sorgen sind nun rosafarbene Kissenbezüge und zu lange Umarmungen. = HOMOPHOB!
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  • Ross kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, eine männliche Nanny für seinen Sohn zu haben, also feuert er ihn. = GENDER STEREOTYPES!
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  • Chandlers Vater ist eine transgender Vegas Drag Queen (Kathleen Turner). Chandler ist das sichtlich unangenehm und diese Tatsache wird als Grund für die schlechte Beziehung der beiden porträtiert. = TRANSPHOBIC!
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  • 2019 leben in New York 57,22 % people of color. Dennoch haben es nur zwei farbige Personen in die zehn Staffeln der Show (1994 – 2004) geschafft = RACIST!
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    YOU’VE GOT A FRIEND

     

    „Jedes Mal, wenn ich eine Episode anschaue, gibt es etwas,
    das ich gerne ändern würde.”

     

    Die Produzentin Marta Kauffman selbst erzählt in einem Interview mit der Zeitung USA Today, dass sie heute viele der Szenen anders machen würde. Naja Einsicht ist der erste Weg zur Besserung… oder? Sie sagt gleichzeitig aber auch, dass die Serie in einem historischen Kontext gesehen werden muss und das Wissen über Transgender-Personen damals einfach noch nicht da gewesen sei.

     

    Diese Aussage ist wohl etwas seicht. So stimmt es zwar, dass zum damaligen Zeitpunkt queere Personen in der Gesellschaft weder so akzeptiert, noch so verstanden wurden wie heute, nichtsdestotrotz findet man sich als Produzent*In einer international ausgestrahlten TV-Show in einer solchen Verantwortungsposition, dass man vielleicht mal über den gesellschaftlich eingeschränkten Horizont hinausblicken sollte.

     

    THAT’S WHAT FRIENDS ARE FOR

     

    Friends wird wohl für immer einen Kultstatus innehaben und hat uns oft genug zum Lachen gebracht. Doch als moderne Menschen des 21. Jahrhunderts gilt es nicht nur nachzufragen, sondern vor allen Dingen zu hinterfragen, ob eine so präsente Serie in unserem Zeitalter noch repräsentativ und witzig sein kann. So ist es vielleicht auch kein Zufall, dass es Gerüchte gibt, dass Netflix die Serie mit Ende des Jahres 2019 von der Streaming-Plattform herunterzunehmen. Schaut euch Friends unter diesen Aspekten doch nochmal an und bildet euch eure (neue) Meinung.

     

    Autor: Lena Pfeiffer