Der Sommer hat Wien endgültig erreicht: Nach wiederkehrenden Temperaturen jenseits der 30° Marke, schweißgebadeten U-Bahn Fahrten und müdem hecheln im Büro hat sich nun auch bei mir ein ordentlicher Funken Fernweh eingeschlichen. Ich gebe es zu: Ganz dem Klischee nach träume ich von einer kühlen Meeresbrise, Stränden gesäumt von Palmen und strahlend weißem Sand. Sich diesen Traum zu erfüllen ist eigentlich auch gar nicht so schwer: Reisen in die tropischsten Destinationen ist heutzutage wirklich kein Hexenwerk mehr. Flüge gibt es mittlerweile selbst in die entlegensten Winkel der Erde und Reiseanbieter schnüren einem Sorglospakete für fast jedes Land zusammen. Doch für mich als schwuler Mann steht dann noch immer eine Frage im Raum: Wie sicher ist das Reiseland? Schließlich ist in noch mehr als 70 Ländern Homosexualität strafbar – auch in einigen der schönsten Reiseziele.

 

Fact #1: Wir drehen uns im Kreis

 

Ich kenne so ziemlich alle Pro- und Contra-Argumente der schwulen Reisediskussion und habe festgestellt: Man kann sich dabei nur im Kreis drehen. Während ich mich nicht durch die Gesetzeslage in fremden Ländern davon abhalten lassen möchte, die Welt zu erkunden, kann ich das Gesetz  ja auch nicht einfach umgehen. Ist es überhaupt moralisch richtig, durch Tourismus ein Land finanziell zu unterstützen, das sich “gegen mich” stellt? Aber gleichzeitig: Sollte man der fremden Kultur nicht Respekt zollen, indem man sich im Reiseland angemessen verhält? Und überhaupt: Möchte ich denn ein Land kennenlernen, das mich ablehnt?

Ich gebe zu: Bis jetzt haben mich diese Fragen immer wieder davon abgehalten, eine Fernreise in bestimmte Länder zu buchen. Doch diesen Sommer habe ich mich endlich getraut: Gemeinsam mit dem Reiseanbieter ruefa und 7 anderen Journalist*innen habe ich mich aufgemacht, um die Insel Sansibar zu erkunden. Sansibar, das ist eine ca. 2500km² große Insel, etwa 20km von der Küste Tansanias entfernt. Meine erste Recherche ergab: Es ist das Paradies auf Erden, mit langen Sandstränden, Palmen en masse und türkisblauem Wasser – außerdem kann Homosexualität dort mit einer hohen Gefängnisstrafe geahndet werden. Das drückt sich nicht nur in dem Fernbleiben jeglicher queerer Szene aus: Freddie Mercury, der in der Hauptstadt Sansibars geboren wurde, scheint eher ein ungewolltes Kapitel in der Geschichte der Insel zu sein.

 

Fact #2: Sansibar ist ein Ort der Ambivalenz

 

Unsere Reise beginnt an einem Dienstagabend am Flughafen Wien: Mit Ethiopian Airlines geht es über Addis Ababa und den Kilimandscharo nach Sansibar. Circa 20h sind wir unterwegs (wer Donnerstags oder Freitags fliegt erspart sich den Aufenthalt am berühmt-berüchtigten tansanischen Massiv) und können dabei sogar die Businessclass der Star-Alliance Airline austesten. Für mich ist es das erste Mal fernab der Holzklasse und ich bin so begeistert vom Bordservice und dem Sitz (der sich komplett in die Waagerechte ausfahren lässt), dass ich tatsächlich 90% der Fluges verschlafe.

Nachdem ich mein Visum um $50 ganz ohne unbequeme Fragen erhalten haben, geht es mit einem Bus zu unserem ersten Ziel: Der Breezes Beach Club (ab €74* ) liegt an der Ostküste der Insel und ist Teil der Zanzibar Collection Hotels. Mit zur Hotelgruppe gehören die exklusiveren all incl. Resorts BARAZA (ab €366*) , ZAWADI und The Palms (je ab €320*). Sobald wir die Schranken zum Resort passieren, lassen wir die Armut der Insel hinter uns und betreten eine Parallelwelt des Luxus: Der Bruch ist hart und dennoch scheint die Armut der Bevölkerung schnell vergessen, nachdem wir das Resort betreten.

 

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Das Baraza Resort & Spa bietet für gehobene Ansprüche umfassend Raum

Wir haben die Möglichkeit, alle Hotels zu besichtigen und sind vor allem vom BARAZA und ZAWADI Hotel schwer beeindruckt: Während das BAZARA mit seinem modernen, arabischem Charme die muslimische Geschichte der Insel widerspiegelt, bietet das ZAWADI Hotel mit seinen nur 8 exklusiven Villen ein intimes, modernes Flair. In allen Resorts der Zanzibar Collection Hotels ist die Küche wirklich hervorragend: Unser Seafood-Lunch direkt am idyllischen Strand des Breezes Beach Club wirkt wie aus einem Film.

 

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Im Breezes Beach Club kann auf Anfrage direkt am Meer gegessen werden

Nach zwei Nächten an der Ostküste verlassen wir zum ersten Mal unsere Resortblase und machen uns auf eine Reise in Richtung Norden der Insel, vorbei an Bauruinen, Straßen voll von Schlaglöchern und Hütten mit Wellblechdächer. Wir legen einen Zwischenstopp im einzigen Nationalpark Sansibars, dem Jozani Forest ein. Hier steht nicht nur ein riesiger Mahagoni-Wald, sondern auch die schwarz-weißen Stummelaffen haben hier ihr Zuhause und sind überraschend zutraulich.

 

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Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir das Diamonds La Gemma dell’Est, einem all incl. Resort (ab €142*) unter italienischer Führung. Direkt an die Anlage angeschlossen ist das exklusive Star of the East, das aus one bedroom villas (ab €333*) mit eigenem Pool besteht. Mein absolutes Highlight ist der Jetty des Resorts: Überdacht und auf Stelzen im Wasser können Hotelgäste hier All-Inclusive Cocktails trinken und dabei zusehen, wie die Sonne hinter dem türkisblauen Wasser verschwindet. Auch ich setze mich mit einem Glas Wein in Richtung Sonnenuntergang und lasse die vergangenen Tage Revue passieren.

 

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Das Diamonds La Gemma dell’Est lockt mit atemberaubenden Sonnenuntergängen auf dem Hoteleigenen “Jetty”

 

Fact #3: Es muss nicht ständig Strandurlaub sein 

 

Wir peilen unsere letzte Station, die Hauptstadt Stone Town, an. Bevor wir die UNESCO-Weltkulturerbe Stadt erreichen, legen wir einen Zwischenstopp bei einer der berühmten Gewürzplantagen der Insel ein. Hier werden nicht nur Nelken, sondern auch Pfeffer, Kurkuma, Zimt, Zitronengras, Kakao, Kaffee oder die berühmt berüchtigte Stinkfrucht angebaut. Stinkfrüchte tragen deshalb ihren Namen, da reife Früchte dermaßen zu stinken beginnen, dass Bus- oder Autofahren mit einer Stinkfrucht an Board in Tansania verboten ist. Außerdem lernen wir viel über die Medizin der Einheimischen: So nutzen die Bewohner*innen Tansanias Jod als Desinfektionsmittel und Zitronengras, um lästige Mücken zu vertreiben – beim Gedanken an mein stinkendes Mückenspray werde ich richtig neidisch.

 

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Angekommen in Stone Town beziehen wir unsere Zimmer im Tembo House Hotel (ab €65 inkl. Frühstück). Da zur Zeit Ramadan ist, gibt es im Hotel keinen Alkohol und auch wir vermeiden es, auf offener Straße Wasser zu trinken oder zu essen. Das Haus direkt am Meer erinnert mich an kubanisches Flair und ist so zentral gelegen, dass man alle wichtigen Punkte unserer bevorstehenden Walking Tour schnell erreichen kann. Unser Guide beginnt mit dem Mercury House: Freddie Mercury selbst hat sehr lange seine Herkunft aus Sansibar verweigert. Nun stehen wir vor dem Haus, in dem der schwule Musiker geboren wurde. Es wird wenig für diese Attraktion auf der Insel geworben – verständlich, da Homosexualität hier ja strafrechtlich verfolgt wird. In den “geschützten” Resorts, die eine Parallelgesellschaft zum Rest der Insel darstellen, habe ich längst vergessen, wie meine rechtliche Situation hier eigentlich aussieht. Zu lange habe ich gar keine Zeit darüber nachzudenken, denn wir erfahren auf unserer Tour durch Stone Town einiges über die traurige Geschichte der Sklaverei auf Sansibar: Unbeschreiblich bedrückend ist die Stimmung in einem der kleinen Keller, in denen bis zu 75 Sklaven und Sklavinnen gehalten wurden.

 

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Stone Town hat eine lange und nicht unumstrittene Geschichte

 

Fact #4: Reisen ist ein Privileg, das wir nutzen müssen

 

Unser letzter Abend auf der Insel bricht an: Gemeinsam besteigen wir eine Dhau, ein traditionell afrikanisches Segelschiff, um ein letztes Dinner gemeinsam zu genießen. Wir segeln pünktlich zum Sonnenuntergang los und beobachten Stone Town aus einer ganz neuen Perspektive. Die vergangenen sechs Tage waren einfach unvergesslich: Zwischen luxuriösen Hotels, die Entspannung pur garantieren, einer einzigartigen Kultur, die trotz der Armut des Landes zelebriert wird, und atemberaubender Natur bleibt nicht viel Raum um über meinen Status inmitten dieser anderen Gesellschaft nachzudenken.

 

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Die traditionelenl Dhaus segeln noch heute im Indischen Ozean

Ich habe auf meiner Reise kein einziges Mal das Gefühl gehabt, anders zu sein als der Rest meiner Reisegruppe. Kein einziges Mal fühlte ich mich unwohl, unangemessen oder ausgeschlossen. Doch ich selbst habe auch meinen Teil dazu geleistet: Die Bevölkerung Sansibars ist aufgeschlossen, herzlich und hilfsbereit. Dennoch sollte es der Anspruch eines jeden Reisenden sein, sich an die vorgegeben Kultur anzupassen. Wenn Frauen sich (besonders zur Zeit des Ramadan) nicht freizügig zeigen dürfen, dann muss ich akzeptieren, dass ich meine Sexualität hier nicht ausleben darf. Ist das Diskriminierung? Ja. Jedoch liegt es an jedem selbst, zu entscheiden, ob er die Reise in ein kulturelles fremdes Land antritt. Wenn man sich dazu entscheidet, über die Diskriminierung für die Zeit der Reise hinwegzusehen und sich einzuschränken, kann solch ein Urlaub jedem von uns komplett neue Perspektiven eröffnen. Wir haben das große Privileg, reisen zu können – und das sollten wir auch nutzen.

 

Für alle, die einen besseren Eindruck von Sansibar bekommen wollen, haben wir ein Video von unserer Reise geschnitten:

 

 

Unabhängig von dieser Pressereise empfehlen wir bei Fernreisen nach Afrika eine Buchung durch ein Reisebüro. Dadurch erhält man nicht nur teilweise günstigere Preise, sondern kann sich über die genau rechtliche Situation im Reiseland informieren und absichern. Ein individuelles Reiseprogramm für Sansibar kann in jedem ruefa Reisebüro von Expert*innen zusammengeschnürt werden. Flüge mit Ethiopian Airlines gibt es in der Economy ab €650 und Business Class ab €1520. Zusätzlich zur Buchung von Hotels können Transfers und Touren mit SunTours (Stone Town, Spice Tour, Prison Island, Dolphin Trip uvm. ab €45 p.P.) auch über ruefa gebucht werden. Unser Tip: Nach Möglichkeit früh buchen – fast immer gibt es bis zu 10% Rabatt oder eine zusätzliche Nacht gratis!

 

In unserer Galerie findet ihr noch mehr Bilder unserer Reise nach Sansibar: 

 


*die angegebenen Preise verstehen sich pro Person und Nacht

Bilder: Julian Behrenbeck

Text: Alex Baur

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei den Reiseleiterinnen Andrea Hansal und Hanni Weiss der Verkehrsbüro Group bedanken, ohne die solch eine sichere und spannende Reise nicht möglich gewesen wäre.