YouTuber Michael Buchinger im Interview zu seinem neuen Buch “Der letzte macht den Mund zu”

Schon mitbekommen? Österreichs größter männlicher YouTuber Michael Buchinger hat sein erstes Buch veröffentlicht. In „Der Letzte macht den Mund zu“ schreibt Michi gewohnt ironisch, mit einem bösen Augenzwinkern und einer großen Portion Wiener Humor über all die Dinge, die er hasst. VANGARDIST traf Michael zum Interview im Rahmen seiner Buchpräsentation. Beim Gespräch gab’s lustige Hintergrundinfos zu einigen Kapiteln und die Antwort darauf, ob die Veröffentlichung seines Buches etwas an seinem YouTube-Channel ändern wird.

 

VANGARDIST: Seit wann spukte die Idee in deinem Kopf herum, ein Buch zu veröffentlichen und wie lange hast du dann letztendlich am Buch gearbeitet?
Michael: Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. Ich habe mir dann von anderen Autoren sagen lassen, dass man ein genaues Konzept und einen roten Faden braucht, der sich durch das ganze Buch zieht – besonders, wenn es das erste Werk ist. Deswegen habe ich mir dieses Konzept mit dem Hassen überlegt, das man ja schon von meinem YouTube-Kanal kennt. Damit ging ich dann an acht österreichische Verlage, die mein Konzept jedoch alle ablehnten. Dann hat sich zufällig der Ullstein Verlag aus Deutschland gemeldet, über den dann mein Buch erschien. Natürlich macht das viel Sinn, da 60 % meiner Community Deutsche sind.

 

Du warst ja auch eine Zeit lang in Berlin. Hat dich dein Aufenthalt in Deutschland beim Buch beeinflusst?
Es gibt ein Kapitel, das von Berlin geprägt ist. Da geht es um spontane Menschen und um Berliner Freunde, die mich um 3 Uhr nachts angerufen und gemeint haben “kommst du noch mit in den Club?”. Ich dachte mir nur “warum, damit ich beim Abwasch helfe? Was soll ich da um 3 Uhr in der Früh?” (lacht). Die Menschen in Berlin sind irgendwie freier und direkter. Ich glaube, dass mich Wien aber eher in meinem Hass geprägt hat, als Berlin, weil hier gibt es schon sehr vieles zu hassen. Die Grundstimmung in Wien ist einfach etwas grantiger und da fühle ich mich sehr gut aufgehoben.

 

War der Beruf Autor für dich ein Kindheitstraum, so wie für andere beispielsweise Feuerwehrmann?
In der Volksschule wurden wir regelmäßig dazu aufgefordert, eine Geschichte pro Woche zu verfassen und dann den Klassenkameraden vorzulesen. Meine Kollegen haben meine Geschichten immer besonders geliebt. Damals wollte ich schon, dass meine Mutter mit mir zu einem Buchbinder geht, um meine mega langweiligen Geschichten zu binden (lacht). Das finde ich lustig, dass das damals schon ein Traum war und jetzt Realität ist.

 

Weleche Personen bekommen besonders ihr Fett weg in deinem Buch?
Im Kapitel “Die vergessene Kunst des Schlussmachens” geht es zum Beispiel um eine ehemalige Freundin von mir, die das Gefühl hatte, dass wir sehr gut befreundet gewesen wären. Und sie hat ständig nur über ihre Probleme gesprochen und mich nie zu Wort kommen lassen. Damals mit Anfang 20 war ich einfach noch nicht selbstbewusst genug, um ihr zu sagen, dass mir diese Freundschaft ein wenig zu einseitig ist. Hierzu gibt es im Buch unseren schlimmsten gemeinsamen Abend. Außerdem geht es auch oft um meine Mutter, die meine Witze aber ganz gut verkraften kann (lacht).

 

Am Ende jedes Kapitels gibt es die “Goldenen Buchinger-Regeln”. Nach welchen Regeln lebst du?
Ich versuche immer, ein netter Mensch und rücksichtsvoll gegenüber anderen zu sein. Wenn man zum Beispiel all die Dinge, die ich hasse, in meinem Buch analysiert, dann sind es meistens Dinge, bei denen die anderen Personen rücksichtslos sind. Meine liebste Regel im Buch handelt von Manieren. Da geht es am Ende einfach darum, “sei kein Arschloch”.

 

Im Buch gibt es auch Kapitel über Depression und dein Coming Out. War es schwierig, auch über ernste Dinge zu schreiben?
Über das Thema Depressionen zu schreiben war schon schwierig. Aber dadurch, dass das schon so lange vorbei ist, habe ich etwas Abstand dazu gewonnen. Damit das Buch auch etwas Tiefgang bekommt und nicht nur lustige Geschichten enthält, wollte ich diese Themen mit in das Buch nehmen. In meinen Videos finde ich es unangenehm, diese Dinge anzusprechen.

 

YouTube hat das Buch sehr beeinflusst. Glaubst du, dass das Buch jetzt auch YouTube beeinflussen kann?
Das kann schon sein. Im Buch drückt man sich um einiges ausgewählter aus und ich finde, das würde einigen YouTubern nicht schaden, ein wenig mehr nachzudenken, bevor sie sprechen (lacht). Ich habe eher den Eindruck, dass viele YouTuber – und ich schließe mich selbst nicht aus – ihren Kanal als Buch rausbringen. Ich weiß nicht, ob das umgekehrt auch möglich ist.

 

Gab es damals einen Titel für das Buchkonzept, der nicht angenommen wurde?
Ja, ein Titel war zum Beispiel “Ich hasse alle, außer mich selbst” (lacht). Aber “Hass” im Titel kann man nicht bringen, das haben mir mehrere Verlage erklärt.

 

Wie geht’s jetzt mit YouTube weiter?
Ich bin ein Fan davon, aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Bevor also meine 15 Minuten Ruhm auf YouTube zu Ende sind und niemand mehr meine Videos anklickt, würde ich lieber aufhören. Aber ich habe natürlich auch mein Buch über YouTube vermarktet. Deswegen wäre es vielleicht doch nicht so clever. Ich mache einfach nur mehr Videos, um meine Bücher zu promoten. Das ist dann mein Plan (lacht).

 

Also erwartet uns vielleicht sogar bald das nächste Buch – wenn ja, worum wird es gehen?
Ich habe jetzt nur über Dinge geschrieben, die ich hasse oder nicht so toll finde. Dadurch gab es keinen Platz für Kapitel über Dinge, die ich super finde – gewisse Sachen, wie zum Beispiel mehr schrille Kindheitsgeschichten, Stories über Beziehung oder Kapitel mit längeren Geschichten. Ich habe außerdem im letzten Jahr viel übers Leben gelernt, das ich in einem neuen Buch verarbeiten könnte.


 


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Interview Michael Haller / Julian Behrenbeck
Text Michael Haller

 

© Titelbild: David Meran