Nackte, durchtrainierte Männer sind das Erste, was man auf seinem Instagram-Feed entdeckt: Junge, gut aussehende Hingucker stellen sich bei Richard Kranzin vor die Linse. Erfolgreich ist der Berliner Fotograf damit auch – vor kurzem ist Kranzins erster Bildband “BOYS IN NATURE” erschienen. Er selbst bleibt dabei größtenteils anonym und rückt sich hinter die nackten Schönheiten, die er ablichtet. Wir haben Richard Kranzin zum Interview getroffen, um mehr über seine Haltung zu Männlichkeit, Authentizität und seinen Arbeitsprozess zu erfahren .

 

Hey Richard! Bekleidete Männer sieht man auf deinem Instagram-Feed eher selten. Welche Bedeutung hat denn der nackte Männerkörper in deinen Arbeiten für dich?

 

Für mich bildet der nackte Körper ein sehr unverfälschtes Bild einer Person ab. Ich fotografiere sehr gerne Portraits und dabei geht es mir mehr um den Menschen und nicht die Kleidung, die ihn verdeckt. Durch die Nacktheit habe ich das Gefühl die Bilder auf den Kern zu konzentrieren, alles störende auszublenden. Die männlichen Körperformen auf ästhetische Weise zu präsentieren und das Schöne hervorzuheben, ist dabei auch mein großes Ziel.

 

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Wie würdest du die Arbeit an deinem Bildband beschreiben?

 

Die Arbeit an BOYS IN NATURE war ein jahrelanger Prozess, in dem  ich mich nach und nach erst mehr getraut habe. Es fing mit einem Shooting 2011 in Sydney an, bei dem ich 10 Männermodels in der Natur fotografiert habe, allerdings noch in Unterwäsche. Nach meinem ersten Studio-Akt-Shooting 2014 habe ich mich dann auch bei den Shootings in der Natur öfter dabei erwischt, dass ich die Unterwäsche als Stör-Objekt in dem sonst so rein natürlichem Bild empfunden habe. Also habe ich gezielt an der Umsetzung von Akt-Shootings in der Natur gearbeitet. Dabei habe ich den künstlerischen Wert dieser Fotos festgestellt und mich dazu entschlossen, die Fotos so lange zu sammeln und unter Verschluss zu halten, bis sich eine geeignete Form der Veröffentlichung dafür findet. Es hat mir wirklich großen Spaß gemacht und mich sehr inspiriert für das Buch zu arbeiten. Die Schönheit der Natur und die Unbefangenheit während der Shootings hat immer unerwartet schöne Resultate hervorgebracht.

 

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Was ist das Schwierigste, wenn man mit nackten Models arbeitet?

 

Ich muss immer wieder feststellen, dass das Schwierigste die Eigenwahrnehmung der Models ist: Es ist schon ein großer Schritt, sich vor der Kamera so frei zu machen, und dazu gehört ein sehr gutes Selbstvertrauen. Traurigerweise haben selbst die trainiertesten, schlanksten Models die Einbildung sie wären nicht schön genug, um so abgelichtet zu werden. Ich bin froh, dass sich mir so viele Models anvertraut haben, und als sie die wunderbaren Fotos sahen, festgestellt haben, dass sie ihren Körper wertschätzen können. Wirklich wichtig ist natürlich, dass absolutes Vertrauen zwischen mir und den Models herrschte.

 

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Wie hast du deinen eigenen Stil in der Fotografie gefunden?

 

Auch das ist ein jahrelanger Prozess, in dem ich noch immer stecke. Für BOYS IN NATURE hat sich der Stil sehr schnell herauskristallisiert. Ich habe die Sinnlichkeit der Fotos durch ein sehr kontrastreiches Schwarz-Weiß noch mehr ästhetisiert. Für Portraits hat sich bei mir jetzt ein sehr natureller und schlichter Stil eingeprägt. Ich würde aber nicht sagen, dass das auch zukünftig mein einziger Stil bleiben wird. Ich fotografiere durchaus auch gern in Farbe und auch manchmal bekleidete Models. Die kommerzielle Modefotografie, zum Beispiel für Fashion-Editorials, beschäftigt mich auch weiterhin.

 

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Welche Message möchtest du mit deinen oftmals sinnlichen Bildern und deinem Buch vermitteln?

 

Ich möchte auch die weiche Seite der Männlichkeit zeigen. Jeder noch so maskuline Mann hat eine sinnlich, zarte Seite. Ich möchte in meinen sinnlichen Fotos die unschuldige, pure und reine Seele durchscheinen lassen.

 

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Hast du Vorbilder? Wenn ja, welche?

 

In Bezug auf Authentizität Bruce Weber und Hedi Slimane. Auch spannend und inspirierend in ihren Inszenierungen finde ich die Arbeiten von Steven Klein und Mert & Marcus.

 

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Sollte ein zweiten Buch kommen – was können wir erwarten? Was interessiert dich zur Zeit?

 

Ein zweites Buch ist durchaus denkbar, ich bin ja noch jung. Wann es kommt und was genau das Thema wird, habe ich noch nicht überdacht. Im Moment beschäftige ich mich neben der Portraitfotografie vor allem mit Film. Ich entwickle meinen ersten Langspielfilm, nachdem ich nun 3 Kurzfilme gemacht habe. Dabei werden die Themen Männlichkeit und Sinnlichkeit auch eine Rolle spielen.

 

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Richard Kranzin gibt es selbstverständlich nicht nur auf Instagram. Hier geht’s zu seiner Website!

 


Text: Naila Baldwin