Das Latex glänzt, die Riemen sind strammgezogen, Masken aufgesetzt, Felle gekämmt, Haken geölt und Handschuhe übergestreift. 

Nun ist ein Fetisch im sexuellen Sinne meist das Aufladen eines unbelebten Gegenstandes mit sexueller Erregung. Der dann im Weiteren auch der Befriedigung dient. Leder, Latex, Windeln die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Ein Fetisch ist als Spielart zu begreifen. Liegt aber wohl direkt auf der Grenze zum Krankhaften und kann dementsprechend auch dahin kippen. Die meisten Menschen können aber auch ohne das Ausleben ihres Fetisches sexuelle Befriedigung empfinden, alles im Lot also.

Zugegeben, die Headline ist ein wenig reißerisch. Denn warum sollte ein Mensch nun ein Fetisch sein?

Wenn dieser Mensch rote Haare hat, dazu eine helle Haut und noch Sommersprossen – dann ist er ein Fetisch oder sogar drei. Das Urban Dictionary führt das Wort „Gingerphilie“ und bezeichnet damit „A person who has a sexual fetish for ginger people“. Natürlich ist das Urban Dictionary kein Wörterbuch oder Lexikon in dem Sinne, es trifft aber den Kern. Denn ebenso wie Menschen hunderte Damenschuhe sammeln oder mit ihrer Hundemaske einer Schafherde hinterherjagen, sammeln Menschen Ginger/Redheads/Rothaarige/wieauchimmer wie Puppen, süchtig nach deren Sommersprossen, dem Geruch der Porzellanhaut. Und vergessen dabei, dass es sich ebenso um Menschen handelt, die keine hohlen Gefäße sind.

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Mehr als einmal habe ich schon Jungs getroffen, die sich ausschließlich wegen meiner Haarfarbe und den Sommersprossen mit mir auseinandersetzten. Hörensagen: Im Jahr 2015 gehörte das Buch „Red Hot 100“, das ausschließlich rothaarige, halb nackte Männer zeigt, vom Bruno Gmünder Verlag zu den meistverkauften Bildbänden in dem Haus.


Da soll noch mal jemand sagen, Ginger werden nicht sexuell aufgeladen. Eben wie das Objekt eines Fetisch.

Ich habe auch noch nie davon gehört, dass jemand einen Fetisch für blonde oder brünette Menschen hat. Dafür aber, dass es Menschen leichter fällt, zwischen blond, braun und schwarz zu wechseln, aber wenn man rote Haare nicht mag, dann mag man sie nicht. Ganz ähnlich wie bei allen anderen Fetischen.

Es gibt nur einen Unterschied: Eine Domina kann die Peitsche weglegen, ein Hund seine Maske abnehmen und wenn man sich mal aus der Gummischicht gepellt hat, kann man auch wieder unauffällig in der Kleinstadt beim Bäcker die Schrippen kaufen.

Dem Ginger bleibt nur: Haare färben oder Mütze tragen. Das würde aber einem Versteckspiel gleichkommen und das kann ja nicht die Konsequenz daraus sein. Und wenn ich ehrlich bin, ein bisschen gut fühlt es sich schon auch an, ein Objekt bin ich trotzdem nicht.

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Text: Stephan Otto
Bilder: CHR16 fotografiert von Sven Serkis