Das Pornobusiness ist mit seinen Umsätzen in Milliardenhöhe – Tendenz steigend – ein wirtschaftlich bedeutender Teil der Unterhaltungsindustrie. Tatsächlich bestehen ca. 30% des Internet-Traffics aus pornografischen Inhalten, die 43% aller Internet-User auch schon einmal konsumiert haben. Doch Porno ist weitaus mehr als stumpfer Sex vor der Kamera: Hier treffen sich verschiedenste Subkulturen, Genres und Künstler*innen aus aller Welt. Dieses Jahr findet außerdem das erste Porn Film Festival Vienna statt, das sich mit allen Themen rund um die Welt des Sexfilms befasst. Wir haben mal nachgeforscht, was es alles für verblüffende Fakten über die Pornoindustrie gibt, die wir selbst nicht kannten:

1. Je älter die Geige, umso süßer der Ton

 

Laut einer Studie des amerikanischen Journalisten Jon Millward ist die durchschnittliche Pornodarstellerin 21 Jahre alt, blond, 156cm groß, wiegt 52 Kilo und heißt höchstwahrscheinlich Nikkie Lee. Es geht aber auch anders: Die derzeit älteste Darstellerin im Pornobusiness ist die 81-jährige Britin Shirley Andrews. Sie arbeitet seit etwa sieben Jahren in dieser Branche. Ebenso verhält es sich mit ihrem männlichen Pendant. Der japanische Darsteller Shigeo Tokuda führt seit der Rente ein Doppelleben als Pornodarsteller. Im Jahr 2009 war er mit 75 Jahren noch an Produktionen beteiligt. Aktiv produziert auch der 1940 geborene Amerikaner Dave Cummings unter diesem Pseudonym noch immer Pornos und tritt dabei auch als Darsteller in Erscheinung. (Tatsächlich ist das Genre mit älteren Darstellern sehr gefragt und im Kontext von immer älter werdenden Gesellschaften also keine seltsame Ausnahmeerscheinung.)

 

2. Filmchen mit Historie

 

Der wahrscheinlich erste Pornofilm der Welt stammt aus Frankreich und trägt den Titel “Le Coucher de la Mariée” (Die Verheiratete geht zu Bett). Er geht zurück auf das Jahr 1896. Insgesamt betrug die Länge des Films sieben Minuten, davon sind heute nur noch 2 Minuten erhalten. Zu sehen ist darin der erste filmisch festgehaltene “Striptease” von Hauptdarstellerin Louise Willy. Natürlich fiel dieser um einiges züchtiger aus als heute.

 

3. Blockbuster Porno

 

Der teuerste Pornofilm, der jemals produziert wurde, stammt aus dem Jahr 1979. Unter dem Titel “Caligola” (deutscher Titel: Caligula – Aufstieg und Fall eines Tyrannen) entstand die amerikanisch-italienische Koproduktion unter der Feder des Regisseurs Tinto Brass. Der Film wurde vom Erotik-Magazin Penthouse produziert. Penthouse-Chef Bob Guccione schloss Regisseur Brass nach dem Abschluss der Dreharbeiten vom Filmschnitt aus und entfernte bzw. änderte zahlreiche Original-Szenen. Zusammen mit Giancarlo Lui ließ er einige Hardcore-Szenen nachdrehen und zusätzlich in den Film einfügen: Die Gesamtkosten belaufen sich auf insgesamt 17,5 Mio. Dollar.

 

4. Ariel – die nicht mehr Jungfrau

 

Besonders geistreich treten die Filmtitel von Pornos nie in Erscheinung. Allerdings ist Humor der Branche nicht fremd und somit tummeln sich auch viele nicht ganz ernst gemeinte Titel in den Regalen der Videotheken und Listen der Online-Bibliotheken. Hier eine Auswahl der lustigsten Pornofilmtitel: “Schwänzel und Gretel”, “Analdin und die Wunderschlampe”, “Blair Bitch Project”, “Biene Maja V – Jetzt kommt der Honig”, “Der Sperminator”, “Star Wars: Periode II – Der Tag der Abspritzung”, “Die Schwanzwaldklinik”, “Auf Schloss Bums klappern die Nüsse”, “Alfred Fickstock: Die Vögeln” usw…

 

5. And the Oscar goes to…

 

Getreu nach dem Motto: “Ich war jung und brauchte das Geld” können sich auch bekannte Hollywood-Schauspieler nicht der ein oder anderen Produktion ihrer Karrieren entziehen. So war Sylvester Stallone vor seinem Durchbruch mit “Rocky” in dem Streifen „Party at Kitty and Stud’s“ (der nachträglich in “The Italian Stallion” umbenannt wurde) zu sehen. Cameron Diaz spielte bereits in einem SM-Film mit und auch der berühmten Marylin Monroe wird eine Beteiligung an Erotikfilmen nachgesagt. Malcolm McDowell (bekannt aus “Clockwork Orange”) und die späteren Oscarpreisträger Peter O’Toole sowie Helen Mirren waren Teil des Casts von bereits erwähnter, aufsehenerregender Produktion “Caligola”. Allerdings gibt es auch Stars, die durch selbstgedrehte “private” Sexfilme zu erheblichem Erfolg gelangten und diese sicher nicht als Jugendsünde ansehen würden. Kim Kardashian und Paris Hilton zählen zu den prominentesten Beispielen.

 

6. Behind the Scenes Of Porn

 

Wie läuft denn eigentlich ein Pornodreh genau ab? Tatsächlich ist die Realität eines solchen Filmdrehs laut eigenen Aussagen von Pornodarstellern auf der Online-Plattform Reddit nicht ganz so inspirierend, wie es sich die meisten vielleicht vorstellen. Realistisch geht der Großteil eines fünf- bis zwölfstündigen Drehtages fürs Warten drauf. Wird eine Szene dann letztendlich gedreht, gibt es meist alle 30 Sekunden einen Schnitt und Positionswechsel. Samenergüsse, die oft groß inszeniert und nicht selten auf den DarstellerInnen verteilt werden, bestehen häufig aus Zuckerguss oder süßer Kondensmilch. Und viele der Orgasmen sind – das dürfte wenig überraschen – nur gespielt. Bei so viel schauspielerischer Leistung ist es interessant zu wissen, dass PornodarstellerInnen nicht als Künstler angesehen werden und demzufolge auch nicht in die für freiberufliche Künstler sehr wichtige Künstlersozialkasse aufgenommen werden können.

 

7. Porno macht glücklich?

 

Eine psychologische Studie der Shippensburg University in Pennsylvania hat 2012 untersucht, inwieweit Pornodarstellerinnen häufiger psychisch und körperlich beeinträchtigte Personen seien, die eventuell öfter Opfer sexueller Gewalt in der Kindheit gewesen sein könnten. Das hat sich in der Studie zwar nicht bestätigt und bescheinigt den Befragten u.a. sogar eine größere Zufriedenheit im Sexualleben und mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf den eigenen Körper. Allerdings zeigt sich auch eine Neigung zu erhöhtem Drogenkonsum. Die Frage, ob Pornodarsteller glücklicher sind, bleibt also offen. Skeptiker kritisieren vor allem, dass die Studie weltweit nicht repräsentativ sei, da sich von dieser Befragung keinerlei Rückschlüsse auf die Zustände der Pornoindustrie außerhalb Amerikas ziehen lasse.

 

8. Pornoweltmeister Amerika

 

Aus der bereits erwähnten Studie von Jon Millward, der 10.000 Profile von Pornodarstellern untersuchte, geht hervor, dass die meisten Pornodarstellerinnen aus den USA stammen und dann, zumindest laut eigenen Angaben, meist in Kalifornien oder Florida geboren sind. Gefolgt werden die USA in diesem Ranking von Ungarn und der Tschechischen Republik. Deutschland landet dabei auf Platz acht. Auch die Produktion von Online-Pornografie führt Amerika an. Die meisten der Produktionsfirmen haben ihren Hauptsitz in Kalifornien. Das Portal Pornhub veröffentlicht jedes Jahr Pornostatistiken über ihre User der ganzen Welt. Im Jahr 2015 waren auch hier die Amerikaner Spitzenreiter bei der Häufigkeit des Pornokonsums. Wobei es sich dabei nur um einen Bruchteil eines ganzen Films handelt. Durchschnittlich sehen Amerikaner einen Porno nur für 9 min und 51 Sekunden.

 

9. Down Under läuft es anders

 

Die Pornogesetzgebung in Australien ist besonders. Hier ist es, wie auch in Kuba, Nordkorea und anderen Ländern verboten Pornos zu besitzen, allerdings wurde der Handel mit Pornoprodukten in drei Regionen des Kontinents erlaubt. Demzufolge haben sich sämtliche Versandhäuser in diesen Gegenden angesiedelt und nutzen so die Gesetzeslücke. Zusätzlich ist es untersagt, dass Pornodarstellerinnen allzu kleine Brüste haben. So soll das Aussehen der Darstellerinnen von jungen Mädchen sehr deutlich abgegrenzt werden, um Pädophilie nicht zu fördern.

 

10. Zukunft Porno – VR vs. Reality

 
 

Der digitale Wandel hat längst die Pornoindustrie erreicht. Über 31% und damit die Mehrheit aller Nutzer schauen Pornofilme online und das hauptsächlich (fast 53%) auf dem Smartphone. Die voranschreitende Entwicklung von virtueller Realität eröffnet den Entwicklern von Pornofilmen zusätzlich ganz neue Möglichkeiten. Dabei ist die Produktion von 360 Grad-Videos sogar nur ein erster Schritt. Es sind Kooperationen mit Herstellern von Sexspielzeug in Planung, bei denen Software und Hardware so aufeinander abgestimmt sind, dass das Erlebnis eines Pornofilms tatsächlich körperlich spürbar wird. Ob das jedoch den realen, zwischenmenschlichen Akt ersetzen kann, bleibt abzuwarten.