Wer kennt die Hashtags #allbodiesarebeautiful oder #embraceyourcurves auf Instagram oder Facebook nicht? Auf fast allen Fotos mit diesen Captions sind jedoch ausschließlich Frauen zu sehen. Ich habe mir die Frage gestellt, woran das liegt und mir Gedanken über diese einseitige Darstellung gemacht.

 

Mittlerweile ist Body Shaming glücklicherweise so gut wie Schnee von gestern. Auch Dinge wie Detox Tees oder die alljährlich wiederkehrende Alptraum-Phrase „summer body“ können bitte gerne für immer in der Tonne verschwinden. Vereinzelt treten natürlich noch oberflächliche Artikel über die Gewichtszunahme oder -abnahme von X oder die Cellulite von Y auf. Für das Thema (oder fast schon Movement) “BODY POSITIVITY” stehen aber immer mehr Menschen, wie YouTuber oder Blogger ein und Titel wie „all sizes matter“ oder „all shapes matter“ tauchen regelmäßig auf verschiedensten Seiten und in unterschiedlichsten Kontexten auf.

 

Aber hier komme ich zu folgendem Problem: Fast alle Blogger oder Celebrities, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, sind weiblich (best practice Beispiele: Amy Schumer oder Melissa Mccarthy). Natürlich hat das auch historisch und kulturell bedingte Gründe: Der weibliche Körper wurde beziehungsweise wird viel stärker medial objektiviert und permanent viel genauer von der Öffentlichkeit unter die Lupe genommen und kritisiert, als Männer und ihre Figuren. Das ist falsch und gehört längst abgeschafft! Aber eben nicht nur Frauen stehen unter diesem Druck, auch Männer müssen ständig stärker, größer und männlicher sein, dürfen keine Gefühle zeigen und erst recht nicht unsicher sein. Hier geht es aber um ein generelles positives Körpergefühl, das von allen Geschlechtern an alle Geschlechter vermittelt werden muss.

 

Erste Schritte in diese Richtung sind vereinzelt zu vernehmen. YouTuber Michael Buchinger beispielsweise spricht hin und wieder in seinen Videos über ein bewusstes Körpergefühl und thematisiert Männlichkeit und Körperlichkeit. Ein annähernder Vergleich zur Quantität von Body Positivity Statements von Frauen ist jedoch nicht möglich und wir sind noch lange nicht da angekommen, wo wir sein sollten.

 

Vorbilder für Männer oder Jungs, die ebenfalls so aussehen wie sie, eben nicht in diese seltsam vage und undefinierte „Norm“ reinpassen oder reinpassen wollen, findet man schon, wenn man danach sucht. Diese Vielfalt wird von allen Geschlechtern gelebt, jedoch fast nur vom weiblichen auch tatsächlich propagiert. Dabei wäre es so wichtig, gerade auch von Männern zu hören, dass sie unzufrieden mit ihrem Körper sind, sich in ihrer eigenen Haut nicht wohl oder zudickzudünnwasauchimmmer fühlen.

 

Im Grunde genommen geht es darum, sich mit andern Personen und (männlichen) Körperbildern identifizieren zu können. Wir haben uns auf die Suche nach Männern gemacht, die online Body Positivity und ein optimistisches Körpergefühl vermitteln. Ein Wachstum in dem Bereich hat glücklicherweise bereits stattgefunden. Dabei sind wir auf diese drei Instagram Accounts aufmerksam geworden:

 

Troy Solomon:



 

Kelvin Davis:



 

Zach Miko:


Ein Beitrag geteilt von Zach Miko (@zachmiko) am


 

Die drei Jungs vermitteln mit ihrer Online-Präsenz ein Bild von Authentizität und positivem Körpergefühl. Doch die Body Positivity von Männern für Männer muss noch viel weiter anwachsen und nach außen getragen werden. Dabei geht es nicht (nur) darum, dass die Modeindustrie diesen Zweig oder Trend (oder wie auch immer man das nennen mag) für sich entdeckt und das Thema propagiert. Es geht dabei um eine vielseitige Repräsentation, denn folgendes Problem ist immer noch vorhanden: Männer zögern nach wie vor, Schwäche zuzugeben oder dabei, über ihre Unzufriedenheit in puncto Aussehen zu sprechen. Dabei ist egal, ob sie für andere eine “durchschnittliche” Figur haben. Die Schere zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung ist, wie wir alle wissen, sehr weit offen.

 

Diese Diskussion sollte ausschlaggebend die Art und Weise ändern, wie wir, also die Gesellschaft, zu männlicher Körperlichkeit stehen und darüber sprechen. Wir brauchen also mehr Männer, die nicht dem gängigen, männlichen, heteronormativen Ideal entsprechen und das auch bewusst nach außen tragen und propagieren. Wir verdienen es alle, dass wir uns in unserem Körper wohlfühlen, egal, wie geformt er ist.

 

Text Michael Haller