No Nations Edition

Chapter 13: Fashionbrands killed the Nation! – Ilja Jay Lawal über die Abschaffung nationaler Grenzen durch Mode

Von Anfang an war Mode ein Zeichen von Identität. Schon die ersten Stämme haben durch Körperbemalung ihre Zugehörigkeit definiert. Noch tausende Jahre später konnte man Menschen anhand ihrer ortsüblichen Tracht einem Dorf oder einer Region zuordnen. Mode hat also immer das Zugehörigkeitsgefühl stark mitbestimmt. Heute agieren die Modelabels international und definieren so Identität abseits bekannter Nationaler Merkmale neu. Haben sie damit die nationale Zugehörigkeit vielleicht schon abgeschafft? Wir sprachen mit Ilja Jay Lawal, einem der Gründer von TrueYou, über die Kraft von Mode, weltumspannende Identitäten zu schaffen und die Frage, was diese Möglichkeit für sein Indie-Label bedeutet. 

Ilja Jay Lawal

Gehen wir gleich ans Eingemachte. Glaubst du,
dass die Menschheit eines Tages als Einheit verstehen wird? Wenn ja, was sind deiner Meinung nach die Bedingungen dafür?

Das ist eine sehr gute, spannende und auch schwierige Frage. Ich denke, dass das zwar grundsätzlich möglich ist, hierfür jedoch ein viel höheres Maß an Kommunikation herrschen müsste. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeglicher Konflikt durch Kommunikation – oder in dem Fall mangelhafte Kommunikation verursacht wird und gleichzeitig mittels Kommunikation gelöst werden kann.

Jedes Dorf oder Region hatte früher ihre Tracht,
ihre Muster und ihre Farben – ähnlich den heutigen Nationalflaggen. Heute ist die Mode aber internationaler. Wie stiftet Mode heute Identität?

Im Großen und Ganzen mit der Möglichkeit, ein gewisses Erscheinungsbild nach außen tragen zu können. Man kann bewusst entscheiden, wie man von seinen Mitmenschen wahrgenommen werden möchte und mithilfe der Mode seinen persönlichen Charakter unterstreichen und sogar definieren. Ganz offen gesprochen: Du kannst dich zum Beispiel nur mit etablierten und gehypten Marken einkleiden und gibst deinem Umfeld sofort das Gefühl, dass du ständig am Puls der Zeit bist und die neuesten Trends verfolgst. Wenn du eine Marke trägst, die mit einem exklusiven Drop System arbeitet, dann schreiben dir die Leute automatisch eine gewisse Relevanz zu – denn du hast es ja letztlich geschafft, das “begehrte” Stück zu ergattern. 

Das Schöne ist, dass drei Menschen genau das gleiche Outfit anhaben, die selben Designer zelebrieren und trotzdem ganz anders im jeweiligen Outfit aussehen können. Das liegt daran, dass Mode den eigenen Charakter vorrangig unterstreicht und den persönlichen Stil zwar prägt, aber nicht ersetzt.

Wie gehen du und dein Team mit der steigenden Internationalität um? Ihr seid ja auch sehr divers aufgestellt. Hilft euch das am globalisierten Markt?
Wie kann man als kleines Label gegen die Fast-Fashion-Riesen mithalten?

Also im Kern steht definitiv der stetige Blick ins Ausland. Wir sind ein Label, welches für progressives Schaffen und stetige Weiterentwicklung steht. Und um am Markt wirklich konkurrieren zu können ist es heutzutage essentiell, dass man sich an internationalen Trends orientiert. Wenn die COVID-19 Situation uns keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte, dann wären wir jetzt im Oktober in Los Angeles mit einer eigenen Fashion Show im Rahmen der LA Fashion Week vertreten gewesen – Akzente wie diese ermöglichen es “kleineren” Labels sich auf einem neuen Markt zu behaupten und sich gegen Fast-Fashion-Riesen zu behaupten. Kleinere Labels haben in der Regel viel mehr “Storyline” und sollten den Fokus darauf legen.

Was ist eure Storyline und gibt es eine Identität,
die ihr mit True You unter euren Fans stiftet?

Seit 2013 verbindet TrueYou Innovation und Style mit dem Ziel, sich immer wieder neu zu erfinden, ganz nach ihrem Credo “Reinvent Yourself”.  Im Laufe der Jahre hat sich True You vom Modellabel zur Lifestylebrand weiterentwickelt, welche ihre Community stets dazu motiviert, die eigenen Ziele zu verfolgen und sich weiterzuentwickeln. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass jede Realität formbar ist. Jeder von uns hat die Freiheit, sich selbst neu zu erfinden – durch Mode, Sport oder auf anderen Wegen.

Eure nächste Kollektion ist eine Künstler-Kollaboration. Um was geht es dir bei „Nightmares you Love”?

International ist es in der Modebranche Gang und Gebe mit Künstlern zu kooperieren, wohingegen das in Österreich einfach noch nicht so etabliert ist. Mit Marcin Glod haben wir uns mit einem aufstrebenden, talentierten Künstler zusammengetan, der die Werte die uns bei TrueYou wichtig sind auch zu 100% verkörpert. Der Name “Nightmares you Love” steht für das Spiel der Gegensätze. Alpträume sind etwas vor dem wir uns normalerweise fürchten. Und das zurecht. Keiner träumt gerne etwas schlechtes. Und doch ist es im Leben oftmals so, dass Glück und Erfüllung auf uns wartet, wenn wir es schaffen uns unseren Ängsten zu stellen, Herausforderungen meistern und über uns selbst hinauswachsen. Deswegen begrüßen wir Alpträume. Deswegen wollen wir zeigen, dass nicht jeder Alptraum, synonym für die Ängste und die Herausforderungen, schlecht ist. Manche Ängste muss man überwinden, um voran zu kommen. Wir wollen zeigen, dass man auf der anderen Seite von Angst sein Glück finden kann. Deswegen: “Nightmares you Love.”

Marcin Glod

Der Launch von „Nightmares You Love” ist rundum die MQVFW geplant. Was wird uns da erwarten?

Nun, wir wollen natürlich nichts vorweg nehmen und die Spannung bis zur Show aufrecht erhalten. Was wir aber auf jeden Fall sagen können ist, dass wir uns dieses Jahr stilistisch weiterentwickeln werden. Nach 5 Jahren auf der MQVFW ist es Zeit für etwas Neues. Auch wir wollen uns unseren “Alpträumen” stellen und unserer Angst, nämlich der Angst des Stillstands, stellen indem wir uns selbst herausfordern und bewusst etwas unkonventionelles planen. Soviel sei auf jeden Fall gesagt: wir planen etwas, was noch kein heimisches Modelabel jemals getan hat. 

**


Weitere Artikel dieser Ausgabe...

No Nations Edition

Issue #81:
The No Nations Edition

YAY, we're back in print! Wir präsentieren voller Stolze die...

#Black Lives Matter

No Nations Edition

Chapter 1: Prologue “No Nations!”

No Nations! Die Covid-19 Pandemie und die Klimaerwärmung stellen unsere...

#julian wiehl #leitartikel #prologue #vorwort

No Nations Edition

Chapter 2: One World Nation – Warum eine

Die Zeiten scheinen finster für die Idee einer Weltgemeinschaft. Der...

#opener #UTOPIE

No Nations Edition

Skrein

No Nations Edition

Chapter 3: “The World on Display” @

Tamara, Dada, Wirat, Fabian & Adrianphotographed by Kerstin Hammerschmidat the...

#covershoot #erdtöne #weltmuseum wien

No Nations Edition

Chapter 4: “No Fats, No Femmes, No Asians”

Es ist eine leidige Diskussion, die sich länger hält als...

#Community #no asians

No Nations Edition

Italy’s Finest

2020 ist definitiv anders und in mancherlei Hinsicht können sich...

#Advertorial

No Nations Edition

No Nations Edition

Chapter 5: Use Your Voice – Gay Activst

Mein Name is Stephane Magloire und ich bin ein schwarzer...

#CLUB #new york #stephane magloire

No Nations Edition

Chapter 6: The Beauty of Men Vol. 2

Karl, Max, Chris, Will, Pascal photographed by Kerstin Hammerschmid wearing...

#Male Models #Male PHOTOGRAPHY