Das war der Life Ball 2017. Nach zwei jähriger Pause überzeugt Gerry Keszler mit einem Programm, das durch seine Schlichtheit und in der Sache überzeugt. Es gab also weniger Stars und Pomp zu sehen. Dafür bekam das Programm mit dem Überthema 30er Jahre eine politische Dimension. In Anspielung auf die glorreiche Zeit im Show Business vor der Machtergreifung und dem späteren Untergang durch die Nationalsozialisten zieht Keszler eine Parallele in die Gegenwart, wo rechtes Gedankengut und Ausgrenzung Köder zum Stimmenfang vieler Parteien auf der ganzen Welt geworden ist.
 

Der Kampf gegen diese Tendenz und die Stigmatisierung von Menschen mit HIV und der Einsatz für mehr Toleranz beginnt bei jedem einzelnen. Ein HIV Test und das Wissen über den eigenen Status ist der erste Schritt zu einem Vorurteilsfreien Umgang mit dem Virus. Nur wer über seinen Status Bescheid weiß kann sich und sein Umfeld vor einer Weitergabe schützen. Es ist die Grundlage eine Verbreitung des Virus zu verhindern.

 
Leider wird die Queer Community immer noch mit dem HIV Virus in Verbindung gebracht. Dabei zählt sie nur zu jenem Teil der Bevölkerung, der sich aktiv und wie im Falle von Gerry Keszler lautstark mit dem Thema auseinandersetzt. Gerne wird vergessen, dass die Zahl der Neuinfektionen besonders in konservativeren und sozial-schwächeren Schichten stark am Steigen ist. Dort wo aus Angst nicht über die Krankheit gesprochen wird und der Zugang zu medizinischer Versorgung fehlt ist es ganz besonders dramatisch.
 
Dabei ist mit der richtigen und recht unkomplizierten Medikation ein ganz normales Leben mit dem Virus möglich. Sogar der ungeschützte Geschlechtsverkehr führt dann nicht mehr zu einer Ansteckung des Gegenübers. Risikogruppen können sich mittels Prep sogar schon im Vorfeld schützen und einer Ansteckung vorbeugen. Die Prep ist in den USA seit 2012 erhältlich. In Europa dauern Zulassung und Regelung für eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen noch an.
 
Aktivisten, Medizin und Aufklärungsarbeit haben gezeigt, was in wenigen Jahren möglich ist. Trotzdem hat das Wegschauen und Stigmatisierung viele unnötige Menschenleben gefordert. Es braucht aber den Einsatz von uns allen, damit der Kampf gegen das Virus gewonnen wird und wir von HIV nur noch in den Geschichtsbüchern als Phänomen der Jahrtausendwende lesen müssen.

 

 


 

Headerbild © Life Ball / Harald Klemm
Eventfotos © Martin Hron
Text Julian Wiehl