Während die älteren Generationen für Sichtbarkeit und Rechte der LGBTQIA+ Community gekämpft haben, schlägt sich die jüngere mit den Folgen jener Errungenschaften herum: Endlich gibt es zwar eine Repräsentation der Gay-Community, doch queere Menschen werden oftmals in ein sehr spezielles und oberflächliches Bild in den Medien gerückt: Stichwort Queerbaiting! Die Heteronormativität ist immer (noch) präsent. Wir sind also noch relativ weit von der kompletten Gleichberechtigung entfernt und es wird noch einige Gespräche und Kämpfe dauern, um diese zu erreichen. Doch wer führt diese Diskussionen an? Sind es die alten, weißen Pionier-Dinosaurier von Gays der Stonewall-Ära oder ist es die junge von Diversität geprägte Queer-Community? Hier ein Generationenvergleich.

 

OLD BUT (RAINBOW) GOLD

 

Sichtbarkeit, Toleranz und Akzeptanz, ein Leben führen zu dürfen, ohne Angst aufgrund der eigenen Sexualität ermordet zu werden: Die älteren Semester der Gay-Community haben all die Freiheit erkämpft, die es uns (zumindest in Österreich) ermöglicht, heute zu lieben, wen wir wollen und (teilweise) gesetzlich nicht mehr eingeschränkt zu sein. Das soll nicht heißen, dass es nicht auch heute noch genug Probleme und Baustellen gibt, an denen es zu arbeiten gilt. Aber die Siege, die die LGBTQIA+ Community bisher erwirken konnte, sind DIE Erfolge derer, die früher den Weg für uns geebnet haben. Ohne sie würde es heute keine Ehe für alle, Adoptionsmöglichkeiten für gleichgeschlechtliche Paare oder Gesetze gegen die Diskriminierung am Arbeitsplatz geben. Doch Gleichstellung bedeutet noch lange nicht Gleichheit. Leider fühlen sich viele Queers der alten Schule heute nicht mehr gesellschaftlich inkludiert, nicht medial repräsentiert und sind der Meinung, an heutigen Diskussionen und Kämpfen für die Community keinen Platz mehr zu finden.

 

 

YOUNG, QUEER AND TOGETHER

 

Durch all die Errungenschaften, die die älteren Generationen in der Vergangenheit für uns erkämpft haben, können wir Millennials heute darauf aufbauen. Doch wir haben noch weitaus mehr im Sinn, als lediglich Homophobie zu bekämpfen und zu beenden: Equality bedeutet für die jetzige Generation die Inklusion aller – das schließt nicht nur alle Sexualitäten, sondern auch alle binären und nicht binären Geschlechter, Hautfarben, Religionen und Altersgruppen sowie Klassen ein: Intersektionalität for the win! Der Kampf für Gleichstellung wird heute durch das breitere akademische Angebot von Wissenschaft mit ihren Gender-Theorien unterstützt und die Community und Gesellschaft konnten dadurch offener, antirassistischer, antikapitalistischer und vor allem anti-patriarchischer werden. Denn während die Schwulen- und Lesbenszenen Ende der 60er Jahre ihre Kämpfe noch gern getrennt ausgeführt haben, kämpfen heute alle zusammen für eine diverse, offene Gemeinschaft. Natürlich ist die heutige Szene auf keinen Fall frei von Fehlern und vielen fehlt dieser Inklusionsgedanke. Ob im Grindr-Profil steht „no fats, no fems, no asians, no blacks” oder etwas subtilere Andeutungen gemacht werden, auch die Gay-Community diskriminiert.

 

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GENERATION LGBTQIA+ FUTURE

 

Ohne der jahrelangen Kämpfe der LGBTQIA+ Community würde diese Definition vermutlich heute gar nicht erst so präsent sein. Umso wichtiger ist es, jeden einzelnen Buchstaben davon anzuerkennen und als gleichwertig zu behandeln – egal ob alt, jung, black oder asian. Also, lieber white gay Grandpa: Danke für deinen Dienst, deine Kämpfe und Erfolge für die Gay-Community, dein Vermächtnis wird für immer bleiben. Doch neben dir gab es unzählige weitere queere Vorreiter aller Religionen, Hautfarben und Sexualitäten – auch euch gebührt unser Dank. Der Kampf geht aber trotzdem weiter, vor allem durch unsere heutige Generation, die mutiger, (re-)präsenter und diverser ist denn je!

 

Text: Iris Poltsch
Quelle: Deutschlandfunk Kultur & Der Tagesspiegel