Mein Name ist Candy Licious. Die meisten (zumindest WienerInnen) kennen mich wahrscheinlich von diversen Clubbings, bei denen ich Kondome, Süßigkeiten oder Shots verteile. Die anderen haben mich vielleicht schon mal im ROPP angetroffen, in dem ich regelmäßig Karaoke- und Spieleabende hoste. Manchmal bin ich aber auch bei diversen Podiumsdiskussionen eingeladen, um über meine mittlerweile vierjährige Drag-Erfahrung zu sprechen oder meine Meinung zu aktuellen Politischen Themen abzugeben.

Leicht hatte ich es keinesfalls in den letzten Jahren, als Dragqueen respektiert zu werden. Selbst heute finde ich mich immer in Situationen wieder, in denen ich auf mein Äußeres reduziert und ich als Mensch gar nicht wahrgenommen werde. In Bars, in denen sich vermehrt Heteros aufhalten, lädt mein Outfit meistens dazu ein, mir auf den Arsch oder meine Titten zu greifen. Mittlerweile weiß ich ganz gut, wie ich mich dagegen zur Wehr setzen kann und packe dann gerne auch ordentlich im Schritt des Mannes zu (mit den eigenen Waffen geschlagen, ha!).

 

Was in letzter Zeit aber scheinbar wieder häufiger passiert und leider nicht nur mir widerfahren ist, ist, dass Uber-Fahrer (ich gehe davon aus, dass hier männliche Driver hinter dem Steuer sitzen) einen nicht einsteigen lassen, wenn man mit Perücke und High Heels neben der Straße auf das Auto wartet. So ist es mir bereits einige Male passiert, dass der Uber-Fahrer langsamer wird, wenn er mich sieht und dann aber schnell weiterfährt, sobald er wohl erkennt, wer hier steht. Ob sie Angst davor haben, dass ich mich an sie ranschmeiße oder sie einfach nur homophob sind, kann ich natürlich nicht einschätzen. Auch seitens Uber habe ich diesbezüglich leider noch keine Erklärung dafür bekommen.

 

ES IST EIN GLOBALES PROBLEM

 

 

Aber nicht nur Heteros benehmen sich unhöflich gegenüber Dragqueens. Selbst innerhalb der Gay-Community hatte ich es bei Dates oft nicht leicht. Sobald ich während eines Gesprächs oder auch nach einer heißen Nacht (out of Drag) dem Typen gesagt habe, dass ich einmal die Woche als Dragqueen das Haus verlasse, waren sie ganz schnell weg. Zu hören habe ich dann immer bekommen, dass sie lieber einen richtigen Mann haben wollen und keine Frau. Fragen wie „Wärst du gerne eine Frau?“ oder „Machst du das jeden Tag?“ sind gerade am Anfang sehr oft gekommen. Ich liebe es, unter dem Make-up Bernhard zu sein und als Dragqueen jeden Tag außer Haus zu gehen, würde meinen Terminplaner wohl aufgrund des aufwendigen Stylings zum Platzen bringen.

 


© Florian Novotny

 

Natürlich gibt es nicht nur negative Aspekte von Drag, sonst würde ich nicht schon so viele Jahre Gefallen daran finden. Es ist für mich eine ästhetische Kunstform, mit der ich aufzeige, dass es nicht darauf ankommt, was ich trage oder welches Make-up ich benutze – die Message und der Mensch dahinter sind das, was zählt. Mittlerweile kann ich behaupten, dass ich über die Unterstützung meines Umfelds sehr glücklich bin, denn ohne den Back-up hätte ich schon lange aufgegeben.

 

xoxo eure Candy Licious

 

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