Der beste Scorsese, der nicht von Scorsese ist. Eine düster verstörende Studie über soziale Isolation und psychischen Verfall. Obwohl vom Handlungsgerüst bis hin zu ganzen Szenen TAXI DRIVER und THE KING OF COMEDY zitierend und anderen großen Meisterwerken wie SHINING, NETWORK oder FRENCH CONNECTION Referenz erweisend, entwickelt Regisseur Todd Phillips eine eigene bedrückende Bildsprache der Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Aggression in einer ob sozialer Ungerechtigkeit und Ausgrenzung zusehends aus dem Ruder laufenden Gesellschaft.

Die beängstigende Darstellung von Joaquin Phoenix reicht zwar nicht ganz an die Nuanciertheit und Komplexität seiner wohl größten schauspielerischen Leistung in THE MASTER heran, aber das ist Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau und wird dem wohlverdienten Oscar nicht im Wege stehen. Sein hysterisches Lachen und haltloses Schluchzen liegen in seinem Gesicht übereinander wie die Theatermasken Tragödie und Komödie und sind brillant und ob seiner vollkommenen Auflösung mit der Figur besorgniserregend zugleich.

 

TRAILER

 

 

JOKER gehört zu jener Filmgattung, die am venezianischen Lido oder an den sonnendurchflutenden Stränden von Cannes und Kalifornien zwar leichter zu verdauen ist, aber in seiner Botschaft, jeden Menschen unabhängig vom sozialen Status oder seiner Andersartigkeit als vollwertig zu respektieren und gleich zu begegnen, von universeller Gültigkeit ist. Nicht zuletzt ist er auch eine Reflexion über die heutige Zeit, in welcher von „Wutbürgern” demokratisch legitimiert, lang belächelte Clowns von Downing Street Nr. 10 bis ins Weiße Haus der Welt das Lachen nehmen.

 

Autor Peter Sodoma
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