Florian Hetz’ “zwei” ist eine queere Augenweide

In seinem – Überraschung! – zweiten Fotobuch thematisiert der Berliner Fotograf seine Pre-Coming-Out-Zeit und zeigt auf interessante Art und Weise ästhetische Blickwinkel auf vermeintlich alltägliche Situationen und selten wahrgenommene Körperteile.

Die neue Monografie “zwei” des Berliner Fotografen Florian Hetz präsentiert einen Querschnitt seines kompromisslosen Schaffens und seiner unverwechselbaren Bildwelt. In “zwei” stellt er auf knapp 250 schönen, glänzenden Seiten mehr als 200 Fotografien von beiden Seiten des Atlantiks einander gegenüber und schafft einen Dialog zwischen scheinbar nicht verwandten Bildern und Situationen. Aufregend und unaufgeregt zugleich eröffnet Florian Hetz mit seinen Fotos voyeuristische Einblicke in die Intimsphäre seiner Modelle. Und das funktioniert erstaunlich gut. Nicht selten wundert man sich beim Durchblättern, ob diese Fotos wirklich für die eigenen Augen bestimmt sind.

Durch Nahaufnahmen von männlichen Körperpartien und scheinbar alltäglichen Gesten lenkt er den Fokus auf oft unbemerkte Untertöne und verstärkt diese. Mühelos kombiniert Florian Hetz seine Berliner Studioarbeit mit natürlicher Tageslicht- bzw. Nachtfotografie aus Los Angeles. Er nutzt jede Doppelseite des Buches als Bühne für seine Fotografien, die zu einer spielerischen Unterhaltung zwischen Körpern und Landschaften, Gesichtern und Objekten werden. Der Spannungsbogen dabei fängt steil an und die Intimität der Bilder erreicht sehr schnell einen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Immer wieder stellt man sich die Frage, wie denn das noch zu toppen sei, wie das Buch wohl enden wird. Das lässt auch über die mittlerweile ziemlich ausgelutschten Frucht-Fotos hinwegsehen.

Hetz beschäftigt sich mit einer modernen Art des Porträtierens. Mit dem Aufkommen von Dating-Apps hat sich eine neue Form sexueller Porträts und Selbstporträts mit eigenen formalen Charakteristika entwickelt: der Cock-Shot, der isolierte Torso, das Hole Pic. Wir alle haben uns daran gewöhnt, unseren Körper zu inszenieren, und dabei bedienen wir uns nicht nur der Objektivierung, sondern auch der Fragmentierung. Natürlich reduziert diese Art der Fotografie den Körper auf seine einzelnen Teile und wendet sich vom großen Ganzen ab. Das führt nebenbei auch dazu, dass der Künstler immer wieder auf Instagram bitten muss, ihm doch nicht ungefragt Dickpics zukommen zu lassen.

Florian Hetz arbeitete als Produzent von Opern und Tanzaufführungen
in Deutschland. Als eine schwere Enzephalitis sein damaliges Berufsleben abrupt beendete, begann er, ein visuelles Tagebuch zu führen, um einem Gedächtnisverlust als möglicher Spätfolge der Gehirnentzündung entgegenzuwirken. Er dokumentierte sein tägliches Leben, seine Freunde und Geliebten während des Genesungsprozesses, bis seine Fotografien allmählich immer mehr auch auf losen Erinnerungen basierten.


Ein Großteil der Bildmotive des Berliner Fotografen dreht sich um verborgene, intime Erinnerungen an Momente, die viele queere Menschen in jungen Jahren erleben, ohne zu wissen, wie man sie versteht oder wie man mit ihnen umgeht. Momente, die verwirrend und erregend zugleich sind. Hetz nähert sich dieser Faszination fotografisch an und übersetzt sie in seine ganz eigene Sprache.


“Hetz beschäftigt sich mit dieser Bildsprache und bringt sie in extremer Form zum Höhepunkt: Er zeigt Körper und Körperteile, die fast bis zur Unkenntlichkeit gequetscht, verdreht, gedehnt oder in extreme Formen gezogen werden.” – Ryan Linkof

“zwei” knüpft an die bisherigen Publikationen des Wiener Verlages Paper Affairs an, die eine Vision teilen: einen Raum für eine vielfältige Auseinandersetzung mit dem Bild des Mannes zu schaffen. Gemeinsam mit überragenden Fotografen, Künstlern und Autoren hält Paper Affairs unterschiedliche Perspektiven in der langlebigsten aller Formen fest: als wunderschöne, hochwertige Fotobücher – daraus entstand unter anderem auch unser wunderschönes VANGARDIST Coffee Table Book, das ebenfalls noch erhältlich ist.

“zwei” jetzt online bestellen unter www.paperaffairs.com

Alle Fotos: © Florian Hetz