„Ich muss was gegen das Nichtstun tun, denn das Nichtstun tut mir gar nicht gut.“ Balbina hat Angst vor dem Nichtstun. Balbina hat Angst vor Langeweile. Balbina wird hier nur exemplarisch zitiert, denn es ist der Mensch, der Angst hat vor Langeweile.

Was tun wir, ohne Fernseher oder iPhone? Ohne Musik auf den Ohren oder ein Buch? Also ohne Dinge, die uns ablenken, die Gedanken zerstreuen oder eben auf sich fokussieren? Was tun wir, in absoluter Ruhe und aufgrund des Nichtstuns in der entstehenden Langeweile? Wir stehen vor etwas, dass uns an unserer eigenen Existenz zweifeln lässt.
 

Wir stehen vor der Sinnlosigkeit und Absurdität des eigenen Seins.

 
Und das hat zur Folge, dass wir unsere Abhängigkeiten Dingen, Unterhaltung, und Ablenkung gegenüber, auf unangenehm deutliche Weise spüren. Die Frage ist, was bedeutet das für Menschen, die sich tagaus tagein mit sich selbst beschäftigen?Die in sozialen Netzen ihre Bilder und ihre (fragwürdige) Meinung kundtun? Die zwischen zwei Episoden der Lieblingsserie noch eben schnell drei Mails schreiben, mit der Nachbarin das gemeinsame Abendessen besprechen und „nur noch kurz die Welt retten“ Es bedeutet, dass wir aufgrund der besagten Langeweile, keine Zeit mehr finden, obwohl wir uns nach Zeit für uns selbst sehnen.
 

Wir wenden Zeit auf, um Zeit fürs Leben zu haben.

 

Sollte sich doch wider Erwarten Langeweile in unser Leben schleichen, so setzen wir alles daran, uns nicht mit der Angst vorm Nichtstun zu konfrontieren. Wobei das Vermeiden von Langeweile vermutlich auch einfach nur bedeutet: Wir haben Angst uns zu verlieren. Denn – und das ist die Krux an der ganzen Sache – wir definieren uns, und unser Leben nicht über das Nichtstun: Wir definieren das alles über das Tun. Über das was wir kaufen, welche Fotos wir bei Instagram posten, und Anerkennung von außen.
 

Was bleibt also zu tun mit dem Nichtstun?

 
Betrachten wir Langeweile als ein hohes Gut. Als Luxus, für den wir hart arbeiten. Und den wir deshalb, sollte er sich einstellen, genießen dürfen. Und betrachten wir sie als ein trotziges Dagegenhalten, denn was gibt es Besseres, als perfektioniertes, auf den Punkt gebrachtes und bis zum Ende genossenes Nichtstun, als ein Gegenentwurf zu einer über alle Maßen ungesunden, sich dauernd selbstreflektierenden und rasenden Welt?
 

 


Text: Stephan Otto