Das English Cinema Haydn in Wien begrüßt seit kurzem seine Gäste auf Unisex-Toiletten, wie sie auf ihrer Facebook-Page bekannt gegeben haben. Das Posting hat für viel Aufsehen gesorgt. Viele andere Einrichtungen, Cafés, Institutionen oder Bars machen dies schon länger. Wir fragen uns also, wieso die ganze Aufregung um das stille Örtchen?

Die Unisex-Toilette ist nichts Neues: Schon vor zwei Jahren hat beispielsweise die Kunsthalle Wien auf Klos umgestellt, die ohne Geschlechterunterteilung gut funktionieren. Ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und eines dafür, alle Menschen willkommen zu heißen, egal, welches Geschlecht sie haben. Vor allem stellen getrennte WCs für intersexuelle Menschen immer wieder ein großes Problem dar. Rund 30 bis 50 Kinder werden jedes Jahr in Österreich geboren, deren Geschlecht nicht eindeutig festgelegt oder feststellbar ist. Gut, diese Zahl ist nicht enorm hoch, aber es gibt sie. Das Problem, auf welche Toilette man zu gehen hat, ohne ein zugeordnetes Geschlecht zu haben, ist für Intersex-Personen permanent präsent und da hilft es viel, auf Toiletten gehen zu können, die hier keine Unterscheidung treffen.

 

 

Klar kann es oftmals verwirrend wirken, wenn man vor Toiletten in Cafés oder Bars steht, bei denen der Hinweis fehlt, für welches Geschlecht das WC vorgesehen ist. Im Grunde kann man hier aber doch nichts falsch machen! Denn es ist nach wie vor schlichtweg eine Toilette und hier sollten Stigmata und Hemmungen vor der Tür abgelegt werden. Einige Wiener Lokale machten es der Kunsthalle gleich und stellten ebenfalls auf All-Gender-Toiletten um. Auch die Akademie der Bildenden Künste in Wien hat im Rahmen ihres “Non binary Universities”-Projekts im letzten Jahr aufgrund der Anerkennung des dritten Geschlechts auf Unisex-Toiletten umgestellt. Hier wird aber trotzdem noch auf eine ganz spezielle Kennzeichnung Wert gelegt: “Dies ist eine All Gender Toilette. Sie steht allen offen: Inter*, Frauen, Trans, Männern, Genderqueers und allen anderen Geschlechtern. Seien Sie bitte respektvoll im Umgang mit allen Menschen, die Sie hier treffen“.

 

 

Wie die gesetzlichen Baurichtlinien dazu aussehen? Vor einem Jahr waren Unisex-Toiletten zumindest noch nicht vorgesehen. Laut Richtlinie 3 des Österreichischen Instituts für Bautechnik ist in “Bauwerken, die nicht Wohnzwecken dienen” eine “ausreichende Anzahl von nach Geschlechtern getrennten Toiletten zu errichten“. Es hieß, dass die Richtlinie überarbeitet werden sollte. Wir sind gespannt, wie die Zukunft diesbezüglich aussieht.

 

Prinzipiell sollte es für einen Cis-Mann / eine Cis-Frau hoffentlich kein Problem darstellen, auf welche Toilette man gehen kann / darf oder muss – vor allem, wenn das stille Örtchen eine All-Gender-Toilette ist. Für Intersex-Personen stellt eine Geschlechtertrennung vor der Klotür jedoch immer und immer wieder eine Problematik dar. Deshalb sind wir auf jeden Fall pro Unisex-Toiletten, denn irgendwann sollte Geschlecht (ob angeboren oder nicht) in unserer Gesellschaft endlich keine Rolle mehr spielen.

 

Text Michael Haller
Quelle orf.at