Alexa, spiel das Paramount Pictures Movie Intro: Wir schreiben das Ende des Jahres 2019. Es war wieder einmal eine Zeit voller Auf und Abs, Stans und Cancellings, Hell Yes’ und Oh God Nos. Wie immer hat uns die Filmbranche zahllose Stunden an Material zur Verfügung gestellt, um schöne Emotionen auf der Leinwand auszuleben und die eher schlechteren genau dort zu verdrängen. Wir haben für euch unsere Highlights des Jahres nochmal Revue passieren lassen. Diese zehn Streifen haben uns in 2019 Eskapismus vom Feinsten beschert. Without any further ado: Action, Baby!

ROCKETMAN

 

Schlaghosen, glitzernde Teufelshörner, federne Engelsflügel, herzförmige Sonnenbrillen und Strasssteine so weit das Auge reicht. Die biografische Verfilmung über das extravagante, wilde und chaotische Genie, das sich hinter Elton John (Taaron Edgerton) verbirgt. Der Film zeigt neben dem schillernden Äußeren einer bahnbrechenden musikalischen Karriere auch die Hardships, die einen schwulen jungen Mann in dieser Branche und im Leben erwarten. Auf eine rohe und ehrliche Art und Weise ist dieser Film alles andere als nur ein weiteres aufgehübschtes Glitzer-Glamor-Musical. Um the one and only Elton selbst zu paraphrasieren: You can tell everybody, this is your movie.

 

 

JOKER

 

“Is it just me, or is it getting crazier out there?” Diese Frage stellt sich nicht nur Arthur Fleck (Joaquin Phoenix), sondern wohl auch das Publikum dieser düsteren Erzählung über Batmans Erzfeind, die sich ganz klar vom üblich explosiven, buntem Superheld*Innen Genre absetzt. Im Film tauchen wir nicht nur in den schmutzigen Untergrund Gothams ab, sondern gleichermaßen in die Tiefen des verkorksten und gequälten Geistes des Jokers. Es ist eine meisterhafte Verfilmung des psychischen Downfalls eines Mannes, der merkt, dass die Welt nicht mit, sondern über ihn lacht und den Weg der Gewalt und des Chaos einschlägt.

 

 

HUSTLERS

 

Pelze, Pillen, Partyeskapaden. Wenn man den neuen Hollywood-Streifen „Hustlers” irgendwie auf den Punkt bringen möchte, dann kommt man um diese Attribute bestimmt nicht herum. Was noch fehlt, sind natürlich die ziemlich beeindruckenden authentischen schauspielerischen Leistungen der Hauptprotagonistinnen. Allen voran natürlich Ramona Vega (Ikone Jennifer Lopez), die uns mit ihren atemberaubenden Tanzmoves inkl. gestähltem Körper (mit wohlgemerkt 50 Jahren!) hart beeindruckt. An ihrer Girlboss-Seite Stripper-Lehrling Destiny (Constance Wu) und Journalistin Elizabeth (gespielt von der All-time-beauty Julia Stiles). Die Pimp-Vibes, die uns dieses Crime-Drama verschafft, sind definitiv, dass wir jetzt auch StripperInnen werden wollen, als Kings and Queens des lokalen Rotlichtviertels über die Straße stolzieren möchten und mit unserer Girl-Squad alte reiche weiße Männer abziehen wollen. Thanks for that!

 

 

ONCE UPON A TIME… IN HOLLYWOOD

 

Einer der höchst antizipierten Filme des Jahres war auf jeden Fall das neunte Werk von Quentin Tarantino. Im Hollywood der späten 60s stellt der Regie-Meister uns das Duo Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt) vor, die beide mit zunehmendem Alter mit den harten Realitäten der Filmbranche zu kämpfen haben. Booth findet sich eines Tages inmitten einer Kommune der Manson Family wieder, die 1969 mehrere Morde in LA beging, denen übrigens auch die Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie) zum Opfer fiel. Allerdings ist Tarantino ja dafür bekannt, geschichtliche Fakten nicht als Regeln, sondern eher als Richtlinien zu betrachten.

 

 

WIR

 

Der zweite Horror-Thriller von Jordan Peele steht seinem Vorgänger Get Out in nichts nach. Mit der genialen Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o in der Hauptrolle liefert der Film eine zwiegespaltene Odyssee der schrecklichen Überraschungen. Nyong’os Charakter und ihre Familie sehen sich in einem vermeintlich idyllischen Sommerurlaub mit Eindringlingen konfrontiert, mit denen sie mehr Gemeinsamkeiten teilen, als vermutet. Ohne zuviel zu verraten, löst die Storyline des Films konstant Angstschweiß und nervöses Lachen zugleich aus – und ist obendrein ein ziemlich deutliches F*ck You des Regisseurs an die hierarchisierten und diskriminierenden Teile von White Hollywood.

 

 

DIE EISKÖNIGIN 2

 

Der zweite Teil der Frozen-Saga hat nicht nur im Box Office eingeschlagen wie eine Bombe, er ist auch Disneys potentielle Antwort auf den langjährigen Wunsch der Fans, endlich eine LGBTQIA+ Liebesgeschichte in einem ihrer Filme zu zeigen. Die Hauptfigur Elsa (Idina Menzel) soll im dritten Teil einen weibliche Love Interest an die Seite gestellt bekommen. In diesem Film steht der starke Bond zwischen den zwei Power-Frauen Elsa und ihrer Schwester Anna (Kristen Bell) im Vordergrund, die sich beide statt nach einer Traumhochzeit mit Prince Charming, nach Freiheit und Gerechtigkeit sehnen. Gesungen wird selbstverständlich auch nicht wenig. Sehenswert und erfrischend anders ist dieser Film deshalb auf jeden Fall.

 

 

PARASITE

 

In der Tragikomödie des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho begleiten die Zuschauer*Innen den jungen Mann Ki-woo (Choi Woo-shik), der aufgrund seiner raffinierten Scharfsinnigkeit einen Job als Nachhilfelehrer bei der Tochter des wohlhabenden, anerkannten Mr. Park (Lee Sun-kyun) ergattert. Er selbst stammt aus ärmlicheren Verhältnissen und somit zeigt der Film das Aufeinanderprallen zweier Welten in einem kapitalistischen System, in dem im Endeffekt weder die Reichen noch die Armen als wahre Gewinner herausstechen.

 

 

THE IRISHMAN

 

Martin Scorsese im Regiestuhl, Robert De Niro vor der Kamera. Diese Kombination genießt in Hollywood nach Filmen wie Casino und Taxi Driver wahren Kultstatus. In diesem neuen Werk holen sich die beiden Maestros unterstützung von Al Pacino und verfilmen die wahre Geschichte des Mafia-Killers Frank „The Irishman“ Sheeran (De Niro). Scorsese schafft es erneut auf seine authentische, humoristische Art in die Abgründe der italienisch-amerikanischen Mafia abzutauchen und erzählt gekonnt eine Geschichte über Gewalt und Gesetzlosigkeit.

 

 

BOOKSMART

 

Diese Teenie-Komödie ist das Regie-Debüt von der Schauspielerin Olivia Wilde und zeigt, dass ein Film dieses Genres mehr sein kann als banales High School Drama. Der Film erzählt offen und frisch, wie die zwei Freundinnen Molly (Beanie Feldstein) und Amy (Kaitlyn Dever) den letzten Schultag nutzen wollen, um das erste und einzige mal so richtig zu rebellieren. Booksmart brilliert, weil es im Geist der Zeit angekommen ist. Auf clevere Art und Weise werden die richtigen Aspekte des Lebens aufs Korn genommen und Stereotype hinterfragt, statt reproduziert.

 

 

MARRIAGE STORY

 

Nicole (Scarlett Johansson) lässt sich von Charlie (Adam Driver) scheiden. Das ist die kurze und knappe Zusammenfassung der Storyline des neuen Dramas von Noah Baumbach. Diese Geschichte schafft es aus der Fülle der Film-Releases herauszustechen, denn ein alltägliches Thema wie Scheidung wird hier auf eine intime und individualistische Art und Weise erzählt, die erfrischend neu und ehrlich ist. Es gibt hier keine Bösewichte, kein Schwarz und Weiß, sondern einen Konflikt zweier Menschen, die irgendwo zwischen Liebe und Frustration stehen und sich ihrer eigenen Gefühlswelt in all ihrer Komplexität stellen müssen.

 

 

Autorin: Anna Johow, Michael Haller
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