Von ‘Future Nostalgia’ und Identitäten – Netflix-Star Lachlan Watson im Interview - VANGARDIST MAGAZINE

Von ‘Future Nostalgia’ und Identitäten – Netflix-Star Lachlan Watson im Interview

Lachlan Watson ist Schauspieler:in, selbsternannte “Niche Instagram Personality” und das Gesicht der neuen Zalando Kampagne “Luxury on Your Terms”. Teil der Kampagne ist der Kurzfilm, “A Life of Liberty”, mit Lachlan als Hauptprotagonist:in. Im Exklusivinterview mit VANGARDIST erzählt uns Lachlan mehr über die Entstehung des Projekts, der Bedeutung von Luxus und nostalgischen Parties.

Wie ist diese ganze Kampagne zustande gekommen? Inwieweit wurdest du in den konzeptionellen Prozess eingebunden?

Das war alles sehr spontan. Ich habe von dem Projekt erst… vielleicht zwei Wochen vorher erfahren? Und plötzlich saß ich in einem Flugzeug nach Prag! Es war ganz wunderbar und in letzter Minute. Ich bekam eine E-Mail, die mit meinem Namen versehen war und in der stand: “Hey, wir haben schon immer an dich für diese Kampagne gedacht, bitte mach mit.” (lacht) Und so konnte ich einfach einsteigen, als das Konzept schon fertig war. 

 Ich habe über Leo und Liberty nachgedacht. Die zwei sind ja sehr unterschiedliche Charaktere – gibt es eine Figur, mit der du dich mehr identifizieren kannst? 

Ich identifiziere mich mit beiden getrennt und auf völlig unterschiedliche Art und Weisen: Ich habe das Gefühl, dass sie ein und dieselbe Person sind, die sich nur unterschiedlich darstellt. Es fühlt sich fast so an, als wäre Liberty Leos Drag-Persönlichkeit, aber irgendwie ist es auch eine geerdete und zur selben Zeit in den Wolken schwebende Social-Media-Persönlichkeit, mit der sich wahrscheinlich viele Leute identifizieren können. Vor allem Niche Internet Celebrities (lacht). Ich denke, Social Media hat eine gewisse Authentizität. Ich gebe mir wirklich Mühe, mich so zu präsentieren, dass es sich auch authentisch anfühlt. Was ich dort veröffentliche, fühlt sich an wie ich. Aber ich kann nicht kontrollieren, wie jeder einzelne dieser Hunderttausenden von Menschen mich wahrnimmt oder welche Vorstellungen sie von mir haben, die sich wahrscheinlich völlig voneinander unterscheiden.


„Für mich ist es unglaublich luxuriös, einfach nur Raum zum Nachdenken zu haben und nicht ständig in Bewegung zu sein.“


Wenn Leo/Liberty in der letzten Szene sagt: “Ich glaube, ich werde für eine Weile ich selbst sein” – wer, glaubst du, war das? 

Das war etwas, was wir uns an dem Tag ausgedacht haben. Es passte einfach gut zur Geschichte. Ich mag es, Pausen einzulegen, wenn es um soziale Medien geht. Pausen vom Glanz und Glamour zu nehmen und wiederzuentdecken, was “Luxus nach deinen Vorstellungen” (Luxury on Your Terms) für dich bedeutet, und das auf eine weniger öffentliche Weise zu verinnerlichen, ist etwas, an dem Gen Z arbeiten muss.  Ich glaube, Luxus wird sehr stark als äußere Präsentation gesehen – als eine Art “welche Kleidung ziehst du zur Party an”. Aber Luxus bedeutet genauso viel im Inneren: Was ist für dich luxuriös? Ist es die Zeit, die man für sich selbst aufwendet, ist es die Zeit, die man sich nimmt, um Kleidung per Hand zu waschen, oder die Zeit, die man sich nimmt, um seine Wohnung umzugestalten? Was ist luxuriös? Denn für mich ist es unglaublich luxuriös, einfach nur Raum zum Nachdenken zu haben und nicht ständig in Bewegung zu sein. Es fühlt sich so besonders an. Und das ist etwas, worüber ich auch außerhalb der sozialen Medien nachdenken muss. Ich glaube, das ist ein Luxus, den die sozialen Medien nicht wirklich verstehen können. Ich denke, das ist eine nette Anspielung auf die Idee, sich den Luxus zurückzuerobern und den Luxus nach den eigenen Vorstellungen zu genießen.

Du singst während des Films ein Lied, das du geschrieben hast.
Hast du den Song während der Dreharbeiten geschrieben? 

Ich sollte in einer der Szenen in diesem großen, leeren Ballsaal summen. Ich summte den James Blake-Song, der gerade erschienen war und mir nicht mehr aus dem Kopf wollte. Und dann dachte ich mir: “Ich glaube, James Blake würde es nicht besonders mögen, wenn ich seinen Song in diesem Projekt summe. Und ich habe versucht, an einen Song zu denken, den ich geschrieben hatte. Vor etwa einem Jahr habe ich eine Menge Songs geschrieben. Und ich hatte die Idee, diesen einen Song, Future Nostalgia zu summen. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir klar, wie treffend das Lied auf die Situation zugeschnitten war. 

Worum geht es denn genau in dem Song?

Es geht darum, dass man über die Zukunft einer Party nachdenkt. Man fiebert dem Beginn der Party entgegen, schlendert durch die großen Gänge und fragt sich, wer alles kommen wird und ob die eine Person, auf die man wartet, auch kommt. Du hast sie eingeladen, aber wird sie auch wirklich kommen? Du weißt es nicht! Mir wurde klar, wie gut das zur Geschichte passt, also habe ich den Text so umgeschrieben, dass er mehr von meinem “Vater” handelt als von dieser geheimnisvollen Person. Am Ende hat es wirklich gut funktioniert, und Vince, unser Regisseur, mochte es so sehr, dass er den Song in die ganze Sache einbauen wollte.

Ich habe die Zeile tatsächlich hier stehen: “I live in a state of future nostalgia”. Ich hatte auch das Gefühl, dass der Song so gut zum Feeling dieses Films passt.

Ich möchte auch erwähnen, dass ich den Song vor zwei Jahren geschrieben habe, bevor Dua Lipa ihr Album Future Nostalgia veröffentlichte. Ich fand es also wirklich lustig und besonders, dass sie ein Album namens Future Nostalgia herausbrachte. Ich dachte mir, “Oh, ich bin cool! Oh, das war eine coole Idee!

In einem deiner letzten Instagram Posts beschreibst du dich als “Niche Internet Celebrity”. Welche Bedeutung hat diese Caption für dich? 

Oh, ja, den habe ich ja erst kürzlich gepostet. Ich habe das Gefühl, dass ich oft mehr für meine Präsenz auf Instagram als für meine Arbeit als Schauspieler:in anerkannt werde. Ich bin es gewohnt, dass die Leute mich für meine kurzen Haare und meine Rolle als Theo in Sabrina erkennen. Als ich mir die Haare wachsen ließ, dachte ich, ich würde inkognito bleiben, die Leute würden mich nicht mehr so oft erkennen, weil sie das alles sehen und denken würden: “Na ja, das ist nicht Theo”. Aber dann hat mich neulich jemand erkannt. Ich hatte eine Sonnenbrille und eine Maske auf, und ich fragte: “Wie hast du mich erkannt?”, und die Person sagte: “Oh, deine Haare sind jetzt so iconic, ich sehe sie ständig auf Instagram!”. 

Photography
© Coco Capitán | @cococapitan