“Wie, du warst noch nie in Prag? Das ist ja eh so nah!” Solche oder so ähnliche Reaktionen bekam ich meistens, als ich den Leuten erzählt hatte, dass ich noch Jungfrau in Sachen tschechischer Hauptstadt bin. Zum Glück hat sich das letzte Woche geändert und ich muss sagen: Mein erstes Mal hätte ich mir nicht besser vorstellen können!

Nachdem die Anfrage von CZECH TOURISM in unsere Redaktion geflattert kam, eine LGBT-Pressereise im kleinen Rahmen nach Prag zu unternehmen, konnte ich nicht schneller “JA” sagen als sonst zu einem kühlen Glas Bier – und Spoiler Alert: Von denen gab’s in Prag so einige. Also ging es für mich, drei weitere österreichische Medienvertreter, zwei aus Deutschland und einem aus der Schweiz, für zweieinhalb Tage zu unserem befreundeten nördlichen Nachbarn. Ein reiner Herren-Trip. Let the Party begin!

 

TAG 1 – FRIEDE, FREUDE, EIERKNÖDEL

 

Zugegebenermaßen ist mein Rucksack für die wenigen Tage voller als ich es an den meisten Wochenenden bin und ich pilgere damit (ich fühle mich wie eine dieser Figuren aus “die Auswanderer”) zum Wiener Hauptbahnhof. Dort treffe ich beim Meet-Up-Point auf meine österreichischen Mitreisenden und unsere Ansprechperson Sabina von CZECH TOURISM. Top motiviert wollen wir zum Gleis und müssen leider feststellen, dass unser Zug eine Stunde Verspätung hat. Mit Kaffee, Kuchen und Kennenlernen vergeht die Wartezeit jedoch zügig und wir steigen in den RegioJet. Die Verspätung ist längst vergessen, als wir im Relaxing-Abteil mit Getränken, Zeitschriften und gratis WIFI versorgt werden. Ein weiterer Pluspunkt von RegioJet: Jeder Passagier hat seinen eigens zugewiesenen und automatisch mitreservierten Sitzplatz – kein Streit um kein Gedränge beim Einsteigen!

 

 

Nach kurzen vier Stunden sind wir am Ziel angekommen und Yvette von CZECH TOURISM, unsere Begleitung und Ersatz-Mutti für die nächsten Tage, wartet bereits am Prager Hauptbahnhof auf uns. Sie versorgt uns mit den nötigen Öffi-Tickets und bringt uns in das Hotel, wo wir die nächsten Tage nächtigen werden. Das VIENNA HOUSE DIPLOMAT PRAGUE liegt, wie der Name bereits verrät, am Diplomatenviertel im Nordwesten der Stadt direkt bei der U-Bahn-Station Dejvická. Das frisch renovierte gay-friendly Vier-Sterne-Haus beherbergt 400 Zimmer und Suiten, Restaurants, Hotelbars, eine ziemlich nice Dachterrasse und einen Spa-, Wellness- und Fitness-Bereich (zugegeben, letzteren meide ich nicht nur in Wien, sondern auch mit Vorliebe im Urlaub). Außerdem bietet das Hotel einen speziellen mobilen Concierge als digitalen Reiseassistenten für Mobile Check-In und Check-Out an inklusive Nachrichtendienst, mit dem man einfach der Rezeption oder dem Hotelservice über Handy Fragen und Wünsche senden kann. That’s what I call fortschrittlich!

 

 

Nach dem Bezug meines Zimmers im fünften Stock des Hauses begrüßt uns Márketa, die Pressesprecherin des Hotels in der Lobby mit Welcome Drinks und Welcome Snacks. Nach einem kurzen Plausch beginnt dann endgültig unser Abenteuer und wir erkunden die tschechische Metropole. Für uns steht eine dreistündige thematisch ausgerichtete Führung zu LGBT-Themen auf dem Programm. Petr, unser Guide, führt uns vom neuen Stadtteil zum alten und erzählt uns unzählige spannende (Fun) Facts zu Plätzen, historischen Gebäuden, Cafés und dem künstlerischen Background der Stadt. Unsere Tour startet am Platz vor dem Prager Nationalmuseum. Genau dort, wo auch im August die Regenbogenparade im Zuge der Prague Pride startet, die vom 5. bis 11. August die City austrägt. Die angrenzende Lucerna Great Hall sehen wir uns danach von innen an und ziehen von dort dann weiter in die Hidden Gardens von Prag.

 

 

Was mir auffällt: “Hidden” kann sich die Stadt groß auf die Fahnen schreiben – es gibt unzählige enge Gassen, versteckte Parks und permanent die Möglichkeit, wo ganz anders rauszukommen, wo man eigentlich hin wollte. Somit überrascht mich die Stadt permanent aufs Neue. Durch den Franziskanergarten spazieren wir zum Moving Head von Franz Kafka, einer Outdoor Skulptur von David Černý, die unsere Instagram-Liebe für Boomerangs für mehrere Minuten weckt.

 

 

Was ich, als ehemaliger Studierender, besonders spannend finde, ist der Besuch der Charles University of Prague, die, wie uns erklärt wird, die älteste Uni Mitteleuropas (Gründung im Jahr 1348) ist. Design- und Architekturfans kommen bei der Führung nicht nur aufgrund der imposanten und alten Gebäude auf ihre Kosten.

 

 

Petr zeigt uns auch das Grand Café Orient, das ein ikonisches Werk des tschechischen Kubismus mit angrenzendem kubistischen Museum darstellt. Einen kurzen Abstecher machen wir ebenfalls ins BOTAS 66, einem Sneaker-Laden, in dem handgemachte Schmuckstücke für den Fuß unsere Fashionherzen höher schlagen lassen. Besonders der “Rainbow Maker” in, wie der Name bereits vermuten lässt, Regenbogenfarben fällt uns allen in die Augen und wäre der perfekte Begleiter für die anstehende Pride. Durch die verschiedensten Bavarian Beer Bars, durch die wir an dem weiteren Abend ebenfalls kurz unsere neugierige Blicke reinwerfen, wird die enge Verbindung zwischen Wien und vor allem Deutschland immer deutlicher (beim Essen und Trinken kommen die Leut’ zam!)

 

 

Die spannende Tour endet am großen Hauptplatz der Altstadt mit dem Rathaus, in dem auch Gay Marriages vollzogen werden und abschließend vor der Teynkirche, deren Türme man früher “Adam” und “Eve” nannte (gut, bei unserer Führung sind es eher “Adam” und “Steve”).

 

 

Den Abend in der Stadt beenden wir kulinarisch im Restaurant U Pinkasu, dem ersten Prager Restaurant, in dem das untergärige Lagerbier Pilsner Urquell gezapft wurde – und an dem Abend wurden so einige davon gezapft. Das beliebte Bierlokal serviert uns tschechische Spezialitäten, von Fleischknödel und Bierkäse über Svickova (Lendenbraten) und altböhmischem Gulasch bis hin zu Liwanzen (ähnlich wie Pancakes). Für mich, der seit Jahren dem Fleisch am Teller abgeschworen hat, gibt es eine deftige Portion Knödel mit Ei und ich bin froh und gleichzeitig überrascht, dass das Restaurant gleich mehrere vegetarische Alternativen im Programm hat. Zurück im Vienna House lassen wir den Abend in gemütlicher Runde an der Bar bei einem letzten Bier ausklingen und ich falle glücklich, müde und mehr als satt in mein gemütliches Hotelbett.

 

TAG 2: PRAG, PRIDE UND PARTY

 

Noch komplett satt vom Vorabend (und vielleicht auch aufgrund eines klitzekleinen Katers) lasse ich das Frühstück sausen und stelle mich zwar müde aber abholbereit in die Hotellobby für unsere nächste Tour durch die Stadt. Heute: Eine Art-District Führung durch den alternativen und hippen siebten Bezirk. Hier überrascht mich eine weitere Verbindung zu Wien: Auch bei uns gilt der siebte Bezirk als künstlerische Hochburg für alle zugezogenen Hipster-Bobo-Kids und ich muss etwas über diese Überschneidung schmunzeln. Bei der Tour besuchen wir das BIO OKO Kino, ein kreativer Hotspot der Community, in dem nicht nur immer wieder LGBT-Streifen gezeigt werden, sondern das auch als ökologisch nachhaltiger Geheimtipp das alternative Publikum in seine Hinterhöfe lockt und mit saisonalen Köstlichkeiten aus der Nähe verwöhnt.

 

 

Der Abstecher in die Národni galerie Praha ist mein Highlight des Tages. Das Kunstpalais dient heute als Nationalgalerie und beherbergt in seiner puristischen Ausstellungshalle eine einzigartige Sammlung tschechischer und internationaler, moderner Kunst.

 

 

Wir spazieren weiter und bekommen auch die traurige Seite mit, die es in jeder (nicht nur) Großstadt gibt: Obdachlosigkeit zeichnet ebenfalls das prager Stadtbild und unser Guide erzählt uns, dass die Stadt Prag in Zusammenarbeit mit der Universität ein Projekt ins Leben gerufen hat, um dem Elend auf der Straße entgegenzuwirken. Das einfache Konzept: Wohnungslose Personen bieten spezielle Führungen durch die Stadt an, erzählen ihre persönlichen Geschichten und bieten so einen Rundgang der anderen Art – mehr Authentizität geht nicht. Ich finde das Projekt auf Anhieb super und bin begeistert. Davon kann sich Wien auf jeden Fall noch eine organisatorische Empathie-Scheibe von abschneiden.

Wir wandern weiter und landen am alten Schlachthofe der Stadt. Von außen sieht das Gelände eher mau aus und ich frage mich: Was zur Hölle wollen wir hier? Doch als wir um die Ecke biegen wird alles klar: Da wir uns ja immer noch im Kunstviertel der Stadt befinden, darf natürlich ein Flohmarkt nicht fehlen. Und ta-daa, wir stehen auf einem riesengroßen Markt mit vorwiegend Klamotten, der, vermutlich aufgrund der noch etwas kalten Temperaturen, so gut wie null besucht ist.

 

 

Wir schmökern etwas durch die alten Kleidungsstücke und bewegen uns in Richtung der alten Backsteingebäude – unser Ziel: Das Jatka78 Restaurant, in dem man inmitten unzähliger hipper Ausstellungsstücke seine Snacks genießen kann. Die gebogenen Holzkonstruktionen, die Kunst an den Wänden und die süßen Männer hinter der Bar machen diese Location zu etwas ganz besonderem. Übrigens, nebenan gibt es noch das angrenzende Theater, das laufend Stücke und Wohltätigkeitsveranstaltungen im Programm hat.

 

 

Ein paar Schritte und Türen weiter kommen wir zum nächsten Insider-Kreativ-Hotspot: Vnitroblock ist ein wilder Mix aus coolen Industrieräumlichkeiten mit kreativen und kulturellen Angeboten – von einem Café über eine Galerie von jungen Designern bis hin zu einem Showroom mit stylischen Berlin-Friedrichshain-Klamotten gibt’s hier alles, was das Hipster-Herz höherschlagen lässt.

 

 

Mittags geht es für uns in das angesagte Restaurant Styl & Interier. Die Location ist das schönste Café/Restaurant für mich, seitdem wir in Prag sind. Das malerische Innendesign besteht aus Möbeln und Wohnaccessires, die man gleich bestaunen und kaufen kann. Wir sitzen ganz hinten im gläsernen Gastgarten, um uns herum ein idyllisches Ambiente aus alten Möbeln drinnen und frischem Grün draußen. Beim entspannten Lunch mit der Gruppe und dem vegetarischen Curry vor meiner Nase schlage ich mir den Bauch voll.

 

 

Am Nachmittag statten wir dem Q Café noch einen Besuch ab – dem queeren Treffpunkt der LGBT-Community in Prag. Dort plaudern wir mit den Verantwortlichen der Prague Pride. Das Festival findet seit 2011 jedes Jahr im August statt. Heute ist es eines der größten Kulturereignisse Tschechiens. Die Pride dauert eine Woche lang und hat über 100 kulturelle, soziale Aktivitäten, öffentliche Diskussionen und natürlich die abschließende Regenbogenparade durch die gesamte Stadt im Angebot. Im Gespräch mit Bohdana, der Pressesprecherin, erfahren wir, dass die Prague Pride die größte Pride Osteuropas ist. Sie sagt uns außerdem, dass seitdem die Gay Marriage 2017 in Tschechien erlaubt ist, hat sich das öffentliche Bild gegenüber der LGBT-Community stark ins Positive gewandelt.

 

 

Mit unzähligen neuen Eindrücken und spannenden Gesprächen kehren wir am Abend in unser Hotel zurück – das Vienna House Diplomat Prague öffnet heute Abend nämlich offiziell seine Tore. Nach der monatelangen Renovierung durften wir am Tag zuvor schon exklusiv als erste Gäste im Haus nächtigen und nun, am 28. März, fand dort die große Re-Opening Party statt.

Das Einweihungsevent erstreckt sich über alle neun Stockwerke des Hauses. Unsere Erkundungs-Partytour beginnt im Erdgeschoss bei der Opening Dance Show und dem großzügigen Buffet im Speisesaloon. Über mehrere Bars, an denen Köstlichkeiten mit und ohne (also für uns MIT) Alkohol ausgegeben werden, pendeln wir zwischen den einzelnen Etagen des Hotels. Über alle neun Stockwerke verteilt kleidet sich das Vienna House in eine einzige Partylocation und wir verbringen die restliche Nacht gerne im Hotel.

Unser Lieblingsort ist der eigens eingerichtete Club im vierten Stock. Dort feiern wir mit anderen Hotelgästen, schwenken unser Weinglas zu aktuellen Hits des DJs und tanzen stundenlang, bis das Licht angeht. Auf der obersten Etage findet sich die wunderschöne Rooftop-Bar wieder, auf der wir uns weitere Drinks und die schöne Aussicht über die Prager Altstadt genehmigen. Beim Rum-Tasting nebenan bietet uns der Barkeeper einige feurige und süße Liquids an, die wir schneller probieren, als wir “JA BITTE” sagen können und schütten die Gläser vielleicht etwas zu schnell in unsere Rachen als es die feine Tasting-Attitüde vorgibt. Nachdem wir unsere Tanzlaune ausgelebt, die Bar ausgetrunken und den Ausblick fertig genossen haben, geht für mich ein aufregender zweiter Tag in Prag zu Ende.

 

 

TAG 3: MAKE IT CLASSY, MAKE IT SASSY

 

Den dritten und letzten Tag in der tschechischen Hauptstadt starte ich gemütlich bei einem ausgiebigen Frühstück. Das Hotel hat für mich alles, was mein großes Frühstücksherz erwartet und so stärke ich mich für finalen Stunden in Prag. Dass wir heute den Tag weder Führungen noch Termine im Programm haben, gibt mir die Gelegenheit, am Vormittag noch kurz den hoteleigenen Wellness- und Spa-Bereich zu nutzen. Im neunten Stock sind alle Party-Spuren der letzten Nacht bereits beseitigt und ich setze mich in den Whirlpool mit Blick auf die Prager Burg. Nach einigen Blubber-Minuten zieht mich mein Entdeckergeist jedoch zurück ins Zimmer, wo ich mich fertig mache und auf eigene Faust die Stadt erkunde.

 

 

Die letzten Stunden verbringe ich als klassischer Tourist in Prag: Ich spaziere über die Karlsbrücke, mache einen Abstecher beim Franz Kafka Museum, streife durch die Altstadt, füttere Schwäne und fühle mich sehr klassisch und basic – was ich oftmals sehr gerne bin. Vor allem nach den zwei sehr aufregenden Tagen in der Stadt tun die letzten ruhigen Stunden sehr gut. Da ich im Genuss des Late-Check-Out-Services bin, komme ich erst am Nachmittag ins Hotel zurück. Um 14 Uhr checke ich aus und genehmige mir noch einen späten veganen Lunch in der Salaterie Ugo. Danach spaziere ich im strahlenden Sonnenschein und ready bepackt für meine Heimreise zum Hauptbahnhof, um meine Fahrt zurück nach Wien anzutreten.

 

 

Die kurze Reise hat für mich alles beinhaltet, was ein Städtetrip braucht: Ich habe neue Leute, viele Details der Stadt, die Kultur, Architektur, Geschichte und LGBT-Szene kennengelernt, hatte leckeres Essen, viel Party und kann mit unzähligen neuen Eindrücken auf meiner Travel-Habenseite auf drei wunderschöne Tage in Prag zurückdenken.

Fall euch jetzt auch die Prag-Lust gepackt hat: Bei der tschechischen Zentrale für Tourismus – CZECH TOURISM bekommt ihr kostenlos Infos, Broschüren und Stadtpläne, um euch bestens auf euren Trip einzustimmen und vorzubereiten:

Tschechische Zentrale für Tourismus – CZECH TOURISM

Penzingerstraße 11-13, A-1140 Wien

Telefon: +43/1/89 202 99

E-Mail: [email protected]

www.czechtourism.com

 

Prague City Tourism

www.prague.eu

 

Wenn ihr in der Stadt auf der Suche nach Touristen-Infos seid, könnt ihr euch direkt an diese Stelle wenden:

Prague City Tourism – Infozentrum in Prag 1:

Staroměstské náměstí 1

11000 Praha 1 – Staré Město

E-mail: [email protected]

www.prague.eu/en/TIC/radnice

 

Infos zum ersten homosexuellen Touristen- und Lokalführer für Prag inkl. Tipps für Bars, Clubs, Festivals und anderen LGBT-Veranstaltungen der Stadt gibt’s hier:

www.gaymap.cz
 

Text Michael Haller