Mittlerweile ist unsere Gesellschaft so weit, dass immer wieder queere Charaktere in Serien auftauchen, Filme von homosexueller Liebe handeln, und in den Medien mehr über sexuelle Ausrichtungen, Gender, und die LGBTQ+ Community gesprochen wird. Dass das nicht immer so war, möchten wir mit unserer Textreihe Queer History aufzeigen, in der wir jede Woche über wichtige Momente in der queeren Geschichte, von den Anfängen des Films bis hin zur heutigen Zeit sprechen. Den Anfang dieser Werke macht der erste Film, der Ton mit Bild vereinte, und obendrein eine für diese Zeit fast schon skandalöse Szene zeigte:

Auch, wenn es einem in der heutigen Zeit als unvorstellbar erscheint, hat ein Film, ohne bunte Farben, mit nur 17 Sekunden Länge einst eine technische Revolution geboren, welche unser Leben bis heute verändert hat. Im 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Liebe noch als neuropsychiatrische Störung angesehen wurde, entstand ein monumental wichtiger Beitrag in der Geschichte, der leider in Vergessenheit geraten ist: Der erste Film mit Ton, und zwei miteinander tanzenden Männern.

William K.L. Dickson nahm zwischen 1894 und 1895 in Thomas Edison’s Filmstudio sein gleichnamiges Projekt “Dickson Experimental Sound Experiment” erfolgreich auf: Die selbstgebauten technischen Errungenschaften der beiden Erfinder, dem “Kinetograph” und dem “Kinetoscope”, erzielten vereint als “Kinetophonograph” das gewünschte Ergebnis: Zu sehen waren der Violine spielende Dickson selbst, sowie zwei unbekannte, miteinander tanzende Männer.
 
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Die Aufnahme, die aufgrund der erstmaligen Verbindung von Bild und Ton als filmtechnologisch monumental gilt, ist aber mehr als nur technischer Fortschritt: Filmhistorisch gesehen kann man diese Aufnahme als ersten Queer-Film der Geschichte bezeichnen. Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob man dieses eng miteinander tanzende Paar als hetero- oder homosexuell ansieht. Dieser Anblick war für die damalige Zeit jedoch so untypisch, dass man ihn heute vermutlich als queer bezeichnen würde.

Eine Aufnahme zweier Männer, die damals nur so an Fortschrittlichkeit strotzte. Auch, wenn in den heutigen Medien das Thema queersein immer mehr angesprochen wird, existiert seit bereits über 100 Jahren ein FIlm, der zeigt, wie harmonisch und vor allem ohne missbilligende Reaktionen anderer zwei Männer miteinander tanzen können.


Text: Rebecca Pfeier, Julia Hübsch

Lektorat: Alex Baur