Der Arztbesuch ist für uns mittlerweile so selbstverständlich wie der morgendliche Kaffee: Wir warten, mal länger, mal kürzer auf einen Termin, und halten danach unsere kleine Versicherungskarte an das Lesegerät am Empfang. In der Apotheke müssen wir nur selten Beträge über 10€ zahlen, Arztrechnungen bekommen wir so gut wie nie zu Gesicht. Ist eine komplizierte Behandlung gefragt, gibt es fast immer genug Spezialisten, an die wir uns wenden können, und wenn es ganz ernst wird, haben Notaufnahmen rund um die Uhr geöffnet.

Dass unsere ärztliche Versorgung allerdings alles andere als selbstverständlich ist, zeigen Untersuchungen der World Health Organisation (WHO), die in einem Bericht erklärt, dass mindestens 400 Millionen Menschen weltweit ohne Krankenversicherung leben, und keinen ausreichenden Zugang zu ärztlicher Grundversorgung haben.

Gerade deshalb hat die WHO den Weltgesundheitstag ins Leben gerufen, der jährlich am 07. April an die Gründung der World Health Organisation im Jahre 1948 erinnern soll. Dabei geht es der WHO natürlich nicht um Selbstdarstellung – vielmehr sollen wir alle zum Nachdenken angeregt werden: Darüber, wie selbstverständlich das europäische Gesundheitssystem für uns ist. Wie viel Glück wir haben, professionelle Hilfe in allen Lebenslagen zu bekommen. Und der Weltgesundheitstag soll auch genutzt werden, um weiterhin über gefährliche Krankheiten aufzuklären, und deren Verbreitung zu stoppen.

 

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So wird in Österreich täglich mindestens eine HIV-Neudiagnose gestellt. Bereits seit mehreren Jahren bewegt sich die Anzahl dieser registrierten positiven HIV-Ersttests auf einem ähnlichen Niveau. Allein in Österreich wurden im Jahr 2017 510 HIV-positive Neudiagnosen registriert. Obwohl man heutzutage mit einer frühen Behandlung ein ‘normales’ Leben führen kann, erhält ein großer Anteil der HIV-positiven Menschen in Österreich ihre Diagnose erst zu einem Zeitpunkt, an dem die Infektion bereits weit fortgeschritten ist. Diese späte Diagnose wirkt sich negativ auf die persönliche Lage und den Therapieerfolg der betroffenen Person aus. Dass mit einer HIV-Infektion auch noch immer ein großes Stigma einhergeht, haben wir als Vangardist Magazin mit unserer HIV+ Issue, die mit HIV positivem Blut bedruckt wurde, bewiesen. Wie wichtig es ist, dieses Stigma niederzureißen, haben die kontroversen Reaktionen auf unsere Ausgabe gezeigt.

Heute sollte ein Tag sein, der alle dazu ermutigt, die eigenen Gesundheit wertzuschätzen – und ernst zu nehmen. Wir sollten diesen Tag nutzen, um uns zu informieren, wie wir uns vor Krankheiten schützen können, wie wir anderen Menschen in Not helfen können und wie wir selbst Erkrankungen vorbeugen können.