Homophobie fängt da an, wo sich eine abwertende Einstellung gegenüber homo- und bisexuellen Personen im Sinne eines sozialen Vorurteils zeigen. Dies kann durch Handlungen, Gestik, aber vor allem auch anhand von Sprache ausgedrückt werden. „Wie schwul ist das denn bitte?” hat vermutlich jeder von uns schon mal gehört. LEIDER! Doch hier kommt es vor allem auch darauf an, WER sowas sagt bzw. überhaupt sagen darf. Wir haben und doch schon alle öfter bei Familientreffen auf die Zunge beißen müssen, um die Stimmung nicht komplett zu zerstören.

Der Bundeszentrale für politische Bildung nach hat Homophobie dreierlei Abstufungen: Nach sozialpsychologischem Verständnis erstens mal affektiv, wenn zum Beispiel negative Gefühle bei Personen ausgelöst werden, die zwei sich küssende Männer in der Öffentlichkeit sehen. Zweitens kognitiv, wenn sich gegen gleiche Rechte für alle gestellt wird. Und drittens gibt es noch die verhaltensbezogene Komponente, wenn beispielsweise Kontakt zu homo- und bisexuellen Personen vermieden oder abgebrochen wird. All diese Abstufungen können sich vorrangig in Sprache wiederfinden, die zu Beleidigungen anders sexuell orientierter Personen und Gruppen führt, nicht selten dann leider auch in homophoben Gewalttaten und Hasskriminalität eskaliert.

 

DIE SPRACHE ALS STÄRKSTE WAFFE

 

Bei Aussagen wie „Schwuchtel” oder wenn etwas als „schwul” bezeichnet wird, liegt die homophobe Grundlage auf der Hand. Und es kann noch so lustig, noch so „nicht so” gemeint sein – es sind und bleiben diskriminierende Aussagen! Nicht ganz so offensichtlich homophobe Ausdrücke hat die Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ans Tageslicht gebracht: Laut den Ergebnissen der Untersuchung wird Homosexuellen unterstellt, absichtlich zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wobei natürlich die Selbstverständlichkeit von heterosexueller Repräsentativität übersehen wird. 26 % der Befragten gaben an, dass das Thema Homosexualität mittlerweile zu viel Raum in den Medien einnehmen würde und 40 % der Teilnehmer sagten, dass sie der Meinung sind „Homosexuelle sollen aufhören so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen“. Hier kommt homophobe Sprache also viel subtiler und indirekter rüber, als das plakative „Schwuchtel”, trotzdem macht es das auf keinen Fall besser.

 

Apropos Schwuchtel: Auf Schulhöfen sind solche Beleidigungen an der Tagesordnung. Wie eine Befragung zu sexueller Vielfalt herausgefunden hat, lästern Sechstklässler über andere Personen, weil diese für schwul, lesbisch oder bi gehalten werden oder sich einfach nicht dem gängigen geschlechtskonformen Spielregeln der Schule verhalten.

 

 

AUFKLÄRUNG UND HILFE

 

Wie kann dieser homophoben Sprache also entgegengewirkt werden? Da sich bereits im Jugendalter eine gewisse Sprache und ein gewisser Tonfall festsetzen und an Schulen wüste Beschimpfungen durch die Klassenzimmer fliegen, liegt es auch an den Lehrpersonen, darauf aufmerksam zu machen. Ob die Lehrkräfte sich für lesbische, schwule und bisexuelle Schüler jedoch einsetzen, hängt davon ab, ob sie selbst der Meinung sind, sich mit dieser Thematik auszukennen und zu wissen, wie sie in solchen Fällen intervenieren und aufklären können. Das Bewusstsein sollte hier ebenfalls geschärft werden, dass sehr wahrscheinlich auch einige der eigenen Schüler queer sind. Das lässt sich natürlich auch auf Familien und Freundeskreise übertragen, wo ein solcher Sprachgebrauch oftmals ebenfalls vorherrscht.

 

Eine Sensibilisierung ist hier notwendig, um aufzuklären, dass weder „Schwuchtel” noch „schwul” als negativ konnotierte Bezeichnungen verwendet werden sollen. Die einzigen und wirklich EINZIGEN Personen, die diese Wörter verwenden dürfen sind wir. Wir, die Gay-Community. Diejenigen, die sich diese Beschimpfungen höchstwahrscheinlich früher selbst anhören mussten und den Spieß nun in der eigenen Szene humoristisch umdrehen dürfen. Ach und übrigens: Das gleiche gilt natürlich auch für Begriffe wie „behindert”, „Spast”, usw (ohne hier eines mit dem anderen vergleichen zu wollen!).

 

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Homophobie hat viele Gesichter, das der Sprache ist eines davon. Um abschließend Schauspieler Morgan Freeman zu zitieren: “I hate the word homophobia. It’s not a phobia. You are not scared. You are an asshole.“ Das lassen wir mal so stehen und fordern einfach mal kollektiv auf: ACHTET AUF EURE SPRACHE!

DU BRAUCHST HILFE?
Solltest auch du Hilfe oder Beratung benötigen, kannst du dich an folgende Stellen wenden:
HOSI, Webseite der Homosexuellen Initiative in Wien
Du bist nicht allein, Comming Out Seite für Jungsiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt), Auerspergstraße 15, 1080 Wien: 01 4000 81449
Telefonseelsorge: 142
Hilfe für Mobbingopfer der Arbeiterkammer
Hilfe für Cybermobbing

 

Text Michael Haller
Quelle bpb