Wer sich nach dieser Wahlnacht inklusive finaler Ohrfeige eine Analyse, Statistiken und Prognosen erwartet hat der hat die Wahl des US Präsidenten nicht verstanden. Die Mehrheit interessiert sich nämlich nicht für Fakten sondern für Aufreger, Skandale und Eskalation.

 
Mit einem Streitgespräch über die Schwanzgröße eines Präsidentschaftskandidaten hat der Wahlkampf begonnen und so endet er auch. Zugegeben ist das Thema Schwanzvergleich doch viel spannender als eine Diskussion über Freihandelsabkommen oder den Nahostkonflikt. Und immerhin merken sich das die Wähler auch, wenn sie unentschlossen in der Wahlkabine stehen.

 
Leider haben das die Demokraten noch nicht ganz verstanden. Hillary Clinton hätte vielleicht eher eine Chance gehabt wenn Bill ihre großen Brüste oder ihre Performance im Bett gepriesen hätte.
Man muss die Menschen eben thematisch auf ihrem Niveau abholen.

 
Wer glaubt das Land habe ein Problem mit Rassismus hat jetzt gesehen, dass das Patriachat das noch größere Problem darstellt.

 
Doch für Lamenti ist es jetzt zu spät. Die US Amerikaner haben gewählt und sich für den Mann mit dem kleinen Penis entschieden. Ein kleiner Blick in die Geschichte reicht um zu erahnen, dass nun wieder einmal die Welt zur Kompensation eines gekränkten Ego’s herhalten muss.

 
Nun heißt es LGBT Rights, Climate Change und Weltfriede ade. Rassisten, Waffenlobbyisten, Kohle-, Gas,- und Erdölproduzenten und christlich-religiöse Fanatiker haben gerade ihren größten Sieg errungen. Sie werden das In- und Ausland mit ihrer ranzigen Moral überziehen. Zusätzlich wird mit dem Sieg in beiden Parlamentskammern der Staat zum Selbstbedienungsladen für Wallstreet und Co. während Präsident Trump sich irgendwo grunzend und unbeeindruckt an einem Hummerbuffet bedient. Wer heute kein weißer Hetero-Mann ist, sollte sich in Sicherheit bringen, denn die USA haben ab heute keine Kontrollinstanz mehr.

 
Zu verdanken haben wir das einer außer Kontrolle geratenen Medienwelt die sich auch dem letzten unterbelichteten Zuseher unterworfen hat und den Bildungsauftrag mit Gladiatorenspielen verwechselt.

 
Bedanken dürfen wir uns aber auch bei jenen über-intellektuellen Besserwissern, denen Clinton zu wenig Grün und zu viel Corporate war. Die, um aufrichtig zu sich selbst zu sein ein Problem hatten, der einzig möglichen Kandidatin ihre Stimme zu geben. So als ob ein Vegetarier dem das Gemüse zu wenig Bio ist, ein Schweinsschnitzel in Kauf nimmt.

 
Die Welt ist entsetzt und bekommt wieder einmal das, was anscheinend “keiner” gewollt hat, aber davon einen ordentlichen Haufen. Das Schicksal der Menschheit liegt nun in den Händen von Melania Trump. Möge sie Donald’s Donald verwöhnen, sodass er auf keine dummen Gedanken kommt.


Text: Julian Wiehl