Es ist Sommer in Berlin. Die Bäume sind grün, die Flohmärkte voll, und vor den ganzen Hipster-Cafés stehen Liegestühle und Tische, auf denen Soja-Lattes oder handgepresste Espresso stehen.

Und in den Stühlen, da sitzen sie, die Menschen in Leggings oder gekrempelten Jeans, mit langem dünnen Mantel und dazu ein paar Sneaker. Und am Tisch nebenan sitzen sie, die Menschen in Leggings oder gekrempelten Jeans, mit langem dünnen Mantel und dazu ein paar Sneaker. Und auch in der hintersten Ecke des Cafés sitzen sie, die Menschen in Leggings oder gekrempelten Jeans, mit langem dünnen Mantel und dazu ein paar Sneaker.
 
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So wie der Sommer, ist auch der Hipster-Style in unserer Mitte – nicht nur „in Mitte“ – angekommen. Aber ist Mainstream sein jetzt eigentlich schlecht? Was ist schlimm daran, so zu sein, wie der Durchschnitt?

Vor allem unsere Jugend ist ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, im Mittelfeld zu bleiben. Die aktuelle Sinus-Jugendstudie zeigt, dass viele sich nichts mehr wünschen, als so zu sein wie alle anderen. Es gibt keine großen Strömungen mehr, die auf Provokation oder Abgrenzung bauen.

Es gibt quasi nur noch Hipster, dessen leidiges Problem in dieser Gesellschaft ja auch ist, dass sie sich von der Masse abheben wollen, sich aber trotzdem einer Gruppe zuordnen. Und durch das Streben nach Individualität, wird doch nur Mainstream geschaffen. Denn alle wollen eben sein, wie alle.

Mainstream bedeutet heute ein stärkeres Streben nach Geborgenheit, eine Sehnsucht nach Halt und Orientierung. Also eigentlich etwas, dass sich doch fast jeder wünscht, oder? Mainstream bedeutet aber eben auch, die Stan Smiths zu tragen, und die Jeans hochkrempeln, wenn es alle tun. Und die Leggings so lange an zu behalten, bis auch der letzte Hefepilz ausgewachsen ist.
 
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Mainstream ist nicht unbedingt schlecht. Es bedeutet, sich auf die Schwarmintelligenz zu verlassen, vielleicht ein bisschen feige zu sein, aber eben auch den aufgeklärteren Strömungen zu folgen. Solange also die Leader dieser Strömung etwas akzeptieren, solange akzeptiert es auch der Rest. Mangelnde Akzeptanz andersartigen Dingen gegenüber entsteht dann meist aus Unwissenheit und mangelnder Reflexionsfähigkeit.

Doch wenn wir es schaffen, genau diese Punkte auch in den Mainstream zu übertragen, dann wäre Mainstream eigentlich ziemlich cool. Eine neue Gruppe selbstdenkender, reflektierter und hinterfragender Menschen, die weltoffen, tolerant und verständnisvoll sind. Das wäre doch ein schöner Mainstream.


Text: Stephan Otto