Britney Spears: Das 2007 gefallene Popsternchen stieg wie ein Phönix aus der Asche und wird von ihren Fans mehr geliebt denn je – zumindest wenn ich den ganzen “Make Me”-Posts diverser Facebook-Bekanntschaften Glauben schenken darf. Dass ein Großteil dieser Bekanntschaften mit großer Britney-Affinität homosexuell ist, muss ich wahrscheinlich gar nicht erwähnen. Ich tue es aber dennoch, weil es mich in der Annahme bestärkt, dass Miss She’s-Too-Big-Now-She’s-Too-Thin nunmal eine waschechte Schwulenikone ist.

Gleiches scheint für Queen B zu gelten: Madame Flawless, die jeden Morgen so aufwacht wie andere nur auf der eigenen Hochzeit aussehen und die einzige Person auf Erden ist, die beim Autos-mit-Baseballschläger-zerschlagen so wunderschön aussieht, freut sich ebenfalls über eine starke schwule Fanbase.

Und dann gibt es da natürlich noch Rihanna-hanna-hanna-eh-eh-eh-eh, die freizügige Frau aus Barbados, die vor Jahren noch harmlos zu Pon de Replay tanzte und sich mittlerweile halbnackte auf einem Thron reibt – Good Girls Gone Bad halt.

Mama Madonna darf man natürlich auch nicht vergessen: Die Frau, deren Make-Up Photoshop heißt, die mit ihren 58 Jahren noch immer mit einem Elan und einer Kondition über die Bühne hüpft, die ich nur erreichen, wenn ich zum Essen gerufen werde.

Lady Gaga, die mit Hits wie „Born this way“ ziemlich eindeutig ein queeres Publikum anspricht und von diesem auch entsprechend verehrt wird – im Gegensatz zu PETA, die Gaga heute sicher noch immer für ihr Fleisch-Kleid auf der roten Liste stehen haben – lieber Kotelette statt Dekoltée, so ist sie, die Gaga. Oder eher so war. Denn jetzt ist ja Schluss damit. Back to Basics. Lady GaGa ist jetzt Joanne.

Diese Künsterlinnen haben nicht nur gemeinsam, dass sie sich alle einer ziemlichen breiten schwulen Fanbase erfreuen, sie machen alle meist auch ziemlich poppige Musik. Zum Teil auch die Art von Musik, bei der man seinen Spotify-Account mal für ein paar Stunden auf Private-Session stellen möchte, damit niemand mitbekommt, dass man den Vormittag damit verbracht hat, sich in Unterwäsche gegen die Zimmerwand zu drücken während man die unverständlichen „Me Against The Music“-Lyrics auskeucht.

Und ich kenne auch keine Mainstream-Gay-Party, die ohne Pop-Floor auskommt. Und dieser Pop-Floor kommt wiederum nicht ohne Britney, Beyoncé, Ri-Ri und Co. aus – wenn das Publikum nicht einmal screamen und shouten oder sich wenigstens einmal am Abend wie das only girl in the world fühlen darf, dann war es kein erwähnenswerter Abend.

Ich möchte hier niemandem einen schlechten Musikgeschmack unterstellen, ist ja sowieso relativ. Und noch viel weniger möchte ich schwarz-weiß-zeichnen und behaupten, dass jeder Homosexuelle total auf Pop-Musik abfährt und vougend zur Welt kommt. Ich denke, es gibt eine Menge alternative Partys, die das Gegenteil beweisen. Trotzdem ist es einfach nicht von der Hand zu weisen, dass die genannten Popsternchen eine große Anziehungskraft auf schwule Männer ausüben.

Aber warum?

Vielleicht bieten die Künstlerinnen der Community eine Art Identifiktationsmöglichkeit: Schließlich sind es starke Powerfrauen (zumindest wollen sie so nach außen wirken), die von Stärke, von Entschlossenheit singen. Die in ihren Songtexten davon sprechen, dass es völlig okay ist, anders zu sein – ob sie diese Texte letztendlich selbst geschrieben haben oder ob sie auf der Feder diverser Producer stammen, spielt dabei zunächst keine Rolle.

Außerdem eint sie, dass sie sich oftmals für Rechte Homosexueller einsetzen. An dieser Stelle sei nur kurz Madonna erwähnt, die sich 2012 bei einem Konzert in Russland öffentlich für Homosexuelle aussprach und einsetze.

Sie alle stehen in der Öffentlichkeit als starke Frauen, als Kämpferinnen: Beyoncé posiert vor einem gigantischen „Feminist“-Schriftzug und gilt als äußert emanzipiert, Lady Gaga bekannte sich öffentlich zu Missbrauch und bewies damit Mut, Britney rasierte sich vor den Linsen der Paparazzos die Haare, von ihrem VMA-Auftritt wollen wir lieber gar nicht erst sprechen und stand wieder auf. Vielleicht ist es diese Kämpfermentalität, die so anziehend wirkt – vielleicht aber auch nicht. Woher diese Faszination wirklich kommt, ist schwer zu sagen. Aber es ist manchmal auch absolut okay, wenn man den Kopf ausschaltet und zu „Piece of me“ abgeht als gäbe es kein Morgen: You better Werk, bitch!