Erinnert ihr euch noch an SchülerVZ? Wenn ihr diese Frage jetzt mit „ja“ beantwortet habt, seid ihr wahrscheinlich irgendwas mit 20 Jahren alt und mit Myspace groß geworden.
Ich erinnere mich noch ziemlich gut an SchülerVZ und daran, dass ich penibel und mit großer Sorgfalt darauf geachtet habe, dass die Gruppen, die am Ende der eigenen Pinnwand angezeigt werden, einen ziemlich hohen Coolness-Faktor aufweisen. Schließlich war es mir wichtig, dass meine Profilbesucher wissen, dass ich anonym die Folie von Becks-Flaschen löse, plane die Weltherrschaft zu übernehmen, das Kopfkissen umdrehe, um auf der kalten Seite zu schlafen, die Fernbedienung bei schwacher Batterie stärker drücke und – worauf ich eigentlich hinaus will – mal kurz in der Park gehe, um glückliche Pärchen zu vergiften. Ja, mein 14-jähriges, pubertierendes Pickel-Ich ist tatsächlich der Gruppe „Ich bin mal eben glückliche Paare im Park vergiften“ beigetreten und hat sich quasi zur Planung eines (Doppel-)Mordes durch Gift bekannt.

Kann ich wirklich froh sein, dass zu dem Zeitpunkt im Stadtpark der Kleinstadt, aus der ich komme, gerade Bauarbeiten durchgeführt wurden und aus diesem Grund keine glücklichen Paare zugegen waren, die man potentiell hätte vergiften können. Ich wäre total verdächtig gewesen – wenn auch unschuldig. Als Teenie hatte ich nur eine große Fresse, aber keinen Arsch in der Hose. Heute habe ich einen Arsch in der Hose, was aber daran liegt, dass ich mir zu viel Pommes in meine große Fresse drücke.

Aber Pommes sind besser als Gift. Für diese Überleitung würde mein Literatur-Professor mich wahrscheinlich köpfen, aber das ist mir egal – schließlich schreibe ich jetzt für ein Wiener Post-Gay Magazine. Und was machen Sie, Herr Prof. Dr. B.?

Ich frage mich heute, ob ich Pärchen, die ihr Glück an die große Glocke hängen und turtelnd durch eine rosa Bonbonwelt hüpfen, damals wirklich schon gehasst habe oder ob ich es einfach nur cool fand, so zu tun als ob. Denn heute hasse ich diese Paare. Das liegt aber nicht daran, dass ich anderen ihr Glück nicht gönne – ich bin selbst in einer Beziehung und Neid treibt mich ganz sicher nicht an. Ich möchte es einfach nicht sehen, wie Paare sich in der U-Bahn laut schmatzend die Zunge in den Hals stecken, während ich mich an ihnen vorbeiquetschen muss, um Rentner ihren Sitzplatz wegzunehmen. Ich möchte nicht, dass Mandy sich am Nachbartisch auf Pascals Schoß setzt und sich dem bekleideten Geschlechtsakt hingibt, während ich die Folie von meinen gratis Karamell-Keks nicht aufbekomme. Ich möchte in der Fußgängerzone keine Umwege mehr gehen, weil händchenhaltende Pärchen den direkten Weg, der auch meist der kürzere ist, versperren, was einerseits daran liegt, dass meine Zeit kostbar ist, andererseits aber auch daran, dass ich unfassbar faul bin.

Ich kann gar nicht genau sagen, was mich daran so stört. Vielleicht bin ich einfach nur verbittert, ein schlechter Mensch, ein Misanthrop oder versuche von meiner eigenen Unzulänglichkeit abzulenken, aber ich möchte das alles nicht mehr sehen. Get a fucking room. So, und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss in den Park. Pommes kaufen.

 

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