„Und dann sind wir weiter nach Bali. Traumhaft, guck mal hier!“, sagt sie und hält mir ihr nagelneues iPhone vor die Nase, welches natürlich ganz classy von einer unsagbar teuren Moschino-Hülle geschützt wird. Sie, nennen wir sie Sarah, ist eine alte Schulfreundin von mir – wir haben eigentlich kaum noch etwas miteinander zu tun, aber wenn man mal wieder in der Heimat ist, trifft man sich halt. Wie das eben so ist. Sarah ist so ein richtiges Rich Kid: Die Eltern sind Anwälte, Studium an einer privaten Hochschule, keine WG, sondern gleich eine Eigentumswohnung und von ihren Klamotten brauchen wir gar nicht erst reden. Sarah musste sich in ihrem Leben noch nie Gedanken über Geld machen, es war einfach immer da.

Meine Beziehung zu Geld ist eine ganz andere. Es ist nämlich die meiste Zeit einfach nicht da. Und wenn es mal da ist, ist es eigentlich auch schon wieder weg. Ich muss auch gestehen, dass ich nicht allzu gut mit Geld umgehen kann. Manchmal wünsche ich mir, ich wäre wir Sarah. Also nicht charakterlich. Auf gar keinen Fall charakterlich! Aber so vom Geld her. Geld macht vieles leichter, das steht wohl außer Frage. Und ich möchte auch gar nicht unfassbar reich sein. Mir reicht es, sorglos zu sein.

 

Denn gerade als junger Mensch in der Großstadt teile ich diese Ängste mit vielen: Wie bezahle ich eigentlich meine nächste Miete? Wo bekomme ich die Kohle für den nächsten Semesterbeitrag her? Ach, fuck, warum muss die Waschmaschine ausgerechnet jetzt kaputt gehen, wo ich doch komplett blank bin? Spaghetti mit Ketchup oder doch Reis? Geldsorgen sind einfach kacke. Punkt. Da gibt’s nicht mehr zu sagen.

 

Und klar, dann arbeitet man halt für sein Geld. Aber wie das so in der Irgendwas-mit-Medienbranche ist, wird man da auch nicht reich. Ich bekomme mittlerweile wirklich das Kotzen, wenn ich Facebook-Postings wie „Stylist für Shooting morgen gesucht. Unpaid. DM ME!“ oder „Hair and Make-Up anyone? Unpaid, aber großes Magazin!“ – Hell to the fucking no! Du möchtest, dass ich für dich arbeite, dir meine Arbeitskraft und Expertise zur Verfügung stelle? Dann möchte ich, dass du mich dafür bezahlst. So einfach ist. Das Problem dabei ist einfach: Es findet sich immer irgendjemand, der den Job dann tatsächlich unbezahlt macht – entweder weil es tatsächlich eine tolle Referenz für Unerfahrene ist, oder weil man halt Langeweile hat und keine Kohle braucht. Wer in der Kreativszene arbeitet, weiß ziemlich genau, wovon ich spreche.

Und auch die bezahlten Jobs reichen meist nicht, um über die Runden zu kommen: Die Pauschalpreise, die Freiberuflern zum Teil angeboten werden, sind äußerst lächerlich. Ein Model für eine Werbekampagne bezahlen? Warum denn das? Kann sich ja schließlich am Buffet bedienen. Ob das Model seine Miete wohl auch mit belegten Brötchen und Cola-Dosen bezahlen kann? Ich habe einfach keinen Bock mehr, mir Gedanken über Geld zu machen