„I’ve spent $40,000 on shoes and I have no place to live? I will literally be the old woman who lived in her shoes!” sagte Carrie Bradshaw alias Sarah-Jessica Parker und alle Zuschauer jubelten. Eine Show voller Widersprüche? Vier Ladies, die das Single-Leben in ein Scheinwerferlicht der Extraklasse stellen (sollen), während sich fast alles dennoch in jeder Folge um Boys Trouble dreht… Wie steht es denn nun um das Erbe von Sex & the City? Es scheint so, als verschleiert uns die romantische Großstadt-Vorstellung den Blick für das Wesentliche: Die ein oder anderen fragwürdigen Elemente der Show.

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Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Samantha Jones (Kim Cattrall), Charlotte York (Kristin Davis) und Miranda Hobbes (Cynthia Nixon) sind vielen noch heute ein Begriff. Doch wofür stehen die scheinbar bekanntesten Single-Frauen der Welt? Zwar präsentiert die HBO Serie einerseits moderne weibliche Hauptdarstellerinnen, die überdurchschnittliche Karrieren haben und sich erfolgreich durch den Großstadtjungle kämpfen, andererseits ist die ständige Suche nach Mr. Right allgegenwärtig. Ziehen wir doch mal den Bechdel Test heran. Es werden hier drei einfache Fragen gestellt, um sicherzustellen, ob Frauen im Film lediglich Klischees bedienen oder ernstzunehmende Charaktere repräsentieren. Eine der Fragen lautet zum Beispiel:

 

„Reden die Frauen miteinander über etwas anderes als Männer?”

 

Ganz klar: Nein. So fällt Sex and the City bereits hier schon durch den Test und „I couldn’t help but wonder…” … ob Sex & the City heute vor dem Hintergrund dieser Fragen überhaupt nochmal derartig produziert werden könnte?

 

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Beispiele gefällig?

 

  • Die Verschlossenheit gegenüber LGBTQIA+ in der Show.
    „I’m not even sure bisexuality exists. I think it’s just a layover on the way to Gay Town.” Als Carries Freund sich als bisexuell outete, war die Reaktion aller SATC Girls so offensichtlich bi-phobisch, das man nur den Kopf schütteln kann.
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  • Die absolute Stereotypisierung schwuler Charaktere in der Show.
    Achtung, Klischee-Alarm! Die Charaktere mussten in bestimmte Kisten der Homosexualität passen, weil Carrie und Co. definitiv Probleme mit transgender- und bisexuellen Personen hatten. Die Gay Best Friends der Frauen waren also lediglich geschlechtslose Accessoires in One-Way-Freundschaften.
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  • Die Art und Weise, wie Samantha ge-slut-shamed wird.
    Nachdem Charlottes Bruder mit Samantha geschlafen hat, gilt Charlottes Zorn nur Samantha. Sie slut-shamed Sam ständig aufgrund ihres Sexlebens und behandelt sie wie eine zweitklassige Person. Übrigens: In der Gay Community ist das oftmals nicht viel anders.
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  • Wie Frauen andere Frauen unter Druck setzen, sexuelle Dinge zu tun, nur um einen Mann zu behalten.
    Als Charlotte keinen Analsex eingehen möchte, um den sie ihr Freund bittet, setzt Samantha sie unter Druck, da sie sonst ihren Mann verlieren würde.
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  • Mr. Big und Carrie sind das Aushängeschild einer toxischen Beziehung.
    Mr. Big wird in seinem Wesen als beziehungsunfähiger Mann dargestellt und lehrt die Zuschauer fälschlicherweise von Männern nur das Nötigste erwarten zu können.
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  • Die Show ist absolut white-washed.
    Eine Gruppe isolierter weißer Frauen in New York City. Mit einer starken Betonung auf weiß. Erstens ist es ziemlich unglaubwürdig, im Big Apple kaum mit farbigen Menschen in Kontakt zu treten und zweitens extrem rassistisch.
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    I CURSE THE DAY YOU WERE BORN

     

    Chelsea Fairless war Fashion Editor, Designer und Co-Founder eines jeden Outfits von Sex and the City und somit maßgeblich an der Show beteiligt. Was sie auch noch ist? Queer! „I did take issue with their handling of certain queer issues back in the 90s, because that is my community …” Doch wieso kommen solche Aussagen erst nach der letzten Klappe? Wieso nicht während des Drehs, während der Ausstrahlung? So wird die Gesellschaft maßgeblich zum Stillstand gezwungen, durch die plakative Werbung für konservative Rollenbilder, Rassismus, Homophobie usw.

     

    Wir werden wohl noch lange romantisch an Carrie Bradshaw zurückdenken, wie sie am Fenster ihrer New Yorker Wohnung sitzt und dramatisch in die Großstadtlichter starrt. Doch Nostalgie hin oder her, es stellt sich die Frage, inwiefern die Serie noch repräsentativ für die heutige Zeit ist. Schaut euch Sex and the City unter genannten Aspekten doch nochmal an und bildet euch eure (neue) Meinung.

     

    Autor: Lena Pfeiffer