Im Zuge des Life Balls 2017 trafen wir Greg Owen zum Interview und sprachen mit ihm über das biomedizinische Präventionsmittel PrEP (Pre-exposure prophylaxis). Greg aus London arbeitete früher als Sexworker, wurde selbst HIV-positiv und arbeitete an einer Website, um es Personen in Europa zu ermöglichen, PrEP nach Großbritannien zu importieren.

 

Was ist PrEP eigentlich?

 
Übersetzt bedeutet PrEP so viel wie „Vor-Risiko-Vorsorge“. HIV-negative Personen nehmen dabei präventiv ein Medikament ein, um sich vor einer möglichen Infektion mit HIV zu schützen.

 


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© Nicholas Feustel


 

Was hat unser Interviewpartner Greg Owen damit zu tun?

 
Greg war früher Sexarbeiter und wurde durch ungeschützten Geschlechtsverkehr HIV-positiv. In den USA war das Medikament „Truvada“ zur präventiven HIV-Behandlung längst zugelassen, für Europa jedoch erst seit dem Jahr 2016. Greg fand zum damaligen Zeitpunkt heraus, dass es Personen jedoch möglich ist, PrEP zu einem billigeren Preis selbst nach Großbritannien importieren zu können. Er arbeitete an einer Website (www.iwantprepnow.co.uk), um es Personen in Europa zu ermöglichen, über die Homepage ihr PrEP selbst nach Großbritannien zu importieren. Durch seine HIV-Infektion war es ihm jedoch nicht mehr möglich, rückwirkend gesund zu werden und so konzentrierte er sich darauf, anderen Personen vorsorglich eine Hilfestellung mit der Website zu geben. „I was probably about three or four month too late to start taking PrEP.” Nach langer Arbeit und persönlichem Engagement alleine an dem Projekt wurden nach und nach Organisationen und Institutionen auf Greg’s Projekt aufmerksam, die ihn dann auch finanziell unterstützten. „The medical community embraced us. At the Life Ball we received the Life Plus award for outstanding contribution for HIV prevention. As part of that award we were also given a grant of € 150.000 from the Life Ball and € 100.000 from the Elton John AIDS Foundation.”

 

Wie funktioniert PrEP und wie setzt es sich zusammen?

 
Das HIV-Medikament „Truvada“ enthält zwei Wirkstoffe, die HIV an der Vermehrung im Körper hindern. „The first one is tenofovir and the second is emtricitabine. If you are using Truvada as the backbone of HIV-treatment it needs a third drug. To control HIV you need three drugs. But for PrEP we know that you only need the two drugs. And those two drugs are in the pill Truvada”.

 


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© Souleyman Messalti


 

Woher bekommst du dein PrEP?

 
Im deutschsprachigen Raum ist „Truvada“ seit 2016 für die HIV-Prävention zugelassen. Ärzte/Ärztinnen verschreiben das Medikament derzeit jedoch nur auf Privatrezept, das heißt, dass Patienten/Patientinnen die hohen Medikamentenkosten selbst tragen müssen. „The only way to get PrEP officially would be to buy branded Truvada at 400 pounds a pot. That’s 400 pounds for 30 pills.“ Durch die Website und Arbeit von Greg ist es nun jedoch endlich möglich, dass Personen PrEP selbst zu einem viel geringeren Preis nach Großbritannien importieren können. Durch die aufgelisteten Websites auf www.iwantprepnow.co.uk ist es auch für Personen aus dem deutschsprachigen Raum möglich, ihr Medikament dort zu bestellen. Das Medikament wird über Greg’s Website nach Großbritannien importiert. Um an das PrEP zu gelangen, gibt es hierfür zwei Möglichkeiten: Einerseits kannst du dein PrEP in Großbritannien abholen und direkt in deinem Gepäck mit nach Hause nehmen. Wenn du nicht extra nach Großbritannien kommen kannst oder dort niemanden kennst, gibt es auf der anderen Seite noch die Möglichkeit, Paketdienstleister, wie zum Beispiel www.borderlinx.com zu beauftragen, die dir das Medikament an eine Postfachadresse in Großbritannien liefern und dann zu dir nach Hause weitertransportieren. Hier muss jedoch erwähnt werden, dass diese zweite Art des Selbst-Imports von Medikamenten durch einen Paketdienstleister eigentlich nicht erlaubt ist. Allerdings untersucht der österreichische Zoll gewöhnlicherweise keine Pakete aus anderen EU-Staaten. Somit ist diese Art der Beschaffung ebenfalls möglich.

 

Wie nimmst du PrEP ein?

 
Prinzipiell gibt es zwei Formen der Einnahme: Bei der dauerhaften PrEP-Einnahme wird täglich eine Pille geschluckt. Diese Variante kommt für Personen in Frage, die häufig sexuelle Kontakte haben und dadurch möglichen HIV-Risiken ausgesetzt sind. „You can take it whenever a time a day you want. It’s a really safe and easy pill to tolerate and to take. If you forget a pill or two, we know that you are still covered. That would be great in a situation where you don’t know when you are going to have sex but you might have sex quite often. So for example you have sex on a Wednesday and you had not planned it until like ten minutes before. The daily pill is really good for that kind of unplanned sex.“ Die andere Variante ist anlassbezogen. Hier wird das Medikament nur einige Tage eingenommen, nämlich am Tag, an dem man plant, Sex zu haben beziehungsweise bis spätestens zwei Stunden vor dem Akt. „If you are a person who only has sex maybe once every two or three weeks and it’s around an event that you have planned, the better idea for that would be to take another system on demand. You take two pills a double dose 2-24 hours before sex and then a single pill every 24 hours. Keep doing that until you have two sex-free days.“ Auf regelmäßige HIV-Untersuchungen zusätzlich zu beiden Einnahmeverfahren solltest du jedoch trotzdem nicht verzichten, um dich komplett absichern zu können.

 


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© Souleyman Messalti


 

Wogegen schützt PrEP eigentlich genau?

 
PrEP bietet ausschließliche Prävention vor einer möglichen HIV-Infektion. Gegen Syphilis, Tripper, Chlamydien und andere ansteckende Geschlechtskrankheiten bieten Kondome einen gewissen Schutz. Die meisten Ansteckungen sind jedoch Schmierinfektionen, die auch oral übertragbar sind.

 

Was ist die Vision von Greg Owen?

 
Greg’s Vision ist die globale Abdeckung mit und ein generell einfacher Zugang zu PrEP. Durch seine Arbeit wurde dem Thema die wichtige Aufmerksamkeit geschenkt und dadurch ein anderer Umgang mit HIV und Präventionsmitteln möglich. „I think PrEP has created a lot of hopeful communication around HIV prevention. But in the excitement of that, we must not lose sight of the fact that we still need to help people live as best as they can with HIV. We need to help people who are now aging and we need to keep the conversation happening.”

 


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© Souleyman Messalti


 

Schau dir diese kurze Dokumentation von Filmemacher Nicholas Feustel zum Thema PrEP an. Für die Dreharbeiten traf er sich mit verschiedensten Personen, unter anderem mit PrEP-Nutzern, PrEP-Aussteigern, Ärzten und natürlich ist Greg auch Teil des Videos geworden.

 



 

Text Michael Haller
Interview Julian Wiehl