Egal welches Lebensziel du hast, es läuft doch immer auf das Gleiche hinaus: Zufrieden will man sein, provokant gesagt, glücklich! Ob du dieses Lebensglück durch Karriere, Liebe, Familie oder Geld erreichst, spielt in erster Linie keine Rolle. Im Kern geht es nämlich um ein und die selbe Sache: Für die Vorstellung eines gescheiterten Lebens ist in unseren Köpfen kein Platz.

Wer will schon auf sein Leben zurückblicken und sagen, dass eigentlich alles anders hätte kommen sollen?

 

Nein, Mund halten und weiter daran arbeiten ist das Motto. Scheitern? Keine Option. Das Streben nach Glück, es treibt uns an: Wir lernen das Laufen und sind plötzlich glücklich, weil wir die Welt aus einer anderen Perspektive sehen. Wir lernen lesen und schreiben, bekommen die erste gute Note in der Schule, haben die ersten Freund*innen, den ersten Kuss, das erste Mal, den ersten Abschluss. Wir gehen Reisen, fangen an zu studieren, arbeiten an unserer Karriere oder gründen Familien. So unterschiedlich der Lebensweg auch sein mag: Alles nur ein Mittel zum Zweck – und oftmals arbeiten wir viel zu verkrampft daran.

 

Lustvolles Scheitern, das sollten wir lernen

 

Denn gewinnen können wir sowieso nicht immer. Anstatt uns fertigzumachen, weil die Beziehung nicht funktioniert hat, der Job doch nichts für uns ist oder das mit der Weltreise nicht geklappt hat, sollten wir akzeptieren, dass wir nicht alles können. Wir können uns nicht in die Person verlieben die perfekt für unsere Eltern wäre. Wir können nicht immer den coolen Job bekommen, für den wir nicht geschaffen sind. Wir finden uns nicht immer selbst, nur weil wir zwischendurch 20 Länder bereist haben. Und das alles ist okay. Wir müssen nicht morgen unsere selbstgesteckten Ziele erreichen, und wir dürfen unser Glück vor allem nicht von ihnen abhängig machen. Denn wenn wir diese Ziele nicht erreicht haben, haben wir zumindest durch das Scheitern wieder was Neues gelernt.

 

mehr_scheitern_vangardist_1
Am Ende einer Selbstfindungsreise hat man vielleicht sich selbst auf dem Weg verloren.

 

Glück durch ein bisschen mehr Selbstliebe, vielleicht ist das der Weg

 

Sei es die Tatsache, dass wir in einer bestimmten Art von Beziehung nicht funktionieren, oder der Fakt, dass wir lieber in einer anderen Branche unser Geld verdienen sollten. Nur wenn wir scheitern, finden wir heraus, was wir besser machen können – oder eben, was besser für uns ist. Wir dürfen nicht so hart zu uns sein, uns für jedes Scheitern bestrafen, sondern müssen uns mehr selbst lieben. Denn Selbstliebe und Arroganz, das sind zwei grundverschiedene Dinge. Selbstliebe bedeutet, voll für sich einzustehen – auch, seine Fehler und Schwachstellen.

 

Das Leben ist der Scheiterhaufen

 

Zugegebenermaßen mag diese Formulierung etwas melodramatisch anmuten, und historisch gesehen ist der Begriff ja auch nicht ohne negative Konnotation zu sehen. Doch scheitern wir tagtäglich, im Kleinen wie im Großen. Und unsere Einstellung zum Leben gibt vor, wie wir damit umgehen: Ob wir uns fertig machen, weil wir nicht alles geschafft haben, oder ob wir darin einen Ansporn sehen, uns neu zu orientieren. Wir müssen für das Leben und uns brennen, mit all unseren Misserfolgen – und das rundet die Scheiterhaufen-Metaphern auch schon wieder ab.


Text: Alex Baur