Deutschrap und Sexismus – Warum endlich ein Wandel passiert - VANGARDIST MAGAZINE

Deutschrap und Sexismus – Warum endlich ein Wandel passiert

Deutschrap, das ist kein Geheimnis, zählt zu den Musikgenres, in denen Männer das Geschehen noch am meisten dominieren. Doch seit den letzten Jahren kommt Bewegung in die Branche. Frauen erreichen nicht nur die Spitze der Charts, sondern brechen ein großes Tabu der Szene – sexuelle Gewalt. Vor allem ein Instagram-Account wird dabei zum Vorkämpfer. 

Die große Stille

Vor wenigen Wochen kam der Stein ins Rollen: Nika Irani, Model und Influencerin, hat in vier Slides eines Instagram-Posts über ein Treffen mit dem Berliner Rapper Samra berichtet, im Laufe dessen sie vergewaltigt worden sein soll. Große Szenemedien, wie Juice.de, blieben still, während Irani einen misogynen Shitstorm aushalten musste, der ihre Vorwürfe relativierte oder sogar rechtfertigte. Dieses Verhalten ist alles andere als neu in der Rap-Szene. Häufig wurde Frauenhass nicht nur in Zeilen sondern auch im realen Leben kritisiert, blieb aber immer folgenlos. 

Der neue Umgang

Dieses Mal kam es aber anders. Nika Irani hat auf Instagram auch zahlreiche Unterstützung erhalten. Musikkolleg:innen wie Lea, Nimo oder Leepa solidarisierten sich mit der Influencerin. Shirin David, erfolgreichste deutsche Rapperin, breitete in ihren Instagram-Storys mehrere Studien zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen aus und kündigte an, den Release ihrer neuen Single um eine Woche zu verschieben, um eine Zeile zu entfernen, die sich positiv auf Samra bezog. Drei Tage nach Iranis Posting legte das Label von Samra, Universal Music, die Zusammenarbeit mit ihm auf Eis. 

Der nächste Schritt

Am selben Tag postete ein neuer Account auf Instagram namens @deutschrapmetoo einen Aufruf, Geschichten von sexualiserter Gewalt in Zusammenhang mit deutschen Rapper:innen einzuschicken. Der Name ist nicht zufällig gewählt. Als 2017 bekannte Persönlichkeiten international für ihre Taten belangt wurden, vermisste man vielerorts eine ähnliche Bewegung für die Rapszene. Der Account sammelt die Berichte und postet sie anonym nach Zustimmung der Betroffenen. Dazu liefert er gleichzeitig Informationen für Opfer sexualisierter Gewalt. Die Geschichten, die dort geteilt werden, folgen häufig einem Muster: Fans werden von der Entourage der auftretenden Stars in den Backstagebereich eingeladen, wo sie dann eine Übermacht von Männern gegenüberstehen, gegen die sie sich kaum zu verteidigen wissen. Häufig berichten die Betroffenen auch von anschließenden Schuldgefühlen und der Angst davor, als ruhmsüchtig zu gelten, wenn man die Täter:innen anzeigt. 

Der Account erreicht dabei ein großes Publikum. @deutschrapmetoo hat bereits über 27.000 Follower:innen. Denn erstmals werden sexistische Taten von Künstler:innen der Rapszene in einem großen Archiv für alle zugänglich gesammelt – damit das große Schweigen um diese dauerhaft gebrochen bleibt. 

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