Chapter 1: “The Joy of being Queer”

Wer die Situation für die LGBTQIA+-Community verbessern will, ist täglich mit sehr vielen negativen Schlagzeilen konfrontiert. Auch das gebetsmühlenartige Hinweisen auf Diskriminierungen ist auf die Dauer ermüdend. Das kann für viele Außenstehende den Eindruck erwecken, es sei ein schweres Los, etwas anders zu sein als der akzeptierte Durchschnitt. Und ja, es ist in vielen Regionen der Welt tatsächlich ein Problem, seine queere Gefühlswelt auszuleben und in manchen Ländern kann das immer noch lebensgefährlich sein. Gerade in Polen erleben wir, wie bereits erkämpfte Rechte im Eiltempo wieder rückgängig gemacht werden können, wenn die falschen Politiker an der Macht sind. 

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die queere Bewegung im Kern von Lebensfreude getrieben ist. Deshalb haben wir unsere aktuelle Ausgabe, die coronabedingt nur online erscheint, The Joy of Being Queer genannt. Eine Ausgabe über die Freude, so zu sein, wie man sich im Innersten fühlt und die Möglichkeit, dies in der Öffentlichkeit auch auszudrücken. Nichts ist schöner als sich im Außen so zu geben, wie man sich im Innersten fühlt. 

Ein echtes Parade-Beispiel sind die weltweit stattfindenden Pride Märsche und CSDs, die wohl zu den friedlichsten und fröhlichsten politischen Kundgebungen der Welt zählen. Hier wird trotz aller Repressionen gefeiert und auf friedliche Art und Weise auf die Situation der LGBTQIA+-Community aufmerksam gemacht – um die Gesellschaft mit viel Lebensfreude Jahr für Jahr ein bisschen schöner zu gestalten.


Der Gedanke des freien Lebens zieht sich durch die gesamte queere Bewegung.


Teil der Community zu sein hat mir persönlich sehr viel gegeben. Gerade beim Reisen bedeutet The Joy of Being Queer, in jedem Land schnell Bekanntschaften zu machen und sich nicht wie ein fremder Tourist, sondern rasch wie ein gern gesehener Gast zu fühlen. Egal wo ich unterwegs war, waren alle Begegnungen immer von Liebenswürdigkeit, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft geprägt. Somit steht die Bewegung für mich auch als ein perfektes Gegenkonzept zu einem toxischen Nationalismus. 

Der Gedanke des freien Lebens zieht sich durch die gesamte queere Bewegung. In dieser geht es nicht darum, einfach den Begriff des schwulen Mannes und der lesbischen Frau gesellschaftspolitisch zu etablieren, sondern für eine Gesellschaft einzutreten, in der jede und jeder so sein kann wie sie oder er ist, ohne Labeling und Vorverurteilung – da sind auch Transpersonen, Bisexuelle, Asexuelle, Drags, Transvestiten inkludiert und natürlich alle Formen von queeren Personen und Straight Allies sowie alle Formen, denen wir heute noch gar keine Name gegeben haben. Die Bewegung ist somit nicht nur eine Bewegung für eine Minderheit, sondern für eine offene Gesellschaft und damit für alle. Auch für jene, die sich total wohl in einer traditionellen Lebensform fühlen – nur mit dem Unterschied, dass auch sie die Freiheit haben, sich jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, wonach ihnen ist. Wer die Freiheit hat, sein Leben selbst gestalten zu können, der hat es nicht notwendig, den anderen das Leben schwerer zu machen als es eh schon ist. Also: Let’s celebrate The Joy of Being Queer