Mit der Welle des „New Queer Cinema“ findet Anfang der 90er ein Aufschwung der queeren Filmindustrie statt. Inspiriert von der bildenden Kunst, politischem Aktivismus und Musikvideos kennzeichnen die Filme des New Queer Cinema eine neue Blütezeit des experimentellen Films und der Vermischung von Filmgenres. Wie jede Woche erfahrt ihr in unserer Reihe Queer History, wie mit dem Thema des queerseins in der Geschichte umgegangen wurde:

Als Pioniere des New Queer Cinemas gelten unter anderem die Regisseure Todd Haynes und Derek Jarman, sowie die Regisseurin Rose Troche. Diese distanzieren sich erstmals bewusst vom Mainstream der bisherigen Darstellung von schwulen und lesbischen Filmcharakteren: Ihre Independent-Produktionen werden meist mit geringem Budget finanziert. Die Botschaft des New Queer Cinema beschränkt sich nicht mehr auf die Akzeptanz der Gay-Community gegenüber einem heteronormativen Publikum, vielmehr handelt es sich um Kino für queere Personen von queeren Personen. Filmschaffende verarbeiten persönliche Erfahrungen in ihren Filmen: Sie behandeln sexuelle Vielfalt, Identitätsfindung, und die Folgen von AIDS. 

Ein Genre, das zu dieser Zeit verstärkt verfilmt wurde war der Roadmovie. Die dort dargestellten Reisen bilden die Reisen der Protagonist*innen zu sich selbst ab. Roadmovies erlauben das Freisein der Charaktere und das Leben außerhalb von Zwängen und monogamen Beziehungen. Der Film ‘My Own Private Idaho’ von Gus van Sant aus dem Jahre 1991 gilt neben anderen als der Auslöser für das New Queer Cinema, und war auch einer der ersten Roadmovies mit dieser Thematik.

 
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Obwohl langsam vereinzelten Indie- und Undergroundfilmen mit queeren Inhalten größere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, gab es noch immer große Aufschreie und Proteste gegen Queer Cinema. Dies verdeutlicht, dass die westliche Welt in den 90er Jahren noch weit entfernt von totaler Akzeptanz und Toleranz war.

Sailor Moon, eine japanische Animeserie, war dafür bekannt, starke queere Charaktere als Heldinnen und Helden, verbunden mit offenen gleichgeschlechtlichen Beziehungen, fließender Sexualität und Hinterfragung von Geschlechterrollen, darzustellen. Solche Inhalte wurden in Amerika stark zensiert und verändert, gleichgeschlechtliche Liebhaber zu Cousinen gemacht, genderfluide Charaktere einem Geschlecht zugeordnet, und Szenen, die explizit „unsittliche“ Akte darstellen komplett rausgeschnitten. Die Essenz der Serie blieb jedoch trotzdem nicht verborgen und besonders queere Jugendliche haben die Dynamik und die eigentlichen Inhalte erkannt, und damit starke Identifikationsfiguren finden können.

Dies hat zusammen mit anderen Werken der New Queer Cinema Welle zu einem langsamen Beginn der Aufklärung in der breiten Masse geführt, und das Fundament für die heutige Gesellschaft und Filmlandschaft gelegt.

 

Hier geht es zu Queer History #5.

 


Text: Yves Kurazikubone, Sophie Riedler, Svenja Brinckmann